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Streit um Kirchturmglocke : Glockenschlag vor dem Kadi

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Krakower Stadtvertretung berät heute erneut zum Geläut der Turmuhr / Landkreis akzeptiert Widerspruch der Stadt nicht und fordert Lärmminderung

Der Glockenstreit im Luftkurort geht in die nächste Runde. Soll die Kirchturmuhr auch weiterhin wie bisher 24 Stunden lang zu jeder Viertelstunde schlagen, muss die Stadt dies gerichtlich erstreiten. Den Krakower Stadtvertretern liegt deshalb auf ihrer heutigen Sitzung ein Beschlussvorschlag vor, in der Angelegenheit den Klageweg zu beschreiten. Gleich zu Anfang des Jahres hatte der Landkreis den Ball wieder den Krakowern zugespielt. Deren Widerspruch gegen einen Bescheid des Landkreises im Sommer vergangenen Jahres wurde zurückgewiesen. Damit steht nun wieder die Forderung des Landkreises, geeignete Maßnahmen zur Lärmminderung zu ergreifen. Gegen diesen Bescheid kann die Stadt nur noch gerichtlich vorgehen.

Jana Ehnes, Inhaberin des Nordischen Hofes, beklagt sich über die nächtliche Lärmbelästigung für ihre Hotelgäste. Als sie mit ihrem Anliegen – bereits 2011 vorgetragen – in der Stadt nicht weitergekommen war, hatte sie sich an die Immissionsschutzbehörde des Landkreises gewandt. Die Behörde hatte bei einer orientierenden Schallpegelmessung festgestellt, dass das Zeit-Läutwerk der Stadt in der Nacht die Nachbarschaft erheblich beeinträchtigt. Der maximal zulässige Spitzenpegel von 60 Dezibel werde um bis zu zwölf Dezibel überschritten. Der Landkreis fordert nun die nächtliche Lärmbelästigung zu minimieren. Denkbar ist eine Abschaltung des Läutwerkes zu nächtlicher Stunde oder eine Reduzierung der Lautstärke.


Streit macht Glockenschlag zu einen „Heiligtum“


Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert schlägt den Stadtvertretern vor, den Klageweg zu beschreiten. Er hatte bereits vermutet, dass die Argumente der Stadt den Landkreis nicht überzeugen würden. „Soll ein Richter entscheiden, was zumutbar ist und was nicht“, sagt Geistert. Dabei betont Krakows Bürgermeister nochmals, dass in dem Falle, dass Meinungen laut werden, man solle „die Uhr nächtens schweigen und den ganzen Zirkus sein lassen“, man möglicherweise darauf hören werde. Dies sei aber bisher nicht der Fall. Auch Volker Stelzl, Vorsitzender des CDU-Fraktion, hat solche Stimmen noch nicht vernommen. Seine Fraktion werde weiter für den durchgehenden Glockenschlag streiten. Die Kirchturmuhr und ihre Glocke seien seit mehr als 100 Jahren Krakower Kulturgut, betont Stelzl. Damit das so bleiben kann, würde man auch mögliche Gerichtskosten von voraussichtlich 1500 Euro in Kauf nehmen.

Auch wenn ein Erfolg vor Gericht nicht sicher sei, läuft auch aus der Sicht des Die Linke-Fraktionsvorsitzenden Christoph Küsters alles auf ein Klageverfahren hinaus. „Inzwischen ist die Kirchturmuhr mit ihrem Glockenschlag schon fast zu einem Heiligtum in Krakow geworden“, sagt Küsters. Er könne zwar für die Hotelgäste ein gewisses Verständnis aufbringen, die Krakower aber hätten sich an den viertelstündlichen Glockenschlag der Kirchturmuhr gewöhnt. „Wer neben Gleisen wohnt, hört auch irgendwann keinen Zug mehr“, erläutert Küsters. Für die Fraktion FDP und Heimatverein Charlottenthal stellt Jörg Oppitz fest: „Wir wollen, dass die Turmuhr weiterhin schlägt.“ Auch die SPD-Fraktion, so Vorsitzender Michael Altmann, sieht sich in der Verantwortung, dem Wunsch der Krakower zu entsprechen.

Auf der Tagesordnung der Stadtvertretersitzung heute ab 19 Uhr in der Alten Schule stehen außerdem die Vorstellungen eines Konzeptes für eine seniorenfreundliche Stadt und des neuen Betreuers für das Naturschutzgebiet Krakower Obersee, Sebastian Lorenz.


 

 

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