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Streit um städtische Uhr am Kirchturm in Krakow am See : Glockenschlag raubt Urlaubern den Schlaf

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Nun schlägt’s 13! Der Glockenschlag der Uhr am Krakower Kirchturm entfacht Streit. Seit mehr als 100 Jahren schlägt sie den Krakowern und den Gästen zu jeder Viertelstunde. Hotel-Inhaberin Jana Ehnes reicht es nun.

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erstellt am 02.Apr.2013 | 05:53 Uhr

Krakow Am See | Nun schlägt’s 13! Der Glockenschlag der Uhr am Krakower Kirchturm entfacht Streit im Luftkurort. Seit mehr als 100 Jahren schlägt sie den Krakowern und den Gästen zu jeder Viertelstunde. Von einem traditionellen Kulturgut, das es zu verteidigen gilt, sprechen die einen, von einer unzumutbaren Lärmbelästigung, die den Hotelgäste im "Nordischen Hof" den Schlaf raubt, die anderen. Während die eine Seite bisher auf Zeit spielt, wandte sich Hotel-Inhaberin Jana Ehnes jetzt an die Immissionsschutzbehörde des Landkreises. Die hat schon mal probegemessen und festgestellt: Es ist zu laut.

Schon 2011 habe sie Kontakt mit der Stadt aufgenommen und ihr Problem deutlich gemacht, berichtet Jana Ehnes, die das Hotel seit 2008 betreibt. "Die Leute können nicht schlafen, wenn zu jeder Viertelstunde die Turmuhr läutet. Das vergrault mir die Gäste", betont die Hotel-Inhaberin. Die Besucher würden ihre Bewertung im Internet abgeben und dabei auf den störenden Glockenschlag verweisen. "Es gibt drei Hotels in Krakow. Wenn ich das lese, entscheide ich mich für ein anderes", erklärt Jana Ehnes. Sie hätte es gern ganz in Ruhe und einvernehmlich geklärt, sehe aber kein Entgegenkommen der Stadt und habe sich deshalb an die Immissionsschutzbehörde des Landkreises gewandt. Sie möchte, dass das Läuten nach 22 Uhr verstummt. Wenn es nach ihr ginge, sollte die Uhr erst wieder um 8 Uhr schlagen, schließlich möchten Urlauber ausschlafen. Sechs oder sieben Uhr wären ein Kompromiss für sie.

"Im Amt und in der Touristinformation sind drei Beschwerden von Gästen des ,Nordischen Hofes’ angekommen" informierte Bürgermeister Wolfgang Geister auf der Stadtvertretersitzung am Dienstagabend. Der Streit kam kurzerhand auf die Tagesordnung, weil die Immissionsschutzbehörde im Verfahren die Stadt anhört.

Das Votum der Stadtvertreter fiel mit 12 Stimmen für ein durchgehendes Geläut der Uhr, einer Gegenstimme und einer Enthaltung ziemlich eindeutig aus.

Nils Ruhnau wohnt am Mark. Der Uhrenschlag störe ihn überhaupt nicht. Es gebe in Krakow am See größere Probleme mit Lärm. Ruhnau nennt die Bundesstraße und Gewerbeansiedlungen. Volker Stelzl spricht von einem Krakower Kulturgut. "Sie soll noch 100 Jahre schlagen", betont er, der sich seit einiger Zeit um die Uhr kümmert und weiß, welch komplizierte Feinmechanik dahinter steckt. So einfach wird das mit dem Abschalten nicht funktionieren, vermutet Stelzl. "Noch 500 Jahre soll sie weiter schlagen", wünscht sich Wolfgang Fentzahn. Ein Verstummen über Nacht kommt für ihn überhaupt nicht in Frage. Von unterschiedlichen Auffassungen in der Fraktion der Linken berichtete Christoph Küsters. Er machte auf Gerichtsurteile aufmerksam. In einem Fall sei die Stadt Teterow unterlegen gewesen. Dort schweige die Uhr nun nachts. Andererseits, so Küsters, könnte Paragraph 1 der Mecklenburgischen Landesverfassung gelten: Allens bliwwt bin ollen. Die Krakower würde der Glockenschlag nicht stören.

Bürgermeister ermuntert Krakower zur Meinungsäußerung

Oder sollte es doch auch im Luftkurort andere Meinungen geben? In einem solchen Fall, so denkt der Bürgermeister, müsse neu darüber nachgedacht werden. Geistert wünscht sich Reaktionen aus der Bevölkerung. Gegebenenfalls müsse ein Gericht entscheiden. Der Immissionsschutzbehörde teile die Stadt jetzt mit, dass es sich um ein kleinstädtisches Kulturgut handle und man darum bittet, bei einer Abwägung die Tradition gegenüber der vorgetragenen Lärmbelästigung zu berücksichtigen.

Die Uhr - zunächst war überlegt worden, ob sie am Rathaus oder an der Kirche ihren Platz haben sollte - schlägt seit über 100 Jahren. Sie ist am Kirchturm angebracht, aber dennoch ein städtisches Objekt. Kommerzienrat Lorenz mit gut gehender Firma in Krakow am See schenkte die Uhr der Stadt. Sie schlägt seither jeweils einmal zur Viertelstunde, zur vollen Stunde viermal plus der Anzahl der Stunden, also maximal um 12 Uhr 16-mal.

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