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Kirchenglocke Gross Ridsenow : Glockenprozess nochmal von vorne

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gestohlene und zerstörte Kirchenglocke von Groß Ridsenow: Berufungsverhandlung wegen Befangenheit einer Schöffin ausgesetzt

Überraschende Wende im Kirchenglockenprozess von Groß Ridsenow: Das Verfahren vor der Berufungskammer des Rostocker Landgerichtes gegen Danny K. (30) und Marcel W. C28) aus Kronskamp (SVZ berichtete) muss neu verhandelt werden. Die Verteidiger hatten gestern einen zweiten Befangenheitsantrag gegen eine Schöffin gestellt. Die Schöffin ist Mitarbeiterin einer Wohnungsgesellschaft in Laage und soll den beiden Angeklagten im Vorfeld des Prozesses wegen ihres bewegten Lebens eine Wohnung verweigert haben.

Die Verteidiger schlussfolgerten daraus, da sie die Angeklagten und ihre Lebensumstände kennt, würde sie in dieser Sache nicht vorurteilsfrei entscheiden können. Das Gericht wies die Anträge am 12. September zunächst zurück. Die Schöffin stellte danach den Antrag, von ihrer Funktion entbunden zu werden. Sie begründete das damit, dass in ihrem Heimatort jeder jeden kennen würde und sie nicht gewillt sei, sich von den Angeklagten vorführen und verbal attackieren zu lassen, wie in der Verhandlung geschehen. Diese Erklärung nutzten die Verteidiger jetzt zu ihrem zweiten Befangenheitsantrag.

Der Richter der Berufungskammer erklärte gestern nach zweistündiger Beratungspause den Antrag beider Verteidiger wegen der Besorgnis der Befangenheit einer Schöffin für begründet und setzte die Hauptverhandlung aus. Der Antrag der Schöffin, ihr Amt zur Verfügung zu stellen, wurde jedoch zurückgewiesen. Auch ein hauptamtlicher Richter könne seine Funktion nicht so ohne weiteres aufgeben. Das gelte auch für ehrenamtliche Richter. Ein neuer Verhandlungstermin mit einer neuen Schöffenbesetzung wurde gestern aber noch nicht festgelegt.

Die bereits wegen Buntmetalldiebstahls vorbestrafte Danny K. und Marcel W. werden beschuldigt, am 6. Oktober 2012, mit zwei in der vergangenen Woche bereits verurteilten Kumpanen die Kirchenglocke vom Friedhof in Groß Ridsenow gestohlen und an einen Schrotthandel im Rostocker Überseehafen verkauft zu haben. Laut Anklage hätten sie dafür 1637 Euro erhalten. In der Schrottfirma wurde die Glocke in ihre Einzelteile zerlegt. Nach der Anzeige des Pastors der Christophorus-Gemeinde Laage, lieferte die Schrottfirma den Ermittlern das Autokennzeichen, die Kopie eines Personalausweises und Videoaufzeichnungen von den Angeklagten.

In einem Güstrower Urteil vom März 2014 wurden Danny K., Marcel W. und ihre Mittäter des gemeinschaftlichen Diebstahls und der gemeinschaftlichen Hehlerei für schuldig befunden, aber nur Danny K. erhielt eine Haftstrafe, alle anderen Bewährungsstrafen. Die Rostocker Staatsanwaltschaft legte gegen diese Urteile wegen zu milder Strafen Berufung ein.
Danny K. will jetzt einen Freispruch erreichen. Für Marcel W. wird es eng werden, denn sein Ausweis wurde beim Schrotthandel vorgelegt und er unterschrieb eine Erklärung, dass die Kirchenglocke nicht aus einem Diebstahl stammt.

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