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Groß Ridsenow : Glockendiebstahl erneut vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gestern Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Rostock / Einer der vier Täter erhält höhere Haftstrafe

Es war Montag, der 22. Oktober 2012, als Besucher des Groß Ridsenower Friedhofs das Fehlen ihrer auf dem Außengelände freihängenden Kirchenglocke bemerkten. Thomas Kretschmann, Pastor der Christophorus-Gemeinde Laage, stellte Strafanzeige (SVZ berichtete). Am Sonnabend, dem 6. Oktober 2012, kurz vor Schichtschluss gegen 11.30 Uhr, hatte der Schlosser der Entsorgungsfirma Jade im Rostocker Überseehafen, Jörg-Bernd P. (55), eine ungewöhnliche Ladung in Empfang genommen. Vier junge Männer lieferten in einem Hänger eine Kirchenglocke als Schrott an. Der Schlosser transportierte die Glocke zur Waage, stellte einen Materialschein über 537 Kilogramm Messing aus, obwohl sie aus Bronze bestand, und schickte die Lieferanten zur Kasse. Nach der Vorlage eines Personalausweises wurden 1637 Euro ausgezahlt.

Gedacht habe er sich nichts dabei, meinte der Schlosser gestern als Zeuge vor der Berufungskammer des Landgerichtes Rostock auf die Frage der Staatsanwältin, wie viele Kirchenglocken denn während seiner jahrelangen Tätigkeit für die Firma dort abgegeben wurden. Es war die erste. Ganz geheuer war ihm die Sache aber doch wohl nicht, denn er zeigte seinem Chef zu Wochenbeginn die seltsame Schrottladung. Der ließ die Glocke zwei Wochen liegen und da sie anscheinend niemand vermisste, wurde sie zerlegt.

Berichte in der SVZ über den Glockendiebstahl gelangten auch zum Überseehafen und die Entsorgungsfirma Jade übergab den Ermittlern das Autokennzeichen, die Kopie eines Personalausweises und Videoaufzeichnungen der jungen Leute, die die Glocke angeliefert hatten. Das Amtsgericht Güstrow verurteilte am 24. März 2014 die drei Angeklagten aus Kronskamp Danny K. (30) zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, Marcel W. (28) und Sebastian R. (23) zu Bewährungsstrafen. Auch die Strafe von 13 Monaten für Christian H. (29) aus Subzin wurde zur Bewährung ausgesetzt. Alle wurden des gemeinschaftlichen Diebstahls und der gemeinschaftlichen Hehlerei für schuldig befunden.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft jedoch legte gegen die Urteile wegen zu milder Strafen Berufung ein. Gestern begann alles von vorne. Nur Danny K. war zu einer Aussage bereit, gab aber an, mit dem Diebstahl nichts zu tun zu haben. Er sei nur mitgefahren, sagte aber, dass die Glocke aus einem Einfamilienhaus in Subzin abtransportiert wurde.

Licht ins Dunkel brachte erst die Kriminalbeamtin Antje W. aus Bützow. Sie wusste, dass in einem anderen Fall gegen den Bewohner des Hauses in Subzin ermittelt wird und dass auch der Angeklagte Christian H. zur Zeit des Glockendiebstahls dort wohnte. Zwei der Angeklagten erhielten gestern schon ihr Urteil. Bei Sebastian R. blieb es bei einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Christian Hs. Strafe fiel erheblich höher aus als in Güstrow. Er muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Am kommenden Freitag wird gegen Danny K. und Marcel W. weiterverhandelt.



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