Prozessbeginn : Glockendiebe schweigen

Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß       Ridsenow gestohlene historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.
Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß Ridsenow gestohlene historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.

Gestern Prozessbeginn für vier Männer aus Kronskamp und Subzin / 2012 verschwand Glocke in Ridsenow und landete auf Schrottplatz

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25. Februar 2014, 06:00 Uhr

Es ist bis heute ein fast unvorstellbarer Frevel, dass jemand vom Friedhof in Groß Ridsenow eine etwa 600 Jahre alte Glocke stiehlt und das historische Stück bei einem Schrotthändler zu Geld macht. Dennoch: Gestern begann am Güstrower Amtsgericht die Strafverhandlung gegen vier Männer im Alter von 22 bis 30 Jahren aus Kronskamp und Subzin. Vorgeworfen wird den Angeklagten, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein oder beim Absetzen der Glocke geholfen zu haben. Die Angeklagten äußerten sich gestern nicht zu den Vorwürfen.

Gehört wurden drei Zeugen. Laages Pastor Thomas Kretschmann berichtete, dass es bereits zuvor einen Diebstahlversuch gegeben hatte, dass die Glocke danach wieder ordentlich befestigt wurde und eine Umsetzung in die Polchower Kirche bereits vorbereitet wurde. Ein Glockensachverständiger hätte den historischen Wert des Geläutes auf 20 000 Euro geschätzt. Der nicht mehr genutzte Friedhof in Groß Ridsenow habe ein Tor und eine Mauer, beides durchaus überwindbar.

Ein Kronskamper war ins Spiel gekommen, als die Glocke zu einem Schrotthändler nach Rostock gebracht werden sollte. R., so bestätigte der Zeuge, habe sich von ihm sein Auto und einen Anhänger, der zu der Zeit nicht mehr zugelassen war, ausgeliehen. Über den Sinn der Fahrt habe man nicht gesprochen.

Weiter trat gestern der Leiter einer Rostocker Entsorgungsfirma, in den Zeugenstand. Er berichtete, dass die Glocke für den tagaktuellen Messingpreis von 3,05 Euro pro Kilogramm mit 1637,85 Euro vergütet wurde. Ein Mitarbeiter habe die Glocke angenommen. Sie sei beschädigt gewesen und auf dem Platz mehrfach umgesetzt worden. Schließlich hätte „zweimal dagegen hauen“ ausgereicht, sie in viele Teile zusammenfallen zu lassen. Zuvor hatte er seinen Platzmeister recherchieren lassen, aber nichts von einer vermissten Glocke in Erfahrung bringen können. Als der Diebstahl der Glocke vom Ridsenower Friedhof bekannt wurde, habe er den Fall der Polizei gemeldet. Der Betriebshof sei videoüberwacht. Die Rechnung trage die Unterschrift von W. Im Gerichtssaal entspann sich daraufhin eine Diskussion um den Wert der Glocke. Zwei der Rechtsanwälte versuchten deutlich zu machen, dass die Glocke ohnehin kaputt gewesen sei, nicht schön ausgesehen habe und ein ideeller Wert wohl kaum erkennbar gewesen sei. Richter Björn Kröhnert stellte fest, dass es wichtig sei, den Mitarbeiter, der die Glocken angenommen hat, in den Zeugenstand zu hören und behielt sich vor die Einschaltung eines Glockensachverständigen zu prüfen. Die Verhandlung wird am 17. März, 9.30 Uhr, fortgesetzt. Dann soll auch ein derzeit erkrankter Polizist aussagen.


Neuguss der Glocke in Vorbereitung


Die knapp 600 Kilogramm wiegende Glocke aus der Rostocker Gießerei von Rinkert de Monkehagen war eine der wertvollsten in MV. Gegossen wurde sie vor etwa 600 Jahren und anders als die meisten Kirchenglocken hatte sie die Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstanden und war nicht für Kanonenstahl eingeschmolzen worden. Nun wird alles für einen Neuguss vorbereitet. Die Kirchengemeinde ist dank einer überwältigenden Spendenbereitschaft finanziell dazu in der Lage. „Glockengießer und Glockensachverständiger diskutieren gerade über die Einzelheiten“, informiert Laages Pastor. Man wolle die Glocke auf jeden Fall in diesem Jahr in die Polchower Kirche hängen.

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