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Pfarrkirche Güstrow : Glocken mit „eigenem Kopf“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Neuanschaffungen für die Güstrower Pfarrkirche in Dienst gestellt.

Pastor Matthias Ortmann sprach von durchaus „selbstständigen“ Glocken, die die Pfarrgemeinde am Sonnabendabend in den Dienst stellte. Die kleine Glocke hatte so, wie es sich gehört, zum Gottesdienst gerufen. Doch plötzlich machten alle Glocken mit. Die Technik! Oder doch mehr!? Jedenfalls ist es geschafft. Die Pfarrkirche hat drei neue Glocken. Freitagnachmittag hatten die Monteure ihre Arbeit getan. Am Sonnabend läuteten die Neuen erstmals.

„Welch ein schöner Klang insbesondere der großen Glocke“, schwärmte Edgar Held nach dem Beichtgottesdienst am Vorabend der Konfirmation. Der Güstrower hatte es sich nicht nehmen lassen dabei zu sein, wenn die neuen Glocken erstmals erklingen. „Meine Mutter war Küsterin. Als Kind habe ich oft die Glocken geläutet“, erklärt er sein besonderes Interesse. „Ich habe sie alle geduzt“, sagt Edgar Held lachend und meint die alten Glocken.

 

Ihre Geschichte wird übrigens fortgeschrieben. Inschriften halten die Entwicklung fest. So ist auf der Friedensglocke zu lesen, dass sie 1508 geweiht, 1600 und 1854 umgegossen und 1942 im Krieg zerstört wurde. Aus Eisen ersetzt wurde sie 1950, neu gegossen 2015. Mit 3175 Kilogramm ist sie ein Schwergewicht neben der Sonntagsglocke (1400 Kilogramm) und der Mariengrocke mit 1000 Kilogramm. Alle drei bestehen zum 78 Prozent aus Kupfer und zu 22 Prozent aus Zinn. Jede, so hörten die Gottesdienstbesucher von Pastor Matthias Ortmann, nehme ihren Platz im Geläut ein. So sei die Friedensglocke als Sologeläut und als Basis des Vollgeläutes an allen Feiertagen und sonstigen liturgisch herausragenden Anlässen zu hören, die Sonntagsglocke als Sologeläut zu geeigneten Anlässen sowie Basis des Geläutes an normalen Sonntagen, die Marienglocke als Sologlocke – tägliches Gebetsläuten und Glockenzeichen zum Vaterunser – sowie Basisgeläut an normalen Sonntagen.

Unter vollem Geläut verließen die Gottesdienstbesucher am Sonnabendabend die Pfarrkirche. Froh und dankbar verabschiedete sie Pastor Ortmann. Er sprach von einem besonderen Erlebnis am Ende seiner Dienstzeit. „So viele Menschen haben Anteil genommen und mitgeholfen“, betont Matthias Ortmann. Ein nicht unbeachtlicher Teil der Kosten für die neuen Glocken wurde durch Spenden aufgebracht. Fast sei alles zusammen, vielleicht noch 3500 Euro würden fehlen. Aber auch die kämen noch zusammen, ist sich Ortmann sicher.

Zuletzt war übrigens noch ein Problem mit der alten großen Glocke gelöst worden. Sechs Zentimeter zu breit passte sie nicht durch die Kirchentür. „Wir mussten drei Steine herausnehmen und stellten dabei fest, dass man so wohl auch 1950 verfahren war, als die Glocke in die Pfarrkirche gekommen war“, erzählt der Pastor.

 

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erstellt am 17.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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