Krakow am See : Glocke muss nachts schweigen

Die kleine Glocke am Kirchturm schlägt zu jeder Viertelstunde.
Die kleine Glocke am Kirchturm schlägt zu jeder Viertelstunde.

Krakow am See zieht Klage gegen Landkreis zurück: Gesetzeslage eindeutig / Sanierung der städtischen Kirchenuhr vorgesehen

23-11367760_23-66109652_1416395934.JPG von
14. August 2015, 06:00 Uhr

„Bim-Bim…“ – das sanfte, viertelstündlich helle Klingeln der Krakower Kirchtumuhr wird bald verstummt sein. Jedenfalls zeitweilig, nachts. „Keine Chance!“, das mussten die Vertreter von Stadt und Verwaltung beim Verwaltungsgericht Schwerin erfahren, als sie mit ihrer Klage gegen den Landkreis vor den Kadi zogen. „Die Gesetzeslage ist leider eindeutig“, musste sich Renate Lorenz, die als 2. Stellvertreterin des Bürgermeisters den Kläger vertrat, vom Gericht belehren lassen: Die Uhr, so wie sie gebaut ist, darf nachts nicht läuten.

Zur Erinnerung: Die frühere Inhaberin des gegenüberliegenden Hotels hatte sich über das nächtliche Bimmeln beklagt. Hotelgäste hätten sich über das Geläut, das sie um den Schlaf bringe, beschwert. Weil die Stadt, der die Uhr auf dem Kirchturm gehört, wiederum diese Klagen nicht hören wollte, beschwerte sich die Hotelierin beim Landkreis. Der stellte nach Messungen des Geräuschpegels fest: Die Glocke ist nachts zu laut. Forderung des Landkreises: Entweder das Geläut wird gedämmt oder aber in der Nacht abgeschaltet.

Ein Proteststurm hob an im Luftkurort, Bürger setzten sich für das ihnen seit vielen Jahrzehnten vertraute Geräusch ein. Die Stadtvertretung folgte und stellte sich quer. Beschluss: Die Glocke als traditionsreiches Kulturgut des Luftkurortes soll so weiter läuten wie sie es schon immer durfte. Um das durchzusetzen, zog Krakow am See vor Gericht.


Im Luftkurort künftig um 6 Uhr Wecken angesagt


Der Termin in Schwerin, exakt zwei Jahre nach dem Datum des Landratserlasses, währte aber nur kurz. Die richterlichen Hinweise auf das durch das nächtliche Läuten verletzte Immissionsschutzgesetz genügten, um der Stadt schnell die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens zu verdeutlichen. Noch während der Verhandlung nahmen die Vertreter Krakows die Klage zurück. Ein kleiner Finger, den der Landkreis der Stadt reichte, mag diesen Entschluss befördert haben: Um 22 Uhr, also nicht schon früher, wie ursprünglich gefordert, darf die Glocke jeden Tag letztmals anschlagen. Ende der Ruhezeit ist dann jeden Morgen um 5.59 Uhr. Punkt sechs Uhr ist also künftig Wecken angesagt in Krakow am See.

Die Glocke wird sicherlich aber noch einmal Thema auf der nächsten Stadtvertretersitzung sein. Es geht darum, wie der Kompromiss umgesetzt werden soll, geht es doch auch hier nicht ohne finanziellen Einsatz ab. Bürgermeister Wolfgang Geistert favorisiert gleich ein umfassendes Programm, nämlich eine Sanierung des ganzen Uhrwerkes. „Das ist ja ein hundert Jahre altes Uhrwerk. Immer wieder muss es nachreguliert werden, weil die Uhr etwas nachgeht. Eine Sanierung wäre an der Zeit“, denkt der Bürgermeister. Dafür würde ein Uhrmacher, der sich auf alte Großgeläute versteht, das gesamte Uhrwerk aus dem Türmchen nehmen und grundlegend überholen. Neue Lager müssten verschlissene ersetzen, die gesamte Anlage neu justiert werden…

Geistert betont nochmals sein Bedauern, dass die Gesetzeslage zum nächtlichen Abschalten zwinge. Kritik am Landkreis: „Es wäre schön, wenn der Landkreis beim Straßenlärm von der B103 ebenso schnell und konsequent wäre.“ Als Alternative für den aktuellen Glockenschlag käme eine Schalldämmung infrage, die zweckmäßigerweise noch eine Tag/Nachttrennung hat. Der Aufwand indes erscheint dafür zu hoch. Praktisch ginge das wohl nur mit dem Anbau einer zweiten, leiseren Glocke für die Nacht, die wiederum neben der alten Glocke mit dem Uhrwerk funktional gekoppelt sein müsste. Eine generelle Schalldämmung dagegen hätte auch ein tagsüber leiseres Läuten zur Folge. „Mir ist wichtig, dass die Glocke wenigstens am Tage weiterhin so zu hören ist wie bisher“, sagt Geistert. So gesehen, erscheine ihm der Einbau einer Nachtabschaltung im Zuge der Sanierung noch als hinnehmbarste – auch von den Kosten – Möglichkeit.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen