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Brandruine in Güstrow : Gleviner Straße 3 droht Abriss

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Brand in der Gleviner Straße löst große Sorgen unter den Bauherren in Güstrow aus. Dem Haus mit der der Nr. 3 wurde wegen Einsturzgefahr bereits die Denkmaleigenschaft abgesprochen.

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erstellt am 24.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Bauherren in Sorge. Erst die nie aufgeklärte Brandserie Anfang der 2000er-Jahre, dann der Brand am Markt 29 (2014) und nun die Gleviner Straße 3. Immer waren die Häuser unbewohnt. In der Gleviner Straße gab es einen Gemüseladen im Erdgeschoss. „Ich bin mehr als beunruhigt“, betont Architekt und Bauherr Ulrich Bunnemann, der sich seit Jahren in der Güstrower Altstadt engagiert, und stellt Fragen: Wie ist der Stand der Ermittlungen der Polizei, insbesondere auch mit Blick auf die anderen Altstadtbrände? Wird nun wieder ein unter Denkmalschutz stehendes Haus abgerissen? Welches Licht wirft das auf die Stadt Güstrow?

Bauherren seien verunsichert, unterstreicht Bunnemann. Nirgendwo sonst in MV würden so oft denkmalgeschützte Häuser in der Altstadt brennen, glaubt Tilo Schöfbeck. Der Bauhistoriker arbeitet sei vielen Jahren in Güstrow – am Schloss, in Kirchen und Bürgerhäusern. Es gibt noch einige seit Jahren leerstehende, bauhistorisch bedeutende Gebäude in der Stadt. Wer soll hier noch in die Erhaltung von Baudenkmälern investieren wollen, fragt sich Schöfbeck.


Abriss wäre für Straßenzug fatal


„Wir stecken mitten in den Ermittlungen. Es bleibt beim Verdacht der Brandstiftung“, sagt Gerd Frahm, Pressesprecher der Polizeiinspektion Güstrow. Zu möglichen Parallelen zu vorherigen Bränden könne er noch nichts sagen. Nur so viel, dass dies „erst einmal nicht offensichtlich“ erscheine.

Als erschreckend bezeichnet Bunnemann den Umgang mit Brandhäusern in Güstrow. Es habe ihn wahnsinnig geärgert, dass vom Gebäude Markt 30, das vom Brand in der Nr. 29 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, nur der Giebel stehen blieb. Damit nicht auch die Nr. 3 in der Gleviner Straße verschwindet, würde er dem Eigentümer die Brandruine abkaufen. „Der Baustatiker kann nichts anderes feststellen, als dass das Haus einsturzgefährdet ist. Das ist richtig. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es abgerissen werden muss“, stellt Bunnemann fest und fügt hinzu: „Es muss gesichert werden!“ Aus seiner Sicht sei noch manches zu retten, ein Abriss dagegen fatal. Dem Haus aus dem 17. Jahrhundert sei eine gut gestaltete Fassade im klassizistischen Stil vorgesetzt worden. Wenn diese verschwindet, würde das das insgesamt klassizistische Bild der Gleviner Straße empfindlich stören. „Güstrow hat eine einmalig tolle Altstadt“, betont Bunnemann. Es lohne sich um jedes Haus zu kämpfen.


Ermittlungen zum Brand abwarten


Das unterstreicht auch Elisabeth Taetow, die sich jetzt an SVZ wandte, weil ihr die Fassade mit der halbrunden Loggia immer so gut gefallen hat. Immer habe sie einen Blick auf das Haus gehabt. Sie würde sich wünschen, dass wenigstens die Fassade erhalten bliebe.

„Es war ein Kleinod und ich bedauere, dass es nicht mehr zu retten ist“, äußert der stellvertretende Güstrower Bürgermeister Andreas Brunotte. Er könne sich nur auf die Aussagen von Fachleuten stützen. Wenn es dort unterschiedliche Meinungen gebe, sollten diese ausgetauscht werden, schlägt Brunotte vor. Von einer großen Gefahr für Güstrow möchte er nicht sprechen. „Wir sollten abwarten, was die Ermittlungen ergeben und daraus dann Schlüsse ziehen“, betont der Stadtrat und fügt hinzu: „Vermutungen bringen uns nicht weiter.“

Nach Auffassung der Denkmalschutzbehörde ist das Haus Gleviner Straße 3 so stark geschädigt, dass „die Denkmaleigenschaft erloschen ist und es abgerissen werden kann“, erklärt Kreissprecher Michael Fengler. Allein der Aufwand zur Rettung der Fassade werde als unvertretbar hoch eingeschätzt. Fengler zieht den Vergleich zum Markt 30. Für das Hinterhaus sei noch keine Aussage möglich. Hier werde noch geprüft, so Fengler.

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