Aufwendige Sanierung : Giebeldreieck prägt Prachtbau

Nachdem die Gerüste gefallen sind, bietet sich ein neues Bild. Fensteröffnungen am rückwärtigen Giebel waren wohl eine Ewigkeit zugemauert.
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Nachdem die Gerüste gefallen sind, bietet sich ein neues Bild. Fensteröffnungen am rückwärtigen Giebel waren wohl eine Ewigkeit zugemauert.

Sanierung gibt geschichtsträchtigem Gebäude an der Ecke Gleviner Straße/Hollstraße in Güstrow seine Schönheit zurück.

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28. Dezember 2017, 08:00 Uhr

„Der schwierigste Teil der Arbeiten ist geschafft. Jetzt können wir entspannter weitermachen“, sagt Ulrich Bunnemann und freut sich, dass in der Gleviner Straße 1 in Güstrow die Gerüste größtenteils abgebaut sind. Die bauliche Hülle des geschichtsträchtigen Hauses, in dem einst August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, zu Friedensverhandlungen in Güstrow nächtigte, ist saniert. Weiter geht es mit dem Innenausbau. Im April könnten die sieben Wohnungen und eine Gewerbeeinheit bezogen werden, schaut der Bauherr voraus.

„Welch ein riesiges Dach“, sagt Manfred Preuß und steht staunend vor dem Haus – nun ohne Rüstung. Der Güstrower beobachtet den Fortgang der Sanierung des Hauses, das mehr als 20 Jahre leerstand. „Güstrow bekommt ein weiteres Schmuckstück“, betont Preuß. Auch Architekt Bunnemann schaut zum Dach hinauf und spricht von einer Herausforderung. „Jeder einzelne Dachziegel musste gebohrt und verschraubt werden“, berichtet er. Dies sei notwendig, weil das Dach sehr steil ist. Die Dachdecker hätten sich bei der Arbeit extrem gut sichern müssen. Für S-Dachpfannen habe man sich mit Blick auf die Statik des Hauses entscheiden müssen. Eine Doppeldeckung mit Biberschwänzen wäre viel zu schwer geworden. Der historische Dachstuhl hätte nicht erhalten werden können, erklärt Bunnemann. Übrigens führte der Architekt erst jüngst Güstrower Stadtführer auf deren Wunsch über die Baustelle und zeigte ihnen insbesondere das Dachgeschoss, das – nicht ausgebaut – innen wunderbar erlebbar sei.


Überraschung: Fenster am rückwärtigen Giebel

Deutlich verändert hat sich die Ansicht des rückwärtigen bislang fensterlosen Giebels. Hier wurden alte Fensteröffnungen freigelegt. „Zum Teil waren noch originale Fensterzargen aus der Renaissance vorhanden“, schwärmt Bunnemann. Das Eichenholz sei gut erhalten. Irgendwann seien die Fenster zugemauert worden. Die Zargen blieben drin. Im nicht bewohnten Teil werden die Fenster mit Holzklappen, dort, wo sie sinnvoll sind mit Fensterläden versehen. Insgesamt, so Bunnemann, seien die Fenster – man habe mit großem Aufwand viele Originalteile erhalten – eine große Herausforderung für die Tischler gewesen. „Sie haben ihr Bestes gegeben“, betont der Bauherr. Dass die Fenster an der Front in der Hollstraße nicht einheitlich sind, erklärt Bunnemann mit einer Forderung der Denkmalpflege. Die zurückgesetzten Fenster stammen aus dem 19. Jahrhundert und sollten so erhalten bleiben.

Begonnen hat jetzt der Innenausbau: Dämmung anbringen, Wände verputzen, Fußböden verlegen usw. In dem Zuge sei auch noch zu entscheiden, wo eine bemalte Wandbespannung, die man bereits in einer Zweitverwendung an einer Decke entdeckt hatte, ihren Platz finden wird. Der für Bunnemann herausragendste Fund des Hauses werde jetzt restauriert. Auch bemalte Deckenbohlen habe man geborgen. Was mit ihnen passieren soll, sei noch unklar.

Ohne Farbe ist weiterhin das Erdgeschoss an der Hollstraße. Das bleibt nicht etwa so. Nässe – fahren die Busse durch die Hollstraße spritzt das Wasser an die Wand – und Kälte aber hätten die Arbeiten in dem Bereich unmöglich gemacht, erklärt Bunnemann.

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