Kinderschutz : „Gewalt gehört nicht in Erziehung“

Rainer Becker wirkte mehr als 20 Jahre an der Güstrower Verwaltungsfachhochschule als Polizeidirektor. Zudem ist er Bundesvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.
Rainer Becker wirkte mehr als 20 Jahre an der Güstrower Verwaltungsfachhochschule als Polizeidirektor. Zudem ist er Bundesvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.

Rainer Becker rief die Kinderschutzkonferenzen in Güstrow ins Leben / Jetzt geht der Polizeidirektor in den Ruhestand

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05. Juni 2015, 06:00 Uhr

Er ist der Mann, der den Kinderschutz in Mecklenburg-Vorpommern in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hat. Er rief die Kinderschutzkonferenzen in Güstrow ins Leben, gründete hier den Landesverband MV der Deutschen Kinderhilfe und initiierte die erste landesweite Kinderschutz-Hotline. In dieser Woche ist der Polizeidirektor Rainer Becker, der mehr als 20 Jahre an der Güstrower Verwaltungsfachhochschule als Fachbereichsleiter und Dozent gewirkt hat, in den Ruhestand gegangen. Doch wenig Ruhe wird sich der 59-Jährige gönnen. Als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Kinderhilfe in Berlin will sich Becker jetzt noch stärker für Kinderschutz und Kinderrechte engagieren.


Selbst in Kindheit Gewalt erfahren


Seit 2013 steht Becker an der Spitze dieser Lobbyorganisation für Kinder. „Ich möchte Kindern ein unbeschwertes und gefahrenfreies Aufwachsen ermöglichen“, beschreibt er selbst seine Beweggründe. Das hat auch persönliche Wurzeln. „Auch ich habe Gewalt in meiner Kindheit erlebt. Heute würde man sagen: Ich bin schwer gezüchtigt worden“, sagt der Familienvater offen. So eine Erfahrung traumatisiere bis ins Erwachsenenalter. Die damit verbundene Erniedrigung wirke lange nach. Deshalb setzt sich Becker mit der Deutschen Kinderhilfe für eine gewaltfreie Erziehung ein. „Gewalt hat in der Erziehung nichts zu suchen. Wir wollen Kinder schützen und ihnen ihre Rechte vermitteln und zudem für gute Rahmenbedingungen für Kinder sorgen, bei Erziehung, Ernährung, Sport und Bildung“, fasst er die Motive zusammen.

„Dafür mache ich Politik, ohne dass ich in einer Partei bin“, sagt der 59-Jährige. Es sei Lobbyarbeit für Kinder, oftmals auch hinter den Kulissen. Becker versucht immer alles, er mischt sich ein, auch wenn er damit aneckt. Das ist seine Mentalität. So rief der gebürtige Hamburger 2007 in Güstrow die erste Kinderschutzkonferenz Mecklenburg-Vorpommerns an der Verwaltungsfachhochschule ins Leben. Komplett von ihm selbst organisiert. „Ich wollte verschiedene Akteure im Kinderschutz zusammenbringen, um die Abläufe im Kinderschutz zu verbessern“, sagt er. Mittlerweile hat sich diese Landeskonferenz mit 400 bis 600 Teilnehmern jedes Jahr etabliert. Auch das Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales MV hat sich mit eingeklinkt und sogar der Ministerpräsident war schon da. Am 26. Juni findet die 9. Konferenz in Güstrow statt.

Erfolg hatte Becker auch im Jahr 2008 mit seiner Idee einer Kinderschutz-Hotline im Nordosten. „Damit sind die Hinweise auf Kindeswohlgefährdung in MV stark angestiegen. Seit der Einführung der Hotline gibt es doppelt so viele Inobhutnahmen von gefährdeten Kindern in MV“, erläutert Becker. Immer noch ist MV das erste und einzige Flächenland mit so einer Hotline.


Preis fürZivilcourage im Norden


Becker wird auch weiterhin unermüdlich für Kinderrechte kämpfen. Jetzt verstärkt von Berlin aus, wo die Deutsche Kinderhilfe ihren Hauptsitz hat. Dennoch bleibt er in der Region, wohnt mit seiner Familie weiter in Klein Upahl. Neben zahlreichen Konferenzen plant er aktuell auch einen Preis für Zivilcourage für Menschen, dich sich für den Kinderschutz eingesetzt haben. „Das soll ein Preis speziell für Norddeutschland werden“, sagt er. Doch Becker schreibt auch fleißig Gedichte. 600 seien bisher zusammengekommen. „Nächstes Jahr will ich einen Gedichtband rausbringen“, kündigt der 59-Jährige an.  

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