Nitrate im Wasser : Gewässerschützer beklagen hohe Nitratbelastung

Harald Gülzow von der VSR-Gewässerschutz beim Analysieren der Wasserproben in seinem  Labormobil
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Harald Gülzow von der VSR-Gewässerschutz beim Analysieren der Wasserproben in seinem Labormobil

Hohe Werte in Stichproben privater Brunnen festgestellt / Stalu: zentrale Trinkwasserversorgung nicht betroffen

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27. März 2014, 06:00 Uhr

Alarmierende Werte zur Nitratbelastung des Grundwassers in der Region präsentiert jetzt der Verein VSR-Gewässerschutz: 141 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder bei ihren Stichproben im September 2013 in einem privat genutzten Brunnen in Werle. Weitere sehr hohe Nitratkonzentrationen stellten die Gewässerschützer auch in Glasewitz mit 110 Milligramm und in Tarnow mit 103 Milligramm fest. Insgesamt wurde das Wasser aus 19 privat genutzter Brunnen analysiert.

„Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen“, erläutert Diplom-Physiker Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz, der mit seinem Labor-Mobil regelmäßig in der Region unterwegs ist. Bei ihm können Privatleute Wasserproben abgeben und analysieren lassen. „In fast einem Drittel der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Schwellenwertes der deutschen Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter“, hat Gülzow bei der Auswertung der 19 Proben aus privat genutzten Brunnen festgestellt. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung dürfe auch der ökologische nicht vernachlässigt werden. „Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über die Nebel und Warnow zur Ostsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum“, sagt er.

Trotz dieser alarmierenden Zahlen beruhigt Hans-Joachim Meyer, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu), die Gemüter. „Ich kann die genannten Werte im einzelnen nicht bestätigen, aber es kann schon sein, dass sie bei einzelnen Brunnen an der Grenze liegen“, sagte er gestern auf SVZ-Nachfrage. In landwirtschaftlich stark genutzten Regionen sei die Nitratbelastung des Wasser allgemein höher. „Bei den Proben der VSR-Gewässerschutz handelt es sich jedoch ausschließlich um welche aus privat genutzten Brunnen. Es handelt sich nicht um die zentrale Trinkwasserversorgung. Hier sind uns keine Probleme mit erhöhter Nitratbelastung bekannt“, unterstreicht Hans-Joachim Meyer. Die Bewohner in den genannten Gebieten würden alle zentral versorgt. Dennoch sei die Verringerung der Nitratbelastung das erklärte Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Das in Güstrow ansässige Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (Lung) kann die Messergebnisse der VSR-Gewässerschutz nicht nachvollziehen. „Ich habe die Nitratwerte, die dem Landesmessnetz Grundwasser entstammen, für das Güstrower Umfeld auswerten lassen“, antwortete gestern Lung-Direktor Harald Stegemann auf Nachfrage unserer Zeitung. „Hier sind keine Überschreitungen des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter nachgewiesen worden.“ Das gelte auch für alle anderen Messstellen des Landesmessnetzes.


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