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SVZ-Serie min lütt dörp : Gespräch übern Gartenzaun geht immer

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

In der SVZ-Serie „Min lütt Dörp“ waren wir in dieser Woche in Grünenhof. Neun Häuser gibt es in dem Dörfchen. Die Einwohner schätzen vor allem die Ruhe. Ein halbes Dorffest gibt es immer, wenn man sich bei Möller/Duchrau trifft.

Wie auf einer Berg-und-Tal-Bahn schaukelt es den Autofahrer nach Grünenhof, weil die zwei Kilometer von Lübsee in das Dorf in einem schlechten Zustand sind. Thomas Schöpe, der mit seiner Lebensgefährtin gleich im ersten Haus am Dorfeingang lebt, sieht das gelassener, denn irgendwo sieht er das als eine Verkehrsberuhigung. Obwohl: Im Dorf ist auch die Meinung zu hören, dass die Erdgastrassen-Bauer, die ganz in der Nähe arbeiteten, die Straße hergerichtet hätten – wenn man mit ihnen geredet hätte.


Sorgenkind Straße bleibt: kein Geld


Denn auch wenn alle, mit denen wir gesprochen haben, die Ruhe in dem „lütt Dörp“ schätzen, ist die Straße über Grünenhof nach Langhagen doch gut frequentiert. Grund: Sie ist eine Abkürzung. Auch für Bürgermeister Reinhard Knaack, der gerade am Wochenende durch Grünenhof gefahren ist, weil er nach Langhagen wollte. Knaack gibt zu, dass die Straße ein Sorgenkind ist. „Wir haben sie im Herbst geflickt. Aber die Löcher sind schon wieder da“, stellt er sachlich fest. Eine Sanierung sei nicht geplant. „Dafür haben wir schlicht und einfach kein Geld“, erklärt er.

Dafür macht er Hoffnung auf eine Kleinigkeit: Die alte Pumpe, paar Meter vom Schöpe-Gehöft, könnte wieder hergestellt werden. Knaack: „Sie steht sogar auf einem Brunnen. Da macht das Sinn.“

Mit Thomas Schöpe gibt es ein Gespräch übern Gartenzaun. Wie das in einem kleinen Dorf so üblich ist. Der 51-Jährige ist in Sachsen-Anhalt geboren und in der DDR-Kampagne „Jugend aufs Land“ gern in den 1970er-Jahren aus seinem Heimatort Bitterfeld ins schöne Mecklenburg geflohen. Schöpe lernte in Vogelsang und kaufte sich 1993 das Gehöft in Grünenhof. Er arbeitete u.a. in Charlottenthal. Seit einigen Jahren betreut er die Schweinemastanlage mit 2000 Tieren in Lübsee. Der große Vorteil: Er hat es dicht zur Arbeit. Daher hat er auch im Winter kein Problem, wenn bei Schnee und Eis mal die Straße dicht ist. Seine Lebenspartnerin schafft es ebenfalls gut nach Lalendorf, wo sie in der Tankstelle arbeitet. Apropos Tiere. Viehzeug hat Thomas Schöpe nicht. Bis auf zwei Gänse, die Nachwuchs zeugen sollen. Damit wäre der Weihnachtsbraten gesichert.

Thomas Schöpe lobt in Grünenhof das Miteinander. Bei neun Häusern ist das nicht schwer. „Meistens treffen wir uns bei Siegfried Möller und seiner Frau Katrin Duchrau. Das ist dann immer ein halbes Dorffest“, sagt Schöpe, lacht, was darauf schließen lässt, dass er sich schon auf das nächste Zusammensein freut.

Dass es bei Möller/Duchrau – beide haben nach der Heirat ihren Namen behalten – gemütlich zur Sache geht, kann man sich vorstellen. Als wir Siegfried Möller trafen, war er gerade auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück mit dem Rasentraktor zu Gange. Der 77-Jährige, der in der Nachbarschaft in Bansow geboren wurde, ist heilfroh, dass er hier geblieben und kurz vor der Wende nach Grünenhof gezogen ist. „Es lebt sich einfach schön und ruhig“, erzählt er. Außerdem kennt er jeden Baum und Strauch. Besonders seine von ihm gepflanzten. Sagt es und zeigt auf eine Reihe hoher Tannen, die zu einem Teil das Grundstück begrenzen. „Die habe ich in die Erde gebraucht als wir eingezogen sind und das Haus auf Vordermann gebracht haben.“

Dass das Dorf abseits liegt, ist für Siegfried Möller überhaupt kein Problem. „Jeder hat doch heutzutage ein Auto und ist beweglich“, erklärt er. Auch deshalb erkennen er und Thomas Schöpe keinen Grund, der gegen ein schönes Leben in Grünenhof spricht.


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erstellt am 09.Apr.2014 | 06:00 Uhr

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