zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

16. Dezember 2017 | 00:50 Uhr

Güstrow : Gesegneter Frevel im Paradiesgarten?

vom

Um das geplante Gemeindezentrum der Domgemeinde Güstrow am Domplatz ist ein Streit entbrannt. Die Worte, die im Schlagabtausch fallen, sind nicht gerade christlich. Von "Frevel" und "barbarischem Unsinn" ist da die Rede.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2012 | 06:00 Uhr

Güstrow | Um das geplante Gemeindezentrum der Domgemeinde Güstrow am Domplatz 6 (SVZ berichtete) ist ein Streit entbrannt. Die Worte, die in diesem Schlagabtausch fallen, sind nicht gerade christlich. Von "Frevel" und "barbarischem Unsinn" ist da die Rede. Hintergrund: Im Garten der bisherigen Landessuperintendentur soll ein Gemeindesaal mit 180 Plätzen als Neubau entstehen. Dadurch würde dieser einmalig schöne Garten in der Güstrower Altstadt unwiederbringlich zerstört, so die Kritiker des Projektes.

Als "unsäglich" erscheint Ingeborg Bräutigam, Pastorin der Kirchgemeinde Lüssow-Parum, die Vorstellung, dass in diesem Garten ein Gemeindesaal gebaut werden soll. "Dieser Garten ist Oase, ein Paradiesgärtlein. Dort geht es der Seele gut", so die Pastorin gegenüber unserer Zeitung. Ein Garten, wie der hinter der Landessuperintendentur, gehöre zum Kultur- und zum spirituellen Erbe. "Hierüber müssen Menschen entscheiden, die auch ein Empfinden für solche Orte haben. Ein Gemeindehaus in diesem Garten zu bauen, ist barbarischer Unsinn", ist sie erbost.

Ingeborg Bräutigam merkt an, dass es an der gegenüberliegenden Seite des Doms kircheneigene Flächen für den Bau gäbe - "falls es verantwortbar ist, ein solches Haus für 800 000 Euro zu bauen." So sieht es auch Raimund Schmidt, Mitglied der Domgemeinde. Sein Vorschlag: "Der Garten Domplatz 6 bleibt baulich unberührt. Stattdessen wird dieses Projekt, wenn es denn wirklich notwendig ist, auf dem Grundstück Domplatz 12/13 ausgeführt." Der Diplom-Ingenieur hält das Bauvorhaben der Domgemeinde auf dem Grundstück Domplatz 6 für einen "Frevel" und aus denkmalpflegerischen und naturschutzrechtlichen Gründen für nicht genehmigungsfähig. "Ein Stück Wunder der Natur an der alten Stadtmauer soll geopfert werden", sagt er.

Verschnupft reagieren die Verantwortlichen der Domgemeinde auf diese harsche Kritik an ihrem Lieblingsprojekt. "Auf dem Grundstück Domplatz 12/13 kann man keinen Gemeindesaal bauen. Das haben wir selber geprüft", sagt Bernd Lippert vom Kirchgemeinderat. Diese Vorschläge seien der Unkenntnis geschuldet. Und Pastorin Susanne Höser, die den Ausschuss für das neue Gemeindezentrum leitet, unterstreicht: "Der Kirchgemeinderat hat das Projekt geplant und mehrheitlich beschlossen. Für uns ist das Grundstück Domplatz 6 die einzige Möglichkeit."

Allerdings räumt Susanne Höser ein, dass diese Entscheidung dem Kirchgemeinderat nicht leicht gefallen sei. Ihr tue es um den schönen Garten leid . "Wir wollen so viel wie möglich davon erhalten", sagt die Pastorin.

Im Mai sollen die Bauarbeiten für das neue Gemeindezentrum der Güstrower Domgemeinde beginnen. Das ehrgeizige Projekt kostet bis zu 800 000 Euro. Den Großteil davon verschlingt der Gemeindesaal, der als Anbau im Garten der bisherigen Landessuperintendentur am Domplatz 6 entstehen soll. Neben der Restaurierung des Doms handelt es sich um das größte Bauvorhaben der Domgemeinde seit der Wende.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen