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ausstellung : Geschärfter Blick auf die Rolle der Volkspolizei

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ausstellung in Fachhochschule versetzt zurück in die Wendezeit / Mecklenburg-Vorpommern Vorreiter bei Geschichtsbewältigung

von
erstellt am 27.Feb.2015 | 04:00 Uhr

„Sag mir wo du stehst…“ – der Titel eines agitatorischen Liedes des Oktoberklubs steht Pate für eine Ausstellung in der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege (FH), die seit Donnerstag im Foyer zu sehen ist. Doch nicht die FDJ-Singebewegung ist ihr Gegenstand, sondern beleuchtet wird die Rolle der Volkspolizei in den heißen Wendetagen der Friedlichen Revolution. Und die war eine sich ändernde, wie Rostocks Polizeipräsident Thomas Laum in Erinnerung rief. Laums Behörde hat die Exposition zusammen mit der Waldecker Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen konzipiert.

Die Ausstellung reiht sich ein in eine Serie von Veranstaltungen an der FH, die sich der politischen Wende in der DDR und ihren Konsequenzen zuwendet. Mit ihr hat Mecklenburg-Vorpommern zugleich eine Vorreiterrolle, weiß Laum, dass dieses spezielle Kapitel Polizei in den anderen neuen Bundesländern bisher nicht aufbereitet wurde. Wie spannend der Transformationsprozess der Deutschen Volkspolizei von einem wesentlichen Machtinstrument der SED-Diktatur zu einer wahren Polizei des Volkes gewesen ist, machte der Polizeipräsident mit seinen eigenen Beobachtungen deutlich. So sei es auch für ihn – ausgestattet mit Vorurteilen – ein Prozess des Zusammenwachsens gewesen, als er nach 1991 vom Bundeskriminalamt nach Mecklenburg-Vorpommern versetzt wurde, um den Ausbau der Polizei nach den Grundsätzen eines demokratischen Staatswesens voranzubringen.

„Schockierend“ empfindet es Dr. Volker Höffer von der Stasiunterlagen-Behörde in diesem Zusammenhang, dass 17,6 Prozent der „Volkspolizisten“ informelle Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes gewesen sind. „Das war rund das Zehnfache als sonst im Durchschnitt“, sagt der Historiker. Viele Polizisten, und insbesondere die so genannten Abschnittsbevollmächtigten (ABV), seien in der DDR also „Diener zweier Herren“ gewesen. Von allen 1900 Mitarbeitern des MV-Innenministeriums hätten gar rund 800 wegen ihrer Stasi-Nähe den Staatsdienst quittieren müssen, erinnert der Leiter der Rostocker Außenstelle. Höffer: „Dies und die persönliche Auseinandersetzung aller Polizisten mit der eigenen Vergangenheit war ganz wichtig für die gesellschaftliche Hygiene.“

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