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Traditionsfirma verschwindet : Geschäft nicht mehr zu halten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Elektro-Fachgeschäft Baranyai in Güstrower Mühlenstraße schließt. Keinen Nachfolger gefunden.

Ein Güsrower Traditionsgeschäft verschwindet: Wolfgang Baranyai (69) zieht nach 89 Jahren einen Schlussstrich. Das Elektro-Fachgeschäft Baranyai in der Mühlenstraße wird geschlossen. Derzeit läuft der Abverkauf der noch im Geschäft befindlichen Waren. „Es fällt mir nicht leicht, aber irgendwann muss Schluss sein“, sagt der Geschäftsmann mit sehr unterschiedlichen Gefühlen.

Seit 46 Jahren arbeitet Wolfgang Baranyai selbst in diesem Geschäft mit. Zuerst noch mit seinem Vater Bruno und bis fast zuletzt mit Sohn Stefan. Er hatte gehofft, dass sein Sohn das Geschäft übernehmen könnte, doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. „Bei der heutigen Handelslandschaft kann man solche kleineren Geschäfte wie dieses nicht mehr halten“, stellt Wolfgang Baranyai nüchtern fest. Die Gewinnspanne sei einfach zu gering und viele Kunden wollten alles vor allem billig haben. Davon könne ein Geschäft nicht leben.

Bruno Baranyai war als Musiker nach Güstrow gekommen, eröffnete 1927 ein Musikhaus und war 1933 mit dem Geschäft in die Mühlenstraße 57 gezogen. Hier bot er Musikinstrumente und Noten an, später kamen Radioapparate und Grammophone hinzu. 1970 stieg Wolfgang Baranyai nach seinem Informationstechnik-Studium ins Geschäft ein, in dem bereits sein Bruder Rolf tätig war. Gemeinsam boten sie hier auch viel Elektronik an. „Ich bin überall in der DDR herum gefahren, um für unsere Kunden Bauelemente zu erwerben“, erzählt Wolfgang Baranyai. Nicht zuletzt halfen ihm dabei die allseits beliebten Lizenz-Schallplatten, die er im Gegenzug im Gepäck hatte. Konverter seien damals beliebt gewesen, denn vieles sei damals selbst gebaut worden.

Erst nach der Wende wurde die Werkstatt am Geschäft professionell geführt, bis dahin waren Reparaturen von Fernsehern zumeist von der PGH übernommen worden. Anfang der 1990er-Jahre war Ehefrau Waltraud mit ins Geschäft eingestiegen, als der Bruder in Rente ging. Seit 1994 bildete Wolfgang Baranyai Lehrlinge aus. „In guten Zeiten waren wir sechs Mitarbeiter hier“, sagen Wolfgang und Waltraud Baranyai, die häufig gemeinsam im Geschäft anzutreffen waren.

Sicher auch darum fiel Wolfgang Baranyai der Schritt zur Geschäftsaufgabe nicht leicht. Noch vor fünf Jahren hatte er gedacht, sein Sohn könne den Laden übernehmen und weiter führen. Denn Stefan Baranyai hatte technische Kybernetik und Automatisierungstechnik studiert. Er war es dann auch, der vielfach Heimvernetzungen problemlos installieren konnte. Doch angesichts der wirtschaftlichen Gegebenheiten war eine Übernahme nun doch nicht möglich. Für Wolfgang Baranyai eine schwere Entscheidung. „Zum einen können wir unsere langjährigen Kunden nicht mehr bedienen und beraten. Andererseits müssen wir aber auch mal zur Ruhe kommen“, sagt der 69-Jährige. Darum wird nun alles verkauft, was noch im Geschäft steht. Erst dann will er tatsächlich schließen. „Wir bedanken uns aber ganz herzlich bei all unseren Kunden für die langjährige Treue“, sagt Wolfgang Baranyai. Künftig will er Zeit mit seiner Frau genießen. Und sicher wird er auch mehr bei den drei Kindern und fünf Enkeln zu finden sein.

 

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