Min LÜtt Dörp : Generationswechsel in Rum Kogel

Der Garten ist ein Hobby von Gerhard Willner. Insbesondere liebe er Koniferen. Er pflegt aber  auch einen Topfgarten. Hier blühen die Hortensien in diesem Jahr besonders prachtvoll. Fotos: REgina mai
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Der Garten ist ein Hobby von Gerhard Willner. Insbesondere liebe er Koniferen. Er pflegt aber auch einen Topfgarten. Hier blühen die Hortensien in diesem Jahr besonders prachtvoll. Fotos: REgina mai

Rum Kogel hat rund 40 Einwohner, darunter zehn Kinder. Ein Ort mit über 750-jähriger Geschichte

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25. Juli 2014, 06:00 Uhr

Mit der viel beschworenen Ruhe, die das Leben in Rum Kogel so angenehm machen soll, hat es gestern nicht so geklappt. Baulärm erfüllte das Dorf.Gleich an mehreren Häusern wird fleißig gewerkelt – ein Ausdruck dafür, dass sich in dem kleinen Dorf der Gemeinde Reimershagen ein Generationswechsel vollzieht. Von aussterben kann keine Rede sein. Von den 40 Einwohnern sind zehn im Kindesalter. Hier sind es eher die Älteren, die schon mal fehlen. Gerhard Willner fühlt sich noch gar nicht so alt, ist aber mit 72 Jahren der älteste Einwohner des Ortes.


Pachtgut bescherte keinen großen Reichtum


Er beobachtet zufrieden Rückkehrer, aber auch neu Hinzugezogene. Dabei denkt er, dass man schon eine besondere Beziehung zu Rum Kogel haben müsse. Seine Familie und auch die seiner Frau habe Wurzeln in dem kleinen Dorf, das seine 750-Jahr-Feier längst hinter sich hat. Hinter dem Ortsnamen verberge sich die Information, dass die Schmiede zu, also nicht mehr vorhanden sei. Gerhard Willner könnte sich vorstellen, dass bei der Christianisierung Familien, die sich nicht bekehren ließen, vielleicht außerhalb von Kirch Kogel siedelten. Zwischen den beiden Orten habe es auch noch ein Wendisch Kogel gegeben. „Rum Kogel ist immer ein Gut gewesen“, berichtet Gerhard Willner. Allerdings war es ein Pachtgut. Der Reichtum habe sich in Grenzen gehalten. Die beiden Pfeiler, die den Eingang zum Gutshof markieren und die der Rum-Kogel-Verein zum großen Teil über Spenden finanziert habe, seien viel zu herrschaftlich geworden, denkt der 72-Jährige. Später gehörte Rum Kogel zur Domäne der Klosterkirche Dobbertin und war Staatsdomäne. Mit der Bodenreform wurde der Gutshof zergliedert. Ein prächtiges Gutshaus gibt es nicht.


Sonnenuntergänge und Millionen Sterne


In den 1990er-Jahren kehrten Gerhard Willner und seine Frau auf den Hof ihrer Eltern zurück. „Es lohnt sich hier zu leben“, sagt der 72-Jährige, der sein Leben lang in der Güstrower Zuckerfabrik als Schichtleiter gearbeitet hatte. Er liebt die Ruhe und die Natur. Die Schwinzer Heide liege vor der Tür. Nachts könne man die Tiere hören, morgens zwitschern die Vögel.

„Es gibt fantastische Sonnenuntergänge und einen wunderbaren Sternenhimmel, wie man es in Berlin nie beobachten kann“, erklärt auch „der Norweger“ seine Entscheidung für Rum Kogel. Er habe lange in Berlin an einer Hauptverkehrsstraße gewohnt. Weil er Lärm und Trubel nicht länger ertragen wollte, suchte er ein neues Zuhause in Mecklenburg. „Manchmal sitze ich abends stundenlang auf der Treppe und beobachte die Natur um mich herum“, erzählt Ralf Ottow (57), der seine Kindheit in Norwegen verbrachte. Hunderte Sonnenuntergänge habe er schon fotografiert. „Manchmal ist es so still, dass man meinen könnte die Erde stehe still“, sinniert der Erwerbsunfähigkeitsrentner, der einen schweren Unfall überlebte. Es sei aber nicht allein die Natur, es seien auch die Menschen, die ihre Ellenbogen nicht so ausfahren, wie er das aus Berlin kenne. Man plaudere „mit dem Nachbarn oder schaue, was Uwe auf seiner Baustelle macht“.


Kinder können auf der Straße spielen


Uwe Ostenburg (47) kam vor fünf Jahren nach Rum Kogel und baut nun auf dem Fundament eines alten Hauses ein Blockhaus. Für einen studierten Forstwirt sei das so abwegig nicht, denkt er. Nachdem er sich für ein solches Haus entschieden hatte, besuchte er einen entsprechenden Lehrgang, der in Baden-Württemberg angeboten wurde. Zusammen mit einem Blockhausbauer errichte er nun das Haus, in das er mit Freundin und Tochter Weihnachten einziehen möchte.

Wenn nicht gerade Erntezeit sei, könnten die Kinder in Rum Kogel auf der Straße spielen, sagt Uwe Ostenburg und bedauert, dass es in der Gemeinde keine Kindereinrichtung gibt. Mit seiner Liebe zur Natur und einem Verständnis von Nachhaltigkeit sei auch die industrielle Landwirtschaft nicht in Übereinstimmung zu bringen. Der gebürtige Sachsen-Anhaltiner, der als Selbstständiger Dienstleistungen in der Forstwirtschaft anbietet, kritisiert die Güllewirtschaft und fürchtet u.a. um die Trinkwasserqualität.Und er sieht auch die ein Feriendomizil suchenden Berliner und Rostocker mit Sorge. Für die Dorfgemeinschaft brauche es dauerhafte Einwohner. Feriengäste habe man in Rum Kogel schon genug. Wenn er nach Häusern und Grundstücken gefragt werde, verneine er stets.

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