Für eine positive willkommenskultur : Gemeinsame Front fürs Asylrecht

„Flüchtlinge willkommen! Asylrecht ist Menschenrecht!“ – unter diesem Motto zeigten die Demonstranten am Sonnabend Flagge.  Fotos: Evelyn Bubber-Menzel
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„Flüchtlinge willkommen! Asylrecht ist Menschenrecht!“ – unter diesem Motto zeigten die Demonstranten am Sonnabend Flagge. Fotos: Evelyn Bubber-Menzel

Hunderte Demonstranten machten sich in Güstrow für das Asylrecht als Menschenrecht stark / Gegendemo der rechten Szene

svz.de von
08. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Hunderte Menschen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern demonstrierten Samstagnachmittag in Güstrow für das Recht auf Asyl und eine positive Willkommenskultur für Flüchtlinge. Unter dem Motto „Refugees welcome! (Flüchtlinge willkommen!“) und Asylrecht ist Menschenrecht!" zogen sie mit Transparenten und Sprechchören vom Bahnhof aus durch die Stadt bis in die Güstrower Südstadt zum gerade neu eröffneten Asylbewerberheim. Aufgerufen hatte zu dieser Demonstration für das Asylrecht der landesweit agierende „Ratschlag der Bündnisse“, eine Vereinigung von demokratischen Kräften aus ganz MV. Ihm schlossen sich zahlreiche Güstrower an. Darunter auch Kommunalpoliter der Stadtvertretung.

Während die Veranstalter die Anzahl der Demo-Teilnehmer auf 500 schätzte, sprach die Polizei von 300 Menschen, die für das Recht auf Asyl auf die Straße gingen. Unter ihnen auch Sitha Eisel (58) aus Krakow am See. „Wir wollen zeigen, dass wir offen sind für die, die Hilfe brauchen“, sagt die Mitarbeiterin in der Synagoge von Krakow am See. Sie sei Christin und Idealistin und „möchte, dass alle Menschen friedlich und freundlich miteinander leben“, betonte sie.

Es sei eine „humanistische Verpflichtung für uns, Notleidenden zu helfen“, findet auch Andrea Michalek (43), Konditorin aus Güstrow. „Deutschland steht dies gut zu Gesicht“, meint sie.

Um ein „Zeichen zu setzen, dass Güstrow mit Flüchtlingen vernünftig umgehen kann“, war Jens Kormann (47), Ingenieur für Landschaftsplanung, mit seiner ganzen Familie zur Demo gekommen. „Wir müssen Menschlichkeit zeigen“, findet er. „Manche von uns haben noch die Bilder von Lichtenhagen von 1992 im Kopf. Das darf nicht wieder passieren“, sagt er.

Dass sich in den letzten zehn Jahren in den Verwaltungen in Bezug auf die Asylpolitik in Deutschland viel verändert habe, schätzte auf der Kundgebung am Bahnhofsvorplatz Ima Jonas vom Netzwerk MigraNet ein, der vor 33 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen war. Er forderte, dass die Flüchtlinge selbst entscheiden können, wo sie leben wollen. Er wandte sich gegen ihre Unterbringung „in Lagern“ und forderte ein Recht auf Sprachunterricht für die Asylsuchenden. Gegen die Verschärfung des Asylrechts durch EU und Bundesregierung wandte sich bei einer weiteren Kundgebung auf dem Güstrower Markt der Flüchtlingsrat von MV. „Jeder Flüchtling soll nur in dem Land einen Asylantrag stellen können, in dem er nach seiner Flucht angekommen ist. Ein Großteil der Flüchtlinge in Deutschland ist deshalb aufgefordert, Deutschland zu verlassen“, so der Flüchtlingsrat.

Parallel zu der Demonstration der demokratischen Kräfte marschierten auch etwa 70 Anhänger der rechten Szene durch Güstrow. Sie skandierten ausländerfeindliche Parolen, wollten sich aber auf Nachfrage nicht zu den Zielen ihrer Aktion äußern. „Wir reden nicht mit der Presse. Aus, Ende“, sagte einer der Organisatoren.

Aufgerufen zu dem „Spaziergang durch Güstrow“ hatte im Internet eine Vereinigung Rostock gegen die Islamisierung des Abendlandes „Rogida“. Die Polizei ermittelt jetzt gegen drei Teilnehmer der Demo, die während des Umzugs die Hand zum Hitlergruß erhoben hatten.

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