Güstrower Borman-Altar : Gemäldetafeln bleiben "alt"

<fettakgl>Martina Runge arbeitet</fettakgl> hier an der 'Katharina'. Sie sucht Fehlstellen. Die werden dann retuschiert.<foto>hans-Jürgen Kowalzik</foto>
Martina Runge arbeitet hier an der "Katharina". Sie sucht Fehlstellen. Die werden dann retuschiert.hans-Jürgen Kowalzik

Lösungsmittel, Grundierung, Schleifen und Retuschieren: Die Restauratorin Martina Runge konserviert bis Mitte August die sechs Borman-Altarbilder in der Güstrower Pfarrkirche.

svz.de von
20. Juni 2012, 10:09 Uhr

Güstrow | Sie macht Fotos, fertigt Beschreibungen, sucht geeignete Lösungsmittel, trägt Grundierungen auf, wartet bis alles trocken ist, um mit dem Schleifen zu beginnen, und beweist ein gutes Auge beim Retuschieren kleinster Fehlstellen. Das alles gehört bis Mitte August zu den Arbeiten von Martina Runge. Sie konserviert bis Mitte August die sechs Gemälde des Borman-Altars in der Güstrower Pfarrkirche. Ein weiterer Schritt bei der Restaurierung des berühmten Altars (wir berichteten mehrfach). Das Besondere daran: Die Berliner Gemälderestauratorin arbeitet an den Gemälden, die bisher - allerdings nie gesichert - dem Brüsseler Bernaert van Orley zugeschrieben wurden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen vor zwei Jahren, u.a. mit digitaler Infrarot-Technik und Röntgenstrahlen, belegen aber: Orley war es nicht. Aber wer es sonst gewesen sein könnte, weiß man auch nicht. "Und es wird auch keiner herausbekommen", meint Martina Runge.

Die hat sich trotzdem entschlossen, den Auftrag in Güstrow anzunehmen. "Das Konzept hat mich überzeugt und ich habe mich damit anfreunden können." Sie begründet das auch: "Die Gemälde sind trotzdem sehr wertvoll, ja reizend. Die Arbeit ist sehr gut ausgeführt und qualitätsvoll. Und an solchen Werken arbeite ich gern."

Martina Runge hat den Auftrag - und das gefällt ihr ebenfalls -, dass die sechs Bilder "alt" bleiben. Es werde nur das verändert, was wirklich notwendig sei, z.B. Feuchtigkeitsschäden. Die sind übrigens nicht jetzt entstanden sondern u.a. bei der Auslagerung der Gemälde im Krieg.

Besonders beschädigt sind zwei Gemälde, das mit Maria und das mit Petrus. Aber auch hier will Martina Runge so viel wie möglich an Farbe "retten" und nur dort welche neu aufbringen, wo es unvermeidlich ist. Die Restauratorin erklärt den Hintergrund: "Das Bild soll weiter zu uns sprechen wie es war und die Patina soll erhalten bleiben." Das heißt unterm Strich: Es wird eine zurückhaltende Restaurierung. Wenn Martina Runge ihre Arbeit beendet hat,sind die sechs Tafelbilder konserviert, gereinigt und vor weiterem Schaden bewahrt.

Noch einmal zurück zum Restaurierungskonzept, das Martina Runge so überzeugt hat. An dem arbeitete auch eine belgische Expertengruppe, die die wissenschaftlichen Untersuchungen an dem Altar von 2010 weiterführte. Dafür stellte die König-Baudouin-Stiftung Brüssel 100 000 Euro bereit.

Darüber freut sich damals wie heute Elisabeth Taetow, Vorsitzende des Fördervereins zur Restaurierung des Borman-Altars. Für sie ist die Restaurierung der Gemäldetafeln ein ganz entscheidender Schritt für den Altar. "Wir nähern uns damit dem Ende, das wir für 2014 veranschlagt haben, brauchen aber noch weitere Unterstützung."

Gerade wurde dem Verein wieder am Wochenende beim Stadtfest in Güstrow mit 1500 Euro geholfen. Da war der Förderverein traditionell mit einem Stand vertreten und verkaufte viele Dinge als Spende für den Altar.

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