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Güstrower Anzeiger

21. August 2017 | 12:27 Uhr

Geld von 1000 Anlegern in Gefahr

vom

Hunderte Anleger von Immobilienfonds unter dem Dach der Volkssolidarität (VS) könnten ihr Geld verlieren. Die Gesellschaften mit Sitz in Güstrow stehen offenbar kurz vor der Insolvenz. Der VS-Landesverband spricht von "Liquiditätsproblemen". Anleger versuchen vergeblich, die Fondsgesellschaften zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betruges.

Güstrow/Bützow | Elise Kapusts schlimmste Befürchtungen könnten sich bestätigen: Ihre Anlage bei der Volkssolidarität-Sozial-Immobilienfonds GmbH in Güstrow könnte futsch sein. Seit Monaten wartet die Frau aus Langhagen mit ihrem Mann auf eine Nachricht, was mit dem Geld ist. Bisher kam nur die Nachricht: keine Rendite-Auszahlung für 2007 (SVZ berichtete). Auf einen angekündigten Gesprächstermin wartet das Paar weiterhin. "Ich habe keine Hoffnung mehr", sagt Elise Kapust.

Ist das Geld von rund 1000 Anlegern, die auch auf den Namen Volkssolidarität vertrauten, in Millionen-Höhe verbrannt? Der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft, Ulf Godemann, ist weiterhin nicht zu erreichen. "Das geht uns auch so", gesteht Holger Mieth, Vize-Geschäftsführer des VS-Landesverbandes. Der Verband wolle den Schaden begrenzen. Erst kürzlich habe es auf dem Landesverbandstag ein klares Votum gegeben, dass solche Untergesellschaften unter dem Dach des Wohlfahrtverbandes nicht mehr geben soll. "Das hilft den betroffenen Anlegern aber nicht", so Mieth.

"Bilanzielle Überschuldung""Wir können eine Insolvenz nicht ausschließen", erklärt Mieth zu zwei Gesellschaften in einem Netzwerk an Firmen, das auch für ihn nur schwer zu durchschauen sei. Er spricht von "Liquiditätsproblemen" und "bilanzieller Überschuldung". Die Sache habe sich "verselbstständigt". Die juristisch unabhängigen VS-Kreisverbände Doberan/Rostock Land und Güstrow als Gesellschafter seien kaum beeinflussbar. "Uns sind die Hände gebunden", so Mieth. "Es kommt immer wieder was Neues." So gebe es in den beiden Gesellschaften bisher nicht mal Jahresabschlüsse für 2007 und 2008. Dass Rendite nicht ausgezahlt werden kann, sei ein klares Zeichen für eine Schieflage. Derzeit säßen Anwälte daran. Mieth erklärt: Mitte Mai solle es einen Termin mit Anlegern geben.

Davon weiß auch Jürgen Dudek aus Rostock bisher nichts. Er fand im Erbe seines verstorbenen Vaters Anlagen bei der Volkssolidarität von insgesamt 120 000 Euro, darunter 45 000 Euro im Immobilienfonds, 75 000 in der Seniorenhotel GmbH Güstrow. Er habe vor Wochen gekündigt, sagte Dudek gestern, aber: "Wir bekommen nicht mal mehr eine Antwort." Bei Telefonanrufen nehme niemand ab.

Gerüchte über eine bereits beantragte Insolvenz machen die Runde. Dies sei jedoch nicht der Fall, sagte gestern Peter Häfner, Chef des Amtsgerichtes Rostock: "Es liegen keine Anträge vor."

Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt wegen einer Anzeige. Vorwurf: Betrug. Ermittlungen habe es bereits zwischen 2006 und 2008 gegen die Fondsgesellschaft gegeben. Sie seien eingestellt worden, weil sich "keine Anhaltspunkte für betrügerische Anlagen" ergaben, so Oberstaatsanwalt Peter Lückemann. Auch für die neuen Ermittlungen gebe es bisher kaum Hinweise.

Axel Drückler von der Neuen Verbraucherzentrale MV sieht den Landesverband der Volkssolidarität stärker in der Pflicht. Nach Gesprächen sei der Eindruck geblieben: "Die haben gemauert." Der Verband sei für die Immobilien-Finanzierung mit in der Verantwortung - "weil dies in den Räumen der Volkssolidarität stattgefunden hat".

Holger Mieth versichert: Der VS-Landesverband werde die Aufklärung vorantreiben, so gut er kann. Denn die Volkssolidarität in MV habe schon jetzt enormen "Flurschaden" dadurch erlitten.

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erstellt am 28.Apr.2009 | 11:23 Uhr

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