Altkreis Güstrow : Geld versickert in Haushaltslöchern

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Aufatmen in den Kommunen des Altkreises Güstrow. Eine Kreisumlage von 45,3 Prozent, wie in der vergangenen Woche beschlossen, bedeutet für sie eine Entlastung. Jubelschreie löst das allerdings nicht aus.

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25. September 2012, 10:52 Uhr

Güstrow | Aufatmen in den Kommunen des Altkreises Güstrow. Eine Kreisumlage von 45,3 Prozent, wie vom Kreistag in der vergangenen Woche mit dem Haushalt beschlossen, bedeutet für sie eine Entlastung. Von wenigen Ausnahmen abgesehen hatten alle mit der Zahl aus dem vergangenen Jahr (50,35 Prozent) geplant. Folglich bleibt Geld übrig. Jubelschreie löst das allerdings nicht aus. In vielen Gemeinden hilft die Einsparung bei der Kreisumlage lediglich dabei, das eigenen Haushaltsdefizit zu verkleinern.

"Entsprechend der eingesparten Summe können wir unseren Kassenkredit reduzieren", formuliert Diekhofs Bürgermeister Ralf Lenz die gute Nachricht. Ein freier Finanzspielraum ergebe sich für die Gemeinde nicht daraus. Theoretisch rechnet Lenz sogar mit einer Rückzahlung des Landkreises an die Kommune, die sich aber als Kreditreduzierung in Luft auflöst. Haben doch die Kommunen bisher die alte Umlage von 50,35 Prozent an den Landkreis gezahlt. Eine Verrechnung mit dem neuen Satz wird erst erfolgen, wenn der Kreis-Haushalt genehmigt und veröffentlicht ist. Im Oktober oder erst im November rechnet Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt damit. Die Kreisstadt hatte mutig mit 45 Prozent Kreisumlage geplant. "0,3 Prozentpunkte mehr bedeuten 60 000 Euro mehr, die natürlich aufgebracht werden müssen. Einen Nachtragshaushalt machen wir deshalb nicht", sagt Schuldt und fügt hinzu. "Das ist jetzt nicht die große Katastrophe." Da die Stadt selbst lange mit vorläufiger Haushaltsführung gearbeitet habe, werde man bestimmte Dinge in diesem Jahr ohnehin nicht mehr umsetzen können.

In Laage bleiben konkret 194 728 Euro gegenüber der Planung mit 50,35 Prozent Kreisumlage übrig, informiert Bürgermeisterin Ilka Lochner-Borst.Allerdings sei es illusorisch nun zu meinen, dass man damit noch Wünsche erfüllen könne. Vorhaben, die im Haushalt nicht geplant sind, könnten jetzt nicht realisiert werden.

Auch Günter Schink lehnt "Wünsche außer der Reihe" ab. "Wer Geld gleich ausgibt, hat nie etwas", erklärt Wardows Bürgermeister. Die sich nun ergebende Ersparnis werde man mit ins nächste Jahr nehmen. Damit könne man dann z.B. wieder ein Vorhaben über das Bodenordnungsverfahren realisieren.

Über 103 000 Euro spricht Lalendorfs Bürgermeister Reinhard Knaack. Große Gedanken aber müsse man sich in Lalendorf nicht machen. Die Summe wird das Haushaltsdefizit, das über einen Kassenkredit gedeckt werden muss, von 800 000 Euro auf 700 000 Euro reduzieren. "Wir rechnen gleichzeitig mit höheren Steuereinnahmen", betont Knaack und hofft, dass das Defizit am Jahresende geringer ausfällt als befürchtet.

Die Finanzprobleme der Gemeinde Lüssow hat Bürgermeister Wilfried Zander in diesem Jahr ausgesessen, wie er es formuliert. Der Haushaltsbeschluss stehe erst am 2. Oktober auf der Tagesordnung, was der Umstellung auf das doppische Haushalts- und Rechnungswesen geschuldet sei. Bei vorläufiger Haushaltsführung habe man gespart, wo man nur konnte und nichts investiert, betont Zander. "Der Kühlschrank ist leer und ich habe auch noch den Stecker herausgezogen, so dass er dunkel ist", veranschaulicht Zander die finanzielle Situation der Gemeinde Lüssow. Aber auch bei einer Kreisumlage von 45,3 Prozent könne man den Haushalt nicht ausgleichen, sondern komme nur mit Kassenkrediten über die Runden. "Die geringere Kreisumlage ist erfreulich. Aber unser größtes Problem sind die Altschulden aus DDR-Zeiten, die uns drücken", betont Zander.

Auch Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert winkt ab. Die Ersparnis bringe nicht wirklich Geld in die Kasse, das ausgegeben werden könnte.

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