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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 12:41 Uhr

Krakow am See : Gegenwind für neue Abgabe

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Krakow am See plant Fremdenverkehrsabgabe von Unternehmen in der Stadt zweckgebunden für den Tourismus.

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Froh zeigte sich Bürgermeister Wolfgang Geistert, dass es nicht Eier und Tomaten hagelte, als er die Idee einer Fremdenverkehrsabgabe vorstellte. Dabei ist die gar nicht neu. Andere Erholungsorte im Land wie Plau am See oder Kühlungsborn haben solch eine Abgabe schon lange, und niemand diskutiert dort noch darüber. Und auch in Krakow am See sollte eine solche Abgabe seit dem 1. Januar 2017 eingeführt werden. So beschlossen von der Stadtvertretung im August 2015. Aber nicht umgesetzt, weil sich die Stadtvertreter ein Jahr lang über das Wie unschlüssig blieben (SVZ berichtete).

Anlass, so Geistert, gebe die Qualität der touristischen Anlagen im Luftkurort, Wander- und Radwege, Grünanlagen, Park- und Rastplätze, Bootsstege… „Damit sind wir nicht wirklich zufrieden“, umschreibt der Bürgermeister Gegenstände von immer wiederkehrenden Klagen. Klagen von Einwohnern, aber auch Urlaubern. Zudem stecke die Stadt in einer „ständigen Geldnot“. „Dafür“, so Geistert, „wollen wir eine dauerhafte Lösung finden.“ Die sehen Bürgermeister und Teile der Stadtvertretung in besagter Fremdenverkehrsabgabe. Ihr Kern: Alle Unternehmen im Luftkurort sollen aus ihrem jährlichen Umsatz einen besonders berechneten prozentualen Anteil, abgestuft nach den Vorteilen, die sie aus dem Tourismus in der Stadt beziehen, in einen Topf nur für den Tourismus einzahlen. Bürger (auch gemeinnützige Vereine) wären – dies sei gesetzlich nicht möglich – nicht zu belangen. Die Stadt selbst wäre immer beteiligt, müsste laut Satzungsentwurf mindestens 20 Prozent des Gesamterlöses für den so entstehenden Touristiktopf tragen.


Kosten und Nutzen als unbekannte Größen

Was genau alles noch daraus finanziert werden soll, ist offenbar nicht ganz klar. Zwar betonte Christoph Küsters, als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses federführend bei der Erarbeitung des Gesamtpapiers, die Touristinformation solle von der Abgabe nicht profitieren. Am Montagabend kursierte jedoch ein Zettel im Schulatrium, auf dem auch von „Gästebetreuung“, „Gastgeberverzeichnisse“, von „Gästevermittlung“ und „Tourismusmarketing“ zu lesen war…

Auch was der Topf bringt, ist völlig unklar. An einem fiktiven Hotel- und Gaststättenbetrieb mit rund 150 000 Euro Jahresumsatz wurde das Exempel statuiert. Ergebnis: 495 Euro müsste der Betrieb zahlen, pro Jahr. Das wäre für ihn eine ganze Menge, betonte Volker Roese von der Jörnberg-Gaststätte. Stadtvertreter Hannes Kremp (Die Linke) machte es für seine „paar Ferienhäuser“ sogar ganz offen: 175 Euro wären das für ihn. „Das haut mich nicht um“, so sein persönliches Fazit. Ob sich solche Beträge am Ende eines Jahres auf 300 000 Euro summieren? Diesen Betrag nannte Stadtvertreter Frank Eilrich (SPD), der den Abend moderierte, als erforderlich für die touristische Infrastruktur in Krakow am See.

Ebenso „noch nicht zu beziffern“ (Geistert) ist, was das Eintreiben und die Verwaltung des erhofften Geldes kosten wird. Sebastian Jänisch fragte danach und auch, ob es Alternativen zur Abgabe gäbe. Anne Marin, die erst vor kurzem ein Geschäft in der Innenstadt aufgemacht hat, geht anders an die Sache heran. „Wir sind angewiesen auf Touristen“, sagt sie, und meint nicht nur ihr Geschäft. Krakow werde als sehr schön, aber auch als zu verdreckt beschrieben. Letzteres zu ändern, dafür „sollte jeder ein bisschen beitragen“.


Vorwurf: „Diskriminierung der Unternehmer“

Als „Diskriminierung der Unternehmer“ brandmarkte Physiotherapeutin Jana Lange das Vorhaben. Das Anliegen verstehe sie wohl, nicht aber, alles „wieder bei den Selbstständigen zu holen“. Bootsverleihe und Fahrgastschiffer brauchten eigentlich eine Belohnung, dass sie das in Krakow machen, meint Bernd Gerlich, der betonte, seine Galerie beträfe die Abgabe aber nicht. Lucia Dirks (CDU) wollte daran erinnern, dass ein Ansatz für die Erhebung gewesen sei, Nachbargemeinden (Dobbin-Linstow, Kuchelmiß) ins Boot zu holen. Die aber hatten einem Touristikverband mit dem Luftkurort eine Absage erteilt. Bauschlosser Wilfried Hartlep sprach die Befürchtung aus: „Wenn das erst mal eingeführt ist, wird jedes Jahr ander Schraube gedreht.“ Jochen Hornung, ansässiger Marktbäcker, findet das Ganze „nicht gerecht“. Er habe den Eindruck, es gehe darum, „den städtischen Haushalt zu sanieren“. Eher auf eine freiwillige Abgabe möchte Stadtvertreterin Renate Lorenz (SPD) setzen.

Dass eine solche funktioniert, mag der Bürgermeister – der als Freiberufler übrigens auch „abgeben“ müsste – nicht so recht glauben. Doch es ganz sein zu lassen sei vermutlich auch nicht die Lösung. Geistert: „Wir müssen nach einem Kompromiss suchen. Wenn jemand eine ganz tolle Idee hat, die uns retten würde – bitte gerne.“

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