2500 Teilnehmer am Warnstreik in Güstrow : Gegen "Erpresser-Methoden"

Der Güstrower Markt war voll beim gestrigen Warnstreik.  Fotos: Evelyn Bubber-Menzel (4)
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Der Güstrower Markt war voll beim gestrigen Warnstreik. Fotos: Evelyn Bubber-Menzel (4)

Lehrer und weitere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gegen Kürzung der Betriebsrente und für gerechtere Entlohnung

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07. März 2015, 06:00 Uhr

„Hände weg von der Betriebsrente!“ „Wir wehren uns!“ Mit Forderungen wie diesen und lautstarken Trillerpfeifen-Einlagen machten gestern an die 2500 Lehrer und weitere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in einem Warnstreik in Güstrow Front gegen die von den Arbeitgebern geplante Kürzung der betrieblichen Altersversorgung und für eine gerechtere Entlohnung.

Als „echten Erpressungsversuch“ werteten die Gewerkschaften GEW und verdi die Erklärung der Arbeitgeber, ein Angebot für Lohnerhöhungen erst dann zu unterbreiten, wenn die Mitarbeiter einer Kürzung ihrer betrieblichen Altersversorgung zustimmen. „Die Altersrente sinkt immer mehr. Deshalb wird die betriebliche Altersvorsorge immer wichtiger“, betont verdi-Gewerkschaftssekretärin Simone Wolf. Auch für Katrin Bleick (48), Lehrerin an der Förderschule Ahornpromenade Güstrow, war dies einer der Gründe zur Teilnahme am Warnstreik. „Viele Kollegen mussten jahrelang in Teilzeit arbeiten und schon dadurch finanzielle Einbußen hinnehmen. Und jetzt wird noch an der Altersvorsorge gerüttelt. Das darf einfach nicht sein“, meint sie. Sie selbst sei von der Teilzeit zwar nicht betroffen gewesen, „aber Solidarität sollte unter Lehrern kein Fremdwort sein“, findet sie. Hinzu komme, dass es für die meisten auf Grund der hohen Belastung „einfach nicht zu schaffen“ sei, „bis 67 durchzuarbeiten.“ Und es müsse endlich einheitliche Tarifgruppen für alle Lehrkräfte geben, findet Katrin Bleick. „Egal, wo man arbeitet, ob in Hamburg oder Güstrow. Bei gleichen Abschlüssen muss es bei den Lehrern gleiches Geld für alle geben“, fordert auch ihre Kollegin Kerstin Spindler. Beseitigt werden müsse ebenfalls die unterschiedliche Entlohnung der Lehrer in den verschiedenen Schulform. GEW und verdi fordern eine Angleichung der Löhne durch eine Änderung der tariflichen Eingruppierung der Lehrkräfte.

Besondere Bauchschmerzen aber macht Kerstin Spindler das aus ihrer Sicht nicht durchdachte Konzept des Landes zur Inklusion von Förderschülern. Schon seit drei Jahren ist die Förderschullehrerin an drei Regionalen Schule eingesetzt, um dort während des Unterrichts in den Klassen einzelne Förderschüler zu betreuen. Zeitweilig sind dann also zwei Lehrerinnen in einer Klasse. „Für ein verhaltensauffälliges Kind hab’ ich 0,5 Stunden pro Woche zur Verfügung, für ein lernbehindertes Kind 0,7 Stunden pro Woche. Das ist viel zu wenig. So funktioniert Inklusion nicht“, sagt sie. Es komme sogar vor, dass sie während einer Unterrichtsstunde zu einem anderen Kind in eine andere Klasse wechseln müsse. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Förderschullehrerin selbst durch das ständige Hin- und Herwechseln geradezu „heimatlos“ fühlt. „Ich gehöre nirgendwo so richtig dazu“, sagt sie.

Vor allem „die unnötige Befristung von Lehrerverträgen“ bewegt Thilo Renger (38). Der Rostocker unterrichtet seit diesem Schuljahr Geschichte und Englisch am Güstrower John-Brinckman-Gymnasium. „Ich hab’ aber nur einen Jahresvertrag“, das sei für ihn sehr unbefriedigend. Schließlich habe er eine Familie zu versorgen. Begründet worden sei der Jahresvertrag damit, dass „keine unbefristeten Stellen geschaffen werden, weil dafür kein Bedarf besteht“, sagt er.

GEW und verdi sprechen dazu eine andere Sprache: In den nächsten zehn Jahren werden fast 20 Prozent aller Lehrer aus dem Dienst ausscheiden. Der Einstellungsbedarf in M-V sei also hoch, so die Gewerkschaften.

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