Traditionschor Güstrow : Gegen den Abschied angesungen

Bei den Proben im Brinckmangymnasium fassten die Chormitglieder mit Leiter Hartwig Daewel (vorne M.) den Beschluss: „Wir machen weiter!“
Bei den Proben im Brinckmangymnasium fassten die Chormitglieder mit Leiter Hartwig Daewel (vorne M.) den Beschluss: „Wir machen weiter!“

Der Traditionschor des Güstrower Brinckmangymnasiums hatte sein letztes Konzert geplant – doch es kam alles anders

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31. August 2015, 06:00 Uhr

Es war als Abschiedskonzert angekündigt. Sonnabend wollte der seit 1989 bestehende Traditionschor des Güstrower John-Brinckman-Gymnasiums sein letztes Konzert in der Aula der Schule geben. „Wir haben eben die Sorge, dass wir es vom Alter und von der Qualität her nicht mehr packen“, sagt die 71-jährige Güstrowerin Hildegard Steinecke, die von Anfang an dabei ist. Doch es kam alles ganz anders.

Schon bei den Proben für das Konzert am Sonnabend sagte Chorleiter Dr. Hartwig Daewel zu den Sängerinnen und Sängern: „Ihr habt noch nie so gut geklungen wie heute.“ Schnell waren sich die 30 Mitglieder einig und fassten den einstimmigen Beschluss: „Wir machen weiter!“ Jetzt gehe es also weiter, „bis wir nicht mehr können“, freut sich Hildegard Steinecke.

Die Chormitglieder setzen sich aus den Abiturjahrgängen 1956 bis 1970 zusammen. Sie singen Lieder aus der Zeit mit ihrem ehemaligen Chorleiter Jochen Gläser, der 2012 gestorben ist. Darunter auch zahlreiche Eigenkompositionen von Gläser sowie plattdeutsche Lieder, deutsche Volkslieder, aber auch klassische Chormusik. Jedes Jahr kommen sie einmal zusammen, um zu proben und dann am letzten Augustwochenende ein Konzert in der Aula des Brinckmangymnasiums zu geben – nur eines pro Jahr.


Zahl der Mitglieder deutlich gesunken


Hildegard Steinecke ist Abiturjahrgang 1962 und Chorsängerin mit Leib und Seele. Aber wie sie haben viele Chormitglieder die 70 schon überschritten. Alle sind Pensionäre. „Deshalb haben wir ja auch ans Aufhören gedacht. Manche haben ja schon Schwierigkeiten, die vielen Treppen in der Schule rauf zu kommen“, sagt sie und lacht. Viele der Mitglieder sind zudem über ganz Deutschland verstreut, einige leben im Ausland. „Mehr als einmal im Jahr schaffen wir es gar nicht, alle zusammen zu bringen.“ Doch zu dem einen Termin im August würden alle gerne kommen, erzählt Hildegard Steinecke. Aber die Zahl der Sängerinnen und Sänger ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. „Wir standen damals mit 70 Leuten auf der Bühne, übrig geblieben sind 30“, sagt die Güstrowerin.

Um so mehr freut sich Hildegard Steinecke, dass es jetzt weiter geht und auch 2016 wieder gesungen wird. „Schon bei den Proben gab es so eine Klangfülle, dass wir Gänsehaut bekommen haben“, sagt sie. Zudem würden in letzter Zeit so viele Chöre aufhören, zuletzt der Güstrower Volkschor. „Da können wir nicht auch noch dicht machen“, sagt sie. Der ehemaligen Musiklehrerin ist es auch egal, ob viele Zuschauer zu den Konzerten kommen. „Wir singen für uns. Das bringt nicht nur Freude, sondern hält auch jung“, ist sie überzeugt.  

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