Ins Atelier geschaut : Gedichte trafen Künstlerin wie ein Blitz

Carola Rieger in ihrem Atelier in Bergfeld. Die Designerin betreibt hier ihre Firma Phoenix Design und Visuelle Kommunikation.  Fotos: Christian Menzel
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Carola Rieger in ihrem Atelier in Bergfeld. Die Designerin betreibt hier ihre Firma Phoenix Design und Visuelle Kommunikation. Fotos: Christian Menzel

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: Carola Rieger aus Bergfeld ist Grafik-Designerin, Typographin und Dozentin

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10. November 2014, 06:00 Uhr

Auf der Internetseite des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern hat die Grafik-Designerin Carola Rieger ihre Arbeitsschwerpunkte wie folgt beschrieben: „Grafikdesign, Typographie, Mediendesign, skripturale Grafik, Konzeption, Medienproduktion und Kunstmanagement“. Tatsächlich ordnet die in Bergfeld lebende Künstlerin ihr Schaffen derzeit in drei Kategorien ein: „Freie Kunst“, die sie ohne Auftraggeber und also ohne Honorar betreibt. „Unfreie Kunst“, bei der sie Intentionen und Vorgaben eines Auftraggebers realisiert. Darüber hinaus unterrichtet sie seit über zehn Jahren im Fach Mediendesign an der Ostfalia-Hochschule in Wolfenbüttel.


Von Dichter Erich Fried fasziniert


Es gehört nicht viel Fantasie zu der Vermutung, dass die „freie Kunst“ die Herzensangelegenheit von Carola Rieger ist. Gleich nach ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig stieß sie Mitte der 1980er-Jahre auf den Dichter Erich Fried (1921 bis 1988). Die Entdeckung seiner Gedichte traf sie wie ein Blitz. „Seine prägnante und knappe Wortwahl reizten mich sofort, seine Gedichte bildkünstlerisch zu interpretieren und eine visuelle Deutung vorzuschlagen“, sagt sie. Seine Texte übertrug sie auf überdimensionale Typofahnen, die in Ausstellungen schnell die Blicke der Besucher auf sich zogen. Zu sehen waren Carola Riegers Arbeiten u. a. in diesem Jahr auf der Insel Rügen im Rahmen der Kunstschau „Ins Blaue“ sowie in den Ausstellungen „Kunst und Umwelt“ und „Mit Feuer, Glas und Erde, Metall, Papier und Stein“ in der Städtischen Galerie Wollhalle in Güstrow. Arbeiten der gebürtigen Berlinerin wurden auch gezeigt auf der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden und auf den Internationalen Buchkunstausstellungen in Leipzig.


Künstlerin und Geschäftsfrau


„Die Gestaltung von Büchern ist mit der Einführung des digitalen Gestaltens immer weiter zurückgegangen. Ich habe praktisch seit 15 Jahren kein Buch mehr gestaltet“, sagt sie. Dafür hat sie sich als Künstlerin und Geschäftsfrau viele neue Felder erschlossen. So entwickelt sie für Unternehmen, Institutionen oder Verbände das Corporate Design und muss dabei nicht selten viel Überzeugungsarbeit leisten. „Manche Auftraggeber stellen sich ein knalliges Logo vor und glauben, den Rest schon irgendwie hinzubekommen. Aber ohne Originalität, assoziativen Gehalt und graphische Qualität kann ein Zeichen, ein Signet oder eine Marke seine Funktion nicht erfüllen“, lautet ihre Überzeugung.

Mit ihrer Firma Phoenix Design und Visuelle Kommunikation war Carola Rieger beteiligt an der Entwicklung einer Beschriftungs- und Beschilderungsvorlage für Bau-, Kunst- und Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern – einer Pionierarbeit in Deutschland. Praktisch realisiert hat sie diese Richtlinien gerade auf dem ehemaligen Rittergut Streu bei Schaprode auf der Insel Rügen, einem Ort des Widerstandes gegen die Hitlerdiktatur. „Das Gut wurde aufwändig saniert und mir fiel die Aufgabe zu, die Gedenktafeln zu gestalten“, sagt Carola Rieger, die sich mehr solcher Aufträge wünschen würde.

Dass ihr Berufsbild – sie lernte während ihrer Ausbildung als Akzidenzsetzerin noch den Umgang mit den Bleibuchstaben à la Gutenberg kennen – durch die Digitalisierung einen radikalen Wandel erlebt, schockt sie nicht. Im Gegenteil, sie begreift die neuen Medien als Chance für Vielfalt und Arbeitserleichterung. „Mit dem Computer erledigen sich die Arbeiten in einem Bruchteil der Zeit, die wir früher für die Ausführung per Hand aufbringen mussten. Und genauer und präziser wird es ohnehin“, sagt Carola Rieger. Ihre Ideen, Skizzen und erste Vorstellungen bringt sie in Bergfeld meist auf klassische Weise zu Papier. „Aber ab der Stufe der Umsetzung kommt der Computer ins Spiel“, sagt sie. Ihre Begeisterung für die neuen Möglichkeiten der Designerarbeit versucht die Künstlerin auch in ihren Lehrveranstaltungen den Studenten zu vermitteln.

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