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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 11:44 Uhr

Dom zu Güstrow : Gedenken an „Schwebenden“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Veranstaltung am Sonnabendabend im Güstrower Dom / Dr. Volker Probst hält Vortrag: Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg

Die Domgemeinde Güstrow erinnert morgen im Dom an die Abnahme des „Schwebenden“ von Ernst Barlach. Die Nazis hatten das berühmte Bronzemal am 23. August 1937 als „entartete Kunst“ aus dem Gotteshaus entfernt und es später „wehrwirtschaftlichen Zwecken zugeführt“. Der Abend eines „schmerzlichen Bewussthaltens“, wie es Pastor Christian Höser formuliert, beginnt um 19.30 Uhr in der Nordhalle des Domes.

Im Mittelpunkt des traditionellen Gedenkens in dem Jahr, da sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, steht ein Vortrag von Dr. Volker Probst, der als Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung zum Thema „Wer den Krieg darstellen will, muss erst den Frost malen lernen“ – Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg“ spricht. Der Barlach-Kenner ist gleichzeitig Kurator für eine Ausstellung zu ebendiesem Thema, die im Ausstellungsforum am Heidberg zu sehen ist. „Ich werde darauf eingehen, welche Position Barlach zu Beginn des Krieges einnahm und wie sich diese im Laufe der Zeit wandelte“, kündigte Probst an. Dabei werde auch seine Soldatenzeit in Sonderburg eine Rolle spielen. In einem zweiten, kunsthistorischen Teil will Probst darauf eingehen, wie Barlach seine Erlebnisse und Kriegserfahrungen im bildnerischen Werk darstellte. Beispiele dafür seien in der Sonderschau zu sehen. „Es lohnt sich also vorher oder nachher auch die Ausstellung anzuschauen“, empfiehlt der Kunsthistoriker, der mit dem Interesse für die Sonderausstellung bisher sehr zufrieden ist. Seine Kuratorenführung beispielsweise hatte in der vergangenen Woche 30 Teilnehmer – Touristen und Einheimische.

Der „Schwebende“ war 1927 im Dom aufgehängt worden und am 23. August 1937 durch die Nationalsozialisten als entartete Kunst entfernt worden. Am 8. März kehrte er als dritter Nachguss in den Dom zurück. Einen Sicherheitsguss gibt es in Köln und einen zweiten Nachguss auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein.

Es ist eines der wichtigsten Werke des weltbekannten Bildhauers und es wird noch in diesem Jahr in einem der berühmtesten Museen der Welt, dem British Museum London, zu sehen sein (SVZ berichtete). Dort gibt es vom 16. Oktober bis zum 26. Januar die Ausstellung „Deutschland im Jahr 25 nach der Wende“. Es hatte eine Anfrage des Britsh Museums gegeben. Deren Direktor Neil McGregor möchte unbedingt den „Schwebenden“ mit dem Antlitz von Käthe Kollwitz aus dem Güstrower Dom haben, weil Barlach ihn genau dort haben wollte. Das sei für ihn der authentische Ort. Der Geschäftsführer der Barlachstiftung und der Dompastor waren sich schnell einig, dem Wunsch der Briten zu entsprechen. Diese Leihgabe solle aber eine absolute Ausnahme darstellen. Am 29. September wird der „Schwebende“ auf Reisen gehen.

 

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