Güstrower Kitas : Gebühren runter und dann rauf

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Betreuungskosten in städtischen Güstrower Kitas sinken noch einmal leicht. Neue Verhandlungen bergen „Zündstoff“

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Mit geringfügig geringeren Betreuungsgebühren für die Inanspruchnahme von Kita-Plätzen in städtischen Einrichtungen können Güstrower Eltern in diesem Jahr rechnen. Vorausgesetzt, die Stadtvertretung stimmt am 15. Februar zu, kostet ein Ganztags-Krippenplatz in der Kita „Butzemannhaus“ ab 1. Januar 2018 nur noch 247,26 Euro statt bisher 251,17 Euro. Im Kindergarten, wo die Gebühr bisher 139,84 Euro beträgt, werden nur noch 138,15 Euro fällig. Die Elternbeiträge für Teilzeitbetreuung sinken entsprechend. In den drei Horten der Stadt sparen Eltern jeweils knapp einen halben Euro bei Teilzeit und 75 Cent bei Vollzeitbetreuung.

Die geringfügigen Senkungen seien geänderten Zuschüssen von Land und Landkreis geschuldet, die entsprechend verrechnet werden müssten, informierte Schulamts- und Sozialamtsleiterin Mandy Mater die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadtvertretung. Die Platzkosten blieben davon unberührt.

Doch da droht Eltern, die ihre Sprösslinge im „Butzemannhaus“ , im „Fritz-Reuetr-Hort“, im Hort „Am Inselsee“ oder im „SchulKinderHaus – Mitte“ unterbringen, eher Ungemach. Mater bestätigt, dass die städtischen Einrichtungen derzeit günstiger wären als jene der freien Träger. Doch die Amtsleiterin warnt: „Sie sind aber nicht kostendeckend!“ Demnächst sei mit dem Landkreis die Höhe der Platzkosten neu zu verhandeln. Und da werden, das argwöhnt schon Ausschussvorsitzender Walter Lindemann (Freie Wähler), auch die Beiträge von Stadt und Eltern „erheblich steigen“. Lindemann: „Das wird Zündstoff geben.“

Ursache für die prognostizierte Steigerung der Platzkosten und damit auch der Elternbeiträge – nach den Zuschüssen von Land und Landkreis teilen sich Gemeinde und Eltern den „Rest“ – seien unveränderte Platzkosten seit den Verhandlungen 2005, bestätigt Mater. Zuletzt, 2012, scheiterte das Verhandlungsergebnis zum „Butzemannhaus“ am Veto der Stadtvertretung. Wenn nun mit dem Landkreis neu verhandelt werde, seien erhebliche Rückstände, wie etwa Lohnsteigerungen, aufzuholen. Gerd-Peter Bartsch (CDU) gab dennoch eine Richtung vor: „Wenn wir schon städtische Kitas unterhalten, dann sollten wir damit die Preise in der Stadt auch ein bisschen beeinflussen.“

Immerhin: Erst einmal sinken die Beiträge, wenn auch nur minimal. Das findet sogar bei Walter Lindemann, in Vergangenheit grundsätzlicher Nein-Sager zu Elternbeiträgen, Zustimmung. Das könnte sich beim nächsten Mal wieder ändern. Neue Verhandlungen strebt die Stadt für dieses Jahr noch an.

Kommentar “In der Zwickmühle“ von Eckhard Rosentreter

50 Euro Entlastung will das Land Kita-Eltern bescheren. „Die kommen an“, hieß es so schön, im Wahlkampf. Schöne Scheinwelt, wenn Güstrower Eltern demnächst wohl deutlich tiefer in ihre Tasche greifen müssten als für 50 Euro. Die Platzkosten der Stadtkitas werden seit Jahren künstlich niedrig gehalten, also subventioniert. Und zwar versteckt, denn laut Satzung teilt sich die Stadt, wenn Land und Landkreis den Topf schon gut gefüllt haben, den „Rest“ mit den Eltern fifty-fifty. Dahinter steckt natürlich auch politisches Kalkül. Welcher Gemeindevertreter gibt schon gerne sein Okay zu höheren Belastungen für die Bürger? Die landläufige Unterstellung, Politiker würden dies regelmäßig mit Freuden tun, ist ja unsinnig. Würden doch Entlastungen der Bürger viel besser für ein gewünschtes Wahlresultat sorgen, mehr Sicherheit geben für die angestrebte Wiederwahl. Genau das fällt irgend wem mal auf die Füße. Im Falle der Güstrower Kindertagesstätten erst den Eltern? Das Szenario droht. Spätestens dann auch den Stadtvertretern.

Aber, liebe Eltern, gemach! Der Gedanke, die überfällige Steigerung der Kita-Kosten als Stadt allein zu tragen, also mehr als 50 Prozent vom „Rest“ zu geben, liegt auf dem Tisch. In gut einem Jahr sind ja wieder Kommunalwahlen.

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