SVZ-Serie : Gebaut als Billardsaal – später erstes Güstrower Museum

Der Wall um 1935 mit dem ehemaligen Billardsaal rechts
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Der Wall um 1935 mit dem ehemaligen Billardsaal rechts

SVZ-Serie „Historische Baulücken in Güstrow“ / Klassizistisches Gebäude auf Wallanlagen verschwunden

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21. März 2015, 06:00 Uhr

Die Güstrower Wallanlagen bilden bis heute einen immer noch relativ gut erhaltenen Teil eines geschlossenen Grüngürtels um unsere Stadt. Der westliche Teil dieser Anlagen war von den französischen Truppen zwischen 1807 und 1813 zu Verteidigungszwecken ausgebaut worden. Nach den Befreiungskriegen verfielen die Schanzanlagen, ebenso die Stadtmauer.

Der Schweriner Großherzog Friedrich Franz I. schenkte die Schanze dem Güstrower Bürger Friedrich Hagemeister. Dieser ließ die Schanze schleifen und errichtete auf dem Grundstück 1824 das „Wallhotel“ und zwei Jahre später, dem Hotel gegenüber, einen Billardsaal im klassizistischen Stil. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte die Stadt in Etappen die Wallanlagen auf. Hagemeister verkaufte sein Wallhotel ebenfalls an die Stadt. Der ehemalige Billardsaal verwaiste.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts berieten Güstrower Bürger über die Gründung eines „lokalen Alterthumvereins“. Zum Aufbau einer Sammlung und deren Präsentation benötigte der Verein dringend einen geeigneten Raum, den die Stadt in Gestalt des ehemaligen Billardsaals am Wall im Jahre 1892 zur Verfügung stellte. Das erste Güstrower Museum war geboren, zur Freude der Güstrower Bürger, die unentgeltlich jeden Sonntag zwischen Mai und Oktober die stetig wachsende Sammlung in Augenschein nehmen konnten.

Nach dem 2. Weltkrieg kam dann schnell das Ende des repräsentativen Billardsaales mit seinen schönen Säulen im Vorderbereich. Die Straße Am Wall wurde von den Sowjets beschlagnahmt, die Gebäude zum Garnisonslazarett umfunktioniert, das gesamte Gelände umzäunt und ummauert. Der Billardsaal verfiel und Ende der 1980er-Jahre waren nur noch Mauerreste vorhanden. Nach der Wende wurde 1996 das alte Wallhotel abgerissen, um eine neue Kreisverwaltung dort zu errichten. Dabei wurden auch die Reste des alten Billardsaales beseitigt. Die Basisgranitplatten der Säulen des Billardsaales wurden auf Initiative des früheren ehrenamtlichen Denkmalpflegers Jürgen Höhnke geborgen und auf dem Freiplatz am Brinckmangymnasium (Johnson-Denkmal) eingelassen.  

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