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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 22:51 Uhr

Güstrow : Fürstlicher Besuch im Schloss

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Angela Fürstin Fugger von Glött besuchte gestern Güstrow

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Die Fürstin findet ihr Souvenir bereits auf dem Schlosshof. Kurz entschlossen bückt sich Angela Fürstin Fugger von Glött, liest die Feder eines Turmfalken auf und wird sie während ihres Rundgangs auf Schloss Güstrow nicht mehr aus der Hand legen. „Gelegentlich nisten Turmfalken auch in meiner Hütte“ sagt die 78-Jährige und lacht.

Die „Hütte“ ist das zwischen 1578 und 1585 für Hans Fugger erbaute Renaissanceschloss im schwäbischen Dreieck Augsburg, Ulm und Memmingen gelegenen Kirchheim. Da das Güstrower Schloss etwa aus der gleichen Zeit – Baubeginn 1558 – stammt und ebenfalls im Renaissancestil errichtet wurde, bildet es eine Station auf der Mecklenburgreise der Fürstin. Empfangen von „Schlossherrin“ Regina Erbentraut, kommen die Damen bereits auf dem Hof ins Fachsimpeln. Welche Gemeinsamkeiten haben wir, welche Unterschiede gibt es. „Ich veranstalte auch Ausstellungen und Konzerte in Kirchheim. Vor allem haben wir dafür mit dem Zedernsaal einen idealen Ort“, beantwortet die Fürstin einen Bericht von Erbentraut über das hiesige kulturelle Angebot. Die Unterschiede erfragt der Gast, als ihm eine Baustelle auffällt. „Für den Unterhalt und die Sanierung des Schlosses stellt das Land sicher Mittel bereit?“, fragt sie, um festzustellen: „Bei mir ist das komplizierter. Ich muss die Gemeinde fragen. Erst dann bekomme ich auch vom Landkreis etwas und so weiter. Es ist immer ein beschwerlicher Weg.“


Für Ungewöhnliches stets zu haben


Noch während sie das sagt, fallen ihre Blicke auf einen gedrechselt wirkenden Schornstein, was sie wieder auf einen Vergleich mit ihrer Heimat bringt. 52 Zimmer habe ihr Schloss, aber keine Zentralheizung, berichtet sie. Dafür aber Öfen und Kamine. Auf dem Dachboden habe sie wertvolle Kacheln aus dem 16. und 17. Jahrhundert gefunden. Nach der Vorlage der vor zwei Jahren verstorbenen Bildhauerin und Keramikmeisterin Gertrud Nein habe sie für die Rekonstruktion eines Ofens drei Monate lang Kacheln zusammengeklebt. „Ich habe geklebt, geklebt, geflucht, geflucht, geklebt…“, schildert die rüstige Fürstin diese Zeit. Stricken finde sie „bodenlos langweilig“, aber über 400 Jahre alte Kacheln kleben habe durchaus etwas, schmunzelt sie. Überhaupt ist die couragierte Fürstin, die 1975 den 40 Jahre älteren Joseph-Ernst Fürst Fugger von Glött (1895-1981) heiratete, für Ungewöhnliches zu haben. So ließ sie sich zur Mitwirkung bei den süddeutschen Karl-May-Festspielen in Dasing überreden, obwohl sie nach eigenem Bekunden nicht ein einziges Buch des Abenteuerschriftstellers gelesen habe.

Dafür blitzen die Augen ihrer Durchlaucht, als ihr Regina Erbentraut die Schätze des Güstrower Schlosses zeigt. Die Bildnisse mit dem Einhorn im Waffensaal oder der Augsburger Kabinettschrank von 1659/60 gefallen ihr besonders. „Das eine oder andere Stück würden auf meinem Schloss auch gut aussehen“, meint sie. Regina Erbentraut erzählt ihr, dass Schlosserbauer Herzog Ulrich damals Samen und Pflanzen aus den Fuggerschen Gärten mit nach Mecklenburg gebracht hätte.

Nach dem ausführlichen Rundgang zeigt die Fürstin keine Anzeichen von Erschöpfung. „Sie haben ein fantastisches Schloss“, bestätigt sie ihrer Gastgeberin. Die Heimreise nach Kirchheim werde sie mit vielen Anregungen und Ideen antreten, versichert sie. Und mit der Feder des Turmfalken.




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