Beratung : Für Paare und Familien offenes Ohr

Karin Bobzien geht mit Kindern oft spielerisch an Problematiken heran
Karin Bobzien geht mit Kindern oft spielerisch an Problematiken heran

Babysignale erkennen und verstehen: Karin Bobzien baute Psychologische Beratungsstelle mit auf.

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06. August 2015, 06:00 Uhr

Knapp 100 Familien suchen pro Jahr die Psychologische Beratungsstelle der Volkssolidarität im Friedrich-Schult-Weg in Güstrow auf. Sehr unterschiedlich ist die Intensität der einzelnen Beratungen. Diplom-Psychologin Karin Bobzien weiß um die Notwendigkeit eines solchen Angebotes, denn sie baute diese Beratungsstelle vor 25 Jahren mit auf und ist heute Leiterin der Einrichtung.

Ein Beispiel, das häufiger vorkommt: Vater und Mutter sind voll berufstätig. Die Kinder werden bewusst erzogen und gefördert. Es entstehen heftige Streitsituationen, in denen das Kind, ein Erstklässler, in lautem Tonfall seine Wünsche kundtut. Die Eltern reagieren ebenso lautstark zurück, bis letztlich die Mutter zu weinen beginnt. Das Kind ist irritiert, weiß nicht genau, was das bedeutet…

„Wir versuchen die Situation durchzusprechen, warum es überhaupt dazu gekommen ist, wie man damit umgehen sollte und wie man Signale rechtzeitig erkennen kann“, berichtet die Leiterin der Beratungsstelle. Häufig kommen auch Eltern, die sich trennen wollen oder bereits getrennt haben, zur Erziehungs- und Familienberatung. „Es ist gut, wenn Eltern dann frühzeitig kommen, um vorher Möglichkeiten des Umgangs und der Bewältigung dieser Situation zu erarbeiten“, meint die 56-Jährige.

Insbesondere Kinder würden an solchen Situationen oft sehr leiden. Manche würden sich zurückziehen, andere werden aggressiv und wieder andere hätten mit einem Leistungsabfall in der Schule zu kämpfen. „Weil sich das Kind oftmals die Schuld an der Situation gibt, trägt es eine schwere Last“, weiß die Psychologin. Manchmal könnten Trauer oder Konfliktsituationen eben nicht allein bewältigt werden.

Neben der Familienberatung gehören auch Ehe-, Partnerschafts- und Lebensberatungen zum Angebot der Einrichtung. Außerdem wird ein fünfwöchiger Kursus angeboten, in dem werdende bzw. junge Eltern Signale ihres Kindes verstehen lernen. Durch Mimik und Gestik zeigten nämlich schon Babys, was sie brauchen. „Eltern erfahren, wie sie kompetent reagieren, und dies verhilft zu einer emotional sichereren Bindung zum Kind“, erklärt Karin Bobzien. Manchmal hätten Eltern selbst keine solche Bindung erlebt, andere würden zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen. „Eine zunehmende Tendenz in der Beratung ist, dass zu hohe Erwartungen und Ansprüche der Eltern aufs Kind projiziert werden“, sagt Karin Bobzien.

Neben Karin Bobzien gehört noch Claudia Körner zur Beratungsstelle. Eine dritte Kollegin soll demnächst das Team verstärken. Denn die Nachfrage nach Beratung nehme nicht ab. „Manche Beratungen sind mit einem oder zwei Terminen erledigt, andere dauern etwa ein viertel oder halbes Jahr. Je nach Problemlage wird mit der ganzen Familie, nur mit den Kindern oder mit den Eltern oder einem Elternteil gearbeitet. „Wenn es aber mehr um eine Therapie und nicht um Beratung geht, verweisen wir an andere Institutionen“, so die Leiterin. Für sie sei es der schönste Moment, wenn Kinder wieder zu lachen beginnen oder ihr Wesen sich zum Positiven entwickelt, sagt Karin Bobzien. Das sei für sie der schönste Lohn.

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