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DRK-Sozialstation Güstrow : „Für mich ist es Berufung“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Christine Hoffmeister arbeitet seit 25 Jahren als Gemeindeschwester in der DRK-Sozialstation - Gestern feierte die Sozialstation 25-jähriges Jubiläum

Der Tag von Christine Hoffmeister beginnt zumeist vor Sonnenaufgang. Gerade jetzt im Winter muss sie die Scheiben ihres Autos frei kratzen, um schließlich zu ihren Patienten zu starten. Die 59-Jährige arbeitet als Schwester in der Sozialstation des Deutschen Roten Kreuzes – und das schon 25 Jahre lang. Dieses Jubiläum wurde gestern mit allen Mitarbeitern der Sozialstation Güstrow und vielen Gästen gefeiert. Die Arbeit kennt sie aber schon viele Jahre länger, denn zuvor war Christine Hoffmeister als Gemeindeschwester der Gemeinden Pölitz und Diekhof tätig. Für sie ist dies nicht nur ein Beruf. „Man braucht eine soziale Ader und muss sich in die Patienten hineindenken können. Für mich ist es eine Berufung“, sagt sie.


Krankenschwester und Seelsorger


Zuerst geht es an einem normalen Arbeitstag z.B. zu Ingetraut Morgenstern. Bei ihr muss der Blutzucker gemessen und eine Insulinspritze gegeben werden. Ingetraut Morgenstern wartet schon. Denn erst nach dem Besuch der Schwester darf sie frühstücken. An der Tür zieht Christine Hoffmeister Überzieher über die Schuhe und es gibt eine herzliche Begrüßung. Dann geht alles recht schnell, Messung und Spritze, denn der nächste Patient wartet schon. Doch immer ist noch Zeit, um das zu hören, was der Patient auf dem Herzen hat. „Wir sind eben nicht nur Krankenschwester, sondern auch Kraftfahrer und Seelsorger“, erzählt Christine Hoffmeister. Dabei möchte sie die Patienten ihren eigenen Zeitdruck aber nicht spüren lassen. Draußen aber geht es schnell ins Auto und flugs zur nächsten Patientin. Auch Rosemarie Hannak freut sich schon, dass die Schwester kommt. Sie benötigt Hilfe beim Strumpfhose anziehen. Auch das geht recht schnell. Doch Zeit für ein paar Worte ist auch hier nebenbei.

Christine Hoffmeister hat sich genau diesen Beruf ausgewählt. 1973 lernte sie ihn in einem katholischen Haus und war schon kurze Zeit später als Gemeindeschwester tätig. Als solche arbeitete sie dem Arzt zu, war in den Orten unterwegs. „Einmal im Monat hat eine der jungen Mütter zur Mütterberatung ihre Wohnung bereit gestellt“, erinnert sie sich. Die Schwester war damals neben der Begutachtung der Babys auch für die Impfungen zuständig. Ein besonderes Ereignis im Winter 1979/89 wird Christine Hoffmeister wohl nie vergessen. Eine Geburt in Alt Diekhof stand an und kein Fahrzeug kam durch. „Ich bin mit Skiern zur Geburt gefahren“, erzählt sie. Ein Panzer habe dann die Ärztin transportiert und das Kind konnte gesund geboren werden.

Vor 25 Jahren wurde dann alles anders. Von einem Tag auf den anderen gab es keine Gemeindeschwestern mehr. Auch in Laage und Güstrow wurden Sozialstationen gegründet, die zuerst vom Arbeitsamt mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert und etwa zwei Jahre darauf von Trägern übernommen wurden. In Güstrow übernahm das DRK diese Sozialstation, die zuerst im Eschenwinkel untergekommen war. Seit 2002 gibt es das Betreute Wohnen in der Neuen Straße und hier zogen auch die Schwestern mit der Sozialstation ein. Heute sind es 25 Schwestern, die in der Sozialstation etwa 100 bis 120 Patienten umsorgen. Die Pflege nimmt hierbei den größten Stellenwert ein. Aber es gibt auch hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Spaziergänge werden mit den Patienten gemacht oder der Einkauf erledigt. Drei Teams mit je drei Schwestern sind hier immer unterwegs und ein Team in Rufbereitschaft.

Für Christine Hoffmeister, die zuerst in Laage und seit 1997 in Güstrow in der Sozialstation arbeitet, kommt auch kein anderer Beruf in Frage. „Ich werde meist nach kurzer Zeit von den Patienten wie eine Tochter behandelt“, erzählt sie. Das erfordere von ihr großes Einfühlungsvermögen und sei eine große Verantwortung. Doch sie möchte auch weiterhin genau diese Arbeit tun: Für andere Menschen da sein und ihre Berufung leben.

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