Min Lütt Dörp : Für die einen Walachei, für andere Paradies

Hansens sind noch beim Einzug. Sven Hansen bringt eine Lampe an.
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Hansens sind noch beim Einzug. Sven Hansen bringt eine Lampe an.

Die Familie Kröplin bringt wieder Leben nach Kussow, ein Ortsteil der Gemeinde Glasewitz

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08. April 2015, 18:12 Uhr

Mit den beiden Hunden Mia und Struppi kommt Gabriel Herzig (40) die Straße entlang. Der Lehmbauer hat eine Baustelle in Krakow am See und keine Zeit. Als er 2002 mit der Familie nach Kussow gekommen war, hatte er sich sein Leben etwas anders vorgestellt. Lebensentwürfe zerbrechen, geblieben ist er dennoch in Kussow – irgendwo zwischen Glasewitz, Reinshagen und Mierendorf.

„Hier kann man sich austoben“, sagt Gabriel Herzig und fügt hinzu: „Man hat seine Ruhe und kann fast alles machen, was man will.“ Zuvor habe er in Güstrow in der Bleicherstraße gewohnt. Der Verkehrslärm sei irgendwann kaum mehr zu ertragen gewesen. Eigentlich war in Kussow eine kleine Landwirtschaft geplant. Nach der Trennung seien nur noch zwei Schafe und ein paar Beerensträucher übriggeblieben, erzählt der gelernte Maurer, der sich vor einigen Jahren zum Lehmbauer weiterbilden ließ. Weil man davon nur schwer das ganze Jahr über leben könne, sei er auch in der Altbausanierung und im Trockenbau tätig.


Traum von Haus, Hof und Garten erfüllt


Haus, Hof und Garten – davon träumte auch Manuel Kröplin (26). „Hühner, Enten, Obst und Gemüse, viele Blumen und eine schöne Aussicht“, erklärt er. „Und ich bin ein Familienmensch“, sagt Manuel Kröplin. Und so leben nun in einem Stallgebäude des ehemaligen Gutes Kussow, das schon vor vielen, vielen Jahren zum Wohnen umgebaut worden war, zwölf Menschen, von denen die meisten zur Familie Kröplin gehören. Einen Mieter gibt es außerdem. „Wir sind hier alle zusammen und doch hat jeder seine Wohnung und kann die Tür hinter sich schließen“, erzählt der Straßenbauer, der für alle das Haus kaufte. Mit den Eltern war er im vergangenen Jahr eingezogen. Auch Schwester Lea (15) und Bruder Eric (19) gehören zur Familie. Gerade noch beim Ausbau und beim Einzug sind die Tante Maren (41) mit Sven (34) Hansen mit den Kindern „Wir kommen aus Kritzkow. Wenn man sich dort auf die Terrasse setzte hatte man das Gefühl auf dem Mittelstreifen der Autobahn zu sein“, erklärt sie ihren Ortswechsel.

„Es ist einfach ein schönes Gehöft“, eint Britt Kröplin (46). Von ihrem Mann, der in Glasewitz großgeworden ist, weiß sie, dass das Gebäude einst ein Stall mit einem Heuboden gewesen ist. Dort oben sei früher getanzt worden, erzählt sie. Zwei Einfamilienhäuser hätten auf dem Berg, zwei weitere Häuser dort gestanden, wo heute Acker ist. Von einer großen Obstbaumplantage seien nur noch ein paar Apfel- und Birnenbäume geblieben. Und direkt gegenüber der Hofeinfahrt sei noch ein alter von Bäumen gerahmter Hohlweg erkennbar. „Der Weg führte nach Glasewitz“, berichtet Britt Kröplin. Mit dem Bau der Autobahn wurde Kussow über eine neue Straße nach Glasewitz angebunden.


Wo sich einer auf anderen verlassen kann


Britt Kröplin sagt von sich, dass sie ein Muttertier sei. Nach der Arbeit bei einem Pflegedienst genieße sie die Ruhe und die Familie. „Ich mag es, wenn die Familie zusammen ist. Und wenn dann irgendwann die Enkelkinder kommen, soll sich einer auf die Unterstützung des anderen verlassen können“, schaut die 46-Jährige voraus. Die Stadt sei nichts für sie. Das unterstreicht auch Manuel Kröplin. „Was für andere die Walachei sein mag, ist für mich das Paradies“, betont der 26-Jährige. Sicher, wer ein wenig außerhalb wohne, der müsse sich auch zu helfen wissen, meint Manuel Kröplin. Wenn der Winterdienst irgendwann nicht komme, würde er sich selbst an die Arbeit machen. Noch fehlt ihm nichts in Kussow. Schnelles Internet sei vorhanden, Glasewitz immer erreichbar. Der Weg nach Mierendorf sei nicht nicht zu jeder Jahreszeit wirklich prickelnd, aber damit könne man leben.

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