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Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 23:02 Uhr

Linstow : Frischkur für Umsiedlermuseum

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Heimatverein Linstow konzipiert Wolhyniermuseum neu. Eröffnung am ersten Septemberwochenende mit Museumsfest.

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Johannes Herbst steht im alten Holzhaus, das an die Umsiedlung von 73 wolhyniendeutschen Familien nach Kriegsende nach Linstow erinnert. Emma Altmann war eine von ihnen, hatte sich vor genau 70 Jahren dieses Heim errichtet, so wie es in ihrer verlorenen Heimat typisch war. Nach ihrem Tod 1983 verfiel das Haus zunehmend, bis nach der politischen Wende der Heimatverein Linstow sich seiner annahm und als Grundlage für ein Umsiedler-Museum aufgepäppelt hat. Das hatte im August 1993 eröffnet.

Jetzt sind wieder Handwerker in dem Bau tätig. Küchenofen und Kommoden, Spinnräder und Schränke, Tisch und Stühle, Schleifstein und Milchzentrifuge… das Inventar steht wahllos herum, wo es während der Arbeiten gerade Platz findet. „Das Museum wird komplett umgestaltet. Wir wollen es als Rundgang neu konzipieren“, erzählt Johannes Herbst der Vereinsvorsitzende. Von der Küche werde es dann in die früher getrennten Wohn- und Schlafzimmer gehen, die einen größeren Raum bilden. Hier, Herbst beschreibt mit den Armen einen großen Bogen, soll das Multimedia-Pult stehen. Es wird ein wichtiger Teil der Modernisierung sein, mit dem der Verein vor allem jüngere Menschen für diesen kleinen, aber wichtigen und dennoch vielfach noch unbekannten Abschnitt der Geschichte der Deutschen interessieren will. Wichtig sei er, weil am wechselvollen Schicksal der Wolhyniendeutschen die verschiedensten Aspekte von Migration darstellbar sind, erklärt Herbst. Damit sollen auch aktuelle Migrationsprobleme besser verständlich und einzuordnen sein, denkt Herbst. Der renommierte Kulturfachmann Dr. Wolf Karge hat die Konzeption für die Neugestaltung entwickelt. Gestern noch schwer vorstellbar, aber: Am 1. September, wenn 70 Jahre Wolhynisches Bauernhaus in Linstow gefeiert wird, soll alles fertig sein.


Eingang auf das Gelände wird verlegt


Auch der Außenbereich des Museumsgeländes wird umgestaltet. Für Besucher auf den ersten Blick neu sein wird die Platzierung des Haupteingangs an der Kiether Straße, wo es zunächst zur neueren Museumsscheune geht. Der alte Eingang an der Hofstraße bleibt nur noch als Postadresse. An der Remise vor dem Museum werden Schautafeln angebracht, die dem Besucher eine erste Übersicht über das Thema Wolhyniendeutsche gibt. Dazu werde eine große Landkarte gestellt, damit man einen räumlichen Eindruck über das Besiedlungsgebiet in der alten, jetzt ukrainischen, Heimat bekommt.

Korrespondierend mit den gegenständlichen Zeugen der Vergangenheit und der neu gestalteten bildlichen Darstellung auf dem Museumsgelände hatte der Verein bereits seine Wanderausstellung überarbeitet und ergänzt. Zwei- bis dreimal im Jahr geht die Ausstellung auf auf Anfragen auf Reisen, zuletzt war sie in Fulda. Die Aufwendungen dafür trägt der Verein, berichtet Johannes Herbst. Deshalb habe man gerne die Chance genutzt, als die Staatsministerin für Kultur und Medien 30  000 Euro Fördergelder für einen Museums-Umbau in Aussicht stellte. Dank weiterer Fördermittel vom Landkreis und von der Landeszentrale für politische Bildung, aber ebenso Spenden von privat und Firmen aus Linstow und Krakow am See bekomme man alles Notwendige zusammen, sagt Herbst. Noch nicht ganz in trockenen Tüchern sei eine Stelle für eine museumspädagogische Fachkraft zur Betreuung der Ausstellungen. Herbst ist aber zuversichtlich, dass die im Januar ihren schon bereit stehenden Arbeitsplatz in der Museumsscheune beziehen kann.

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