zur Navigation springen

Friedhofskultur : Friedhöfe überfordern Kirchengemeinden

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Arbeitsgruppe des Kirchenkreises Mecklenburg arbeitet an Lösungsvarianten / Problem: zu wenig Bestattungen und zu hoher Pflegeaufwand

von
erstellt am 05.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Kirchliche Friedhöfe sind eine würdige Ruhestätte und ein Ort des Trostes für die Angehörigen. Diese Friedhöfe auf den Dörfern wirtschaftlich zu unterhalten wird aber immer schwieriger. Sie werden kaum noch genutzt, müssen aber gepflegt werden. Pastor Siegfried Rau weiß ein Lied davon zu singen und benennt den Friedhof in Groß Upahl als eines seiner „Sorgenkinder“. Der Kirchenkreis Mecklenburg hat die Problematik erkannt und eine Arbeitsgruppe damit betraut die Situation der kirchlichen Friedhöfe unter die Lupe zu nehmen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

Insbesondere kleine Kirchengemeinden seien betroffen, betont Propst Wulf Schünemann. Veränderte Bestattungsformen würden sich hier besonders deutlich auswirken. „Hier besteht der größte Handlungsbedarf“, sagt Propst Schünemann und ergänzt, dass dies selbstverständlich „in theologischer, kirchenpolitischer und gesellschaftlicher Verantwortung“ geschehe.

„Die Friedhöfe an den Kirchen sind aber auch ein wertvolles Erbe“, betont Siegfried Rau. Sie seien historisch gewachsen und nicht wegzudenken. „Aber sie sind alle zu groß“, sagt der Tarnower Pastor. In Groß Upahl würden beispielsweise kaum noch Beerdigungen stattfinden. „Die Leute gehen nach Güstrow“, weiß Rau. Doch der Gedanke an das Aufgeben eines Friedhofes sei nur „schwer zu fassen“, formuliert Rau. Und nur langfristig zu realisieren. Insbesondere der alte Baumbestand, der die dörflichen Ruhestätten prägt, erfordere Pflege, die schnell ins Geld gehe. „Auch erwarten die Leute, dass der Rasen ständig gemäht wird“, fügt Rau hinzu. Wasser und Müllabfuhr müssten bezahlt werden.


Umfrage läuft bis Mitte August


Rau denkt, dass eine kleine Entlastung möglich wäre, wenn die Angehörigen mitunter beispielsweise Müll (Blumentöpfe und ähnliches) wieder mit nach Hause nähmen, sodass nur Grünabfall auf dem Friedhof anfallen würde. Einen zweiten Ansatzpunkt sieht Rau bei den Kommunen. Auch wenn diese ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten stecken würden. Auch der Kirchenkreis Mecklenburg verweist darauf, dass „die Unterhaltung eines Friedhofes aus kirchlicher Sicht ein Werk der Barmherzigkeit, aus gesamtgesellschaftlicher Sicht dagegen eine kommunale Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge“ sei.

Über eine Umfrage habe man bereits einen genaueren Einblick in die realen Nöte der Kirchengemeinden bekommen, betont Propst Schünemann und bittet weitere Kirchengemeinden das Umfrageergebnis zu vervollständigen. Bis Mitte August sei dazu noch Gelegenheit. Danach sollen konkrete Vorschläge unterbreitet werden, wie der Kirchenkreis die Kirchengemeinden bei der Verwaltung und Bewirtschaftung unterstützen kann. „Einige Kirchengemeinden werden sich aber auch genötigt sehen, ihren Friedhof an die Kommune abzugeben oder ihn teilweise bzw. ganz zu schließen. Auch für diesen Fall sollte der Kirchenkreis Unterstützung anbieten“, meint Propst Schünemann.

In der Kirchengemeinde Reinshagen kennt man das Problem, hat es aber selbst mit zwei Friedhöfen in Reinshagen und in Lüdershagen noch nicht. „Man muss sehr genau gucken, langfristig planen und innovativ agieren“, sagt Pastorin Friederike Jaeger. Gräberanlagen für Urnen und Särge, die wenig Pflege erfordern, nennt sie als eine Variante, Familiengrabstätten als eine zweite Idee, an der man noch arbeite. „Für die Menschen auf dem Lande ist der Friedhof ein wichtiger Bezugspunkt. Eigentlich wollen sie nicht in der Stadt begraben sein“, denkt Pastorin Friederike Jaeger.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen