Aus dem Gericht : Freiheitsstrafen für Groß Ridsenower Glockendiebe

Unwiderbringlich verloren: das  etwa 600 Jahre alte Geläut, wie es bis August 2012 auf dem Ridsenower Friedhof hing. Am 6. Oktober gaben  die Verurteilten es beim Schrotthandel ab.
Unwiderbringlich verloren: das etwa 600 Jahre alte Geläut, wie es bis August 2012 auf dem Ridsenower Friedhof hing. Am 6. Oktober gaben die Verurteilten es beim Schrotthandel ab.

Urteil gesprochen: Drei Angeklagte auf Bewährung frei, einer muss hinter Gitter

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25. März 2014, 06:00 Uhr

Zu Freiheitsstrafen zwischen sechs und 14 Monaten verurteilte das Amtsgericht Güstrow gestern die vier Angeklagten im Prozess um den Diebstahl der Groß Ridsenower Friedhofsglocke. Alle vier Männer im Alter von 22 bis 30 Jahren hätten sich gemeinschaftlich des Diebstahls oder der Hehlerei schuldig gemacht, befand das Gericht. Drei der aus der Laager Umgebung stammenden Verurteilten müssen die Haft nicht antreten, sie bekamen Bewährungsauflagen auferlegt.

Für 14 Monate ins Gefängnis muss Denny K. Bewährungschancen bekommen Marcel W. (1 Jahr und 2 Monate Freiheitsstrafe/Vollstreckung ausgesetzt zur Bewährung auf 3 Jahre sowie 150 Stunden zu leistende Sozialarbeit), Sebastian R. (6 Monate/Bewährung 2 Jahre sowie 80 Sozialstunden), Christian H. (13 Monate/Bewährung 3 Jahre und 6 Monate sowie 500 Euro Schadensgutmachung, zu zahlen an die Kirchgemeinde Laage). Bei H. kam in der Anklage zweimaliges Fahren ohne Fahrerlaubnis hinzu, wovon er in einem Fall freigesprochen wurde. Gewertet wurde zudem eine in der Nuance unterschiedlich schwere Beteiligung, aber auch unterschiedlich lange Vorstrafenregister sowie die Sozialprognose. So tritt einer der Angeklagten – alle sind arbeitslos – morgen einen Job an.

Die Verteidigung aller vier Angeklagten hatte auf Freispruch plädiert. Aus ihrer Sicht sei weder der Diebstahl den Angeklagten nachzuweisen, noch sei überhaupt nicht erwiesen, dass es sich bei der im Rostocker Schrotthandel abgegebenen Glocke um jene vom Groß Ridsenower Friedhof handele, deren Wert und Funktionstüchtigkeit sie im übrigen anzweifelten.

Dem widersprach das Gericht. Die Glocke, inzwischen komplett zerstört, sei zweifelsfrei identifiziert, und sie sei auch völlig in Ordnung gewesen und habe nicht, wie von Angeklagten und Schrotthändler behauptet, Risse aufgewiesen. Und die Behauptung, sie wüssten nicht, was sie auf der Ladefläche des Hängers nach Rostock transportierten, sei lebensfremd. Dass die Angeklagten während des ganzen Prozesses zu den Vorwürfen schwiegen, sei ihnen nicht anzulasten, stellte Richter Björn Kröhnert klar. Dass sie jedoch nichts zur Aufklärung beitrugen, wiege belastend.

Allerdings sei es aus strafrechtlicher Sicht unerheblich, ob die Angeklagten den Diebstahl selbst begingen oder „nur“ die Glocke veräußerten. Diebstahl (der keineswegs auszuschließen sei) oder Hehlerei – für die Beurteilung der Tat und das Strafmaß spiele das keine Rolle. Fakt für das Gericht: Die Glocke war in Händen der Angeklagten.

Im verhandelten Fall kommen aus Sicht des Gerichts weitere schwer wiegende Gründe hinzu, die nur eine Freiheitsstrafe zuließen. Und für drei nur noch gerade so eine Bewährungsaussetzung rechtfertigend. Da wäre der hohe kulturhistorische Wert der Glocke; allein der „Schrott“ brachte 1600 Euro ein. Die „Wiederbeschaffung“ koste einen hohen vierstelligen Betrag, und einen Markt für das historische Geläut hätte es erst gar nicht gegeben. Verschärfend wirke, dass es sich bei der Tat um eine Beeinträchtigung der Religionsausübung handele. Schlussfolgernd stellte der Richter eine „besonders schwere Tat“ fest.

Noch ist kein Urteil rechtskräftig.

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