Wildpark Güstrow : Freiheit für Steinkauz-Nachwuchs

Ein Steinkauz in seinem natürlichen Lebensumfeld zwischen Steinen.
1 von 2
Ein Steinkauz in seinem natürlichen Lebensumfeld zwischen Steinen.

Güstrower Wildpark unterstützt Arbeitskreis zum Greifsvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt und gibt fünf Tiere für Auswilderung.

23-11367750_23-66109655_1416395986.JPG von
07. November 2017, 21:00 Uhr

Der Steinkauz-Nachwuchs aus dem Güstrower Wildpark findet eine neue Heimat in Sachsen-Anhalt. Zwei Tiere gehen in die Zucht, die anderen drei Männchen wurden in der Nähe der Gersdorfer Burg ausgewildert. Der Wildpark unterstützt damit den Arbeitskreis zum Greifsvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt (AGESA). „Wir sind stolz darauf, dass wir einen kleinen Beitrag für eine große Sache, nämlich den Artenschutz und die Stärkung des Freilandbestandes der bedrohten Steinkäuze, leisten können. Wir hoffen natürlich, dass sie eine Partnerin finden und vielleicht im nächsten Jahr bereits nachziehen. Wir drücken alle die Daumen“, sagt Wildpark-Geschäftsführer Klaus Tuscher.

Die Partnersuche ist aber nicht die einzige Hürde, weiß Eckhard Kartheuser vom AGESA-Verein. Da sich Steinkäuze gern zur Nahrungssuche (u.a. Feldmäuse und Insekten) auf dem Boden und in offenen Landschaften mit kurzer Vegetation fortbewegen, sind sie leichte Beute für Marder, Habichte oder verwilderte Hauskatzen. Auch der Straßenverkehr stellt eine Gefahr für die Eulen dar. Die moderne Landwirtschaft enge den Lebensraum für Steinkäuze und ebenso für Wachteln, Feldhasen oder Rebhühner ein, berichtet Kartheuser. Auf den vom Verein gepachteten Flächen – im Großen Bruch und im Raum Quedlinburg im nördlichen Harzvorland – kehre nach und nach das Leben zurück, fügt er hinzu. Nicht nur die Steinkäuze würden dort die besten Voraussetzungen finden, sondern auch Wespenbussarde, Grünspechte oder Bienenfresser.

Zur Auswilderung erklärt Kartheuser: „Zuerst werden die Steinkäuze beringt. Zwischen August und Oktober wildern wir aus. In transportablen Volieren gewöhnen sie sich zunächst an die Umgebung und ihre Geräusche. Sie werden trainiert, selbst Mäuse zu erbeuten. Wenn sie soweit sind, öffnen wir die Tore und sie entschwinden in die Freiheit. Dann geht das Hoffen los.“ Danach würden sie zunächst einen Fettspeicher anlegen und eine Bleibe für den Winter aufsuchen. Im Februar gehen die Steinkäuze dann auf Partnersuche. Anfang April startet die Brutzeit. „Das sind die schönsten Momente für uns. Eine Auswilderung ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Die Sterblichkeitsrate im ersten Jahr liegt bei 80 Prozent. Und dennoch lohnt es sich, für die übrigen 20 Prozent zu kämpfen“, betont Kartheuser.

Der Steinkauz mit nur noch rund 6000 Brutpaaren steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Verantwortlich dafür ist der Verlust von Lebensraum – Streuobstwiesen, Weiden, alten Kopfbäumen, alter Gemäuer. Der Arbeitskreis zum Greifsvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt und Ehrenamtler wie Eckhard Kartheuser aber geben aus Liebe zum Artenschutz und den Steinkäuzen nicht auf, sondern kümmern sich. „Wir investieren viel Zeit für die Steinkäuze. Dazu zählt nicht nur die Auswilderungstätigkeit an sich, sondern auch die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen und Weiden, die wir gepachtet haben, die Optimierung des Habitats und der Brutmöglichkeiten.“ Eckhard Kartheuser selbst setzt sich seit 25 Jahren für die Steinkäuze ein. Der Verein, den es seit fünf Jahren gibt, zählt mittlerweile zwölf Brutpaare auf seinen Pachtflächen, erzählt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen