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Fischtreppe bei Kirch Rosin : Freie Bahn für Forelle, Krebs und Aal

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Am vergangenen Freitag inspizierte Rüdiger Stark vom Planungsbüro "Kulta" die neue Fischaufstiegsanlage bei Kirch Rosin. So erlebte er erstmals die Schwelle für den Hochwasserüberlauf in der Praxis.

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2013 | 04:36 Uhr

Kirch Rosin | Rüdiger Stark vom Planungsbüro "Kulta" hat ein Gefühl für Hochwasser im Blut. Am vergangenen Freitag inspizierte er die neu angelegte Fischaufstiegsanlage bei Kirch Rosin und erlebte erstmals in der Praxis das Funktionieren der Schwelle für den Hochwasserüberlauf. "Wir haben mit einem ganzen System von technischen Berechnungen die Wasserverteilung zwischen Kirch Rosin und Mühl Rosin bestimmt. Am Freitag nun sprang die unterste Schwelle des Hochwasserüberlaufs zum ersten Mal an. Es war schon toll zu erleben, wie die einzelnen Bauteile der Fischaufstiegsanlage miteinander korrespondierten und so die aufwändigen Berechnungen bestätigten", sagt der erfahrene Planer.

Seit 1995 wurde das Für und Wider zahlreicher Varianten der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit zwischen der Nebel und dem Teuchelbach diskutiert. Mit den Jahren stellte sich der zirka einen Kilometer lange Hochwasser-Entlastungsgraben bei Kirch Rosin als Vorzugsvariante heraus. Um die Durchgängigkeit für Fische und Wirbellose zu gewährleisten, musste das Doppelwehr beseitigt und eine Fischaufstiegsanlage gebaut werden. Die Realisierung der Maßnahme, die der Umsetzung der "Europäischen Wasserrahmenrichtlinie" dient und vom Europäischen Landwirtschaftsfonds gefördert wurde, begann im Oktober 2011 und fand im September vergangenen Jahres ihren Abschluss. Über die Fischaufstiegsanlagen haben nun Bachforellen, Saiblinge, Krebse, Europäische Aale, Hechte, Steinbeißer und die auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Lebewesen stehenden Flussneunaugen wieder freie Bahn.

"Für den endgültigen Abschluss der Bauarbeiten sorgt jetzt die Natur", sagt Planer Stark. Durch die einsetzende natürliche "Sukzession" wird schon in wenigen Jahren der bauliche Eingriff für den Betrachter nicht mehr wahrnehmbar sein. Zusätzlich wurden entlang des Wasserlaufs Erlen zur Vervollkommnung des Landschaftsbildes gepflanzt. "Nach und nach werden die Hochwasserabflüsse selbst das Gerinne formen und wird sich die Anlage in das Naturschutzgebiet integrieren", ist sich Stark sicher.

Edgar Held, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes (WBV), Träger der Maßnahme, verweist auf den Höhenunterschied von über sechs Metern, der zwischen dem Kirch Rosiner See und der Nebel überwunden werden musste. "Erreicht wurde das mit 74 Becken, die jeweils einen Höhenunterschied von zirka acht Zentimetern überwinden helfen", erläutert Held. Das neu angelegte Streichwehr und die "Fischbauchklappe" regeln künftig die Abflussverteilung zwischen Nebel und Inselsee. "Mit dem Ende der Bauarbeiten ist die Maßnahme aber noch nicht abgeschlossen. Es folgt jetzt ein auf mehrere Jahre angelegtes Monitoring", so Held. Ziel dieses Beobachtungs- und Überwachungsprogramms sei die Gewinnung von Daten, mit denen die Wasserverteilung optimiert werden kann. In den Datenpool würde sich dann auch das Hochwasser niederschlagen, das Rüdiger Stark am vergangenen Freitag erlebte.

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