Güstrow : Frauenhaus: Stadt will mehr helfen

In Gesprächen mit von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen geben Karin Wien und ihre Mitarbeiterinnen im Güstrower Frauenschutzhaus Hilfe in der Not.
In Gesprächen mit von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen geben Karin Wien und ihre Mitarbeiterinnen im Güstrower Frauenschutzhaus Hilfe in der Not.

20 000 Euro Bar-Zuschuss geplant – Aber: Land lehnt weitere Zuschüsse für die Einrichtung in Güstrow ab – Landkreis ziert sich noch.

23-11367760_23-66109652_1416395934.JPG von
22. Januar 2018, 21:00 Uhr

Mit zusätzlichen 20 000 Euro will die Stadt Güstrow das Frauenschutzhaus unterstützen. Der Antrag der Fraktion Freie Wähler/Einzelbewerber muss zwar noch durch Hauptausschuss und Stadtvertretung beschlossen werden, doch in den Fachausschüssen zeichnete sich ein klares Ja-Votum ab. Dennoch gibt es Unwägbarkeiten, liegend bei Land und Landkreis.

Mit diesem Betrag könnte rund ein Drittel des jährlichen Defizits des Hauses ausgeglichen werden. Die restlichen zwei Drittel des von Karin Wien, Leiterin des Hauses, mit 61000 Euro bezifferten, derzeit nicht gedeckten Bedarfs sollen, so die Hoffnung der Antragsteller, von Land und Landkreis mitgetragen werden. Ein Hintergrund: Die Entlohnung der drei Mitarbeiterinnen des Trägervereins Arche für ihre verantwortungsvolle, qualifizierte und in aller Regel aufreibende Arbeit ist festgefroren auf dem Stand aus dem Jahr 2004 und damit „ganz weit weg von üblichen Gehältern“ (Wien). Es sei offenkundig geworden, dass sich so Nachfolger nicht finden lassen würden, wenn sie am Jahresende in Rente gehe, machte Wien deutlich. Dabei wären die 61 000 Euro schon mit jetzigem Stand lediglich erforderlich, um das Haus überhaupt über die Runden zu bringen.

Land wird für Güstrower Haus nicht mehr zahlen

Das Land jedoch sieht sich außen vor. Es habe seine jährlichen Mittel zur Unterstützung der Frauenhäuser gerade aktuell so aufgestockt, dass auch in den sechs kleineren der insgesamt neun Frauenschutzhäuser eine dritte Kraft angestellt werden könne, lässt Sozialministerin Stefanie Drese auf SVZ-Anfrage mitteilen. Zur Erklärung: Das Land zahlt den Trägern je Vollzeitstelle 25 335 Euro sowie einen Sachkostenzuschuss von 14 650 Euro. Mit der Aufstockung der Mittel in diesem Jahr steigere das Land seine Zuschüsse um 20 Prozent auf 842 000 Euro. Drese: „Vor dem Hintergrund der deutlichen Erhöhung ist im aktuellen Haushalt eine Erhöhung der Unterstützung (für das Güstrower Haus/Red.) derzeit nicht beabsichtigt.“

Landkreis: Ausschüsse beraten noch

Noch unentschieden ist der Landkreis. Die Fachausschüsse des Kreistages beraten derzeit über den Haushalt des Landkreises, teilt Sprecher Michael Fengler mit. Am 29. Januar werde der Sozialausschuss auch über den Antrag des Arche-Vereins beraten. Dezernentin Anja Kerl gibt schon mal eine Richtung vor: „Die Bezahlung der Mitarbeiterinnen muss nach hiesiger Auffassung verbessert werden, weil es für die verantwortungsvolle Arbeit im Frauenschutzhaus seit langem keine Gehaltssteigerungen gegeben hat.“ Allerdings nimmt Kerl das Land in die Pflicht: „…denn der Landeszuschuss wird nicht einmal der Inflationsrate angepasst, so dass dieser strenggenommen durch den Kaufkraftverlust sogar geringer wird.“

Sozial- und Finanzausschuss der Barlachstadt haben Unterstützung für das Haus signalisiert. Gefordert wird jedoch, dass andere Gemeinden – nur in Güstrow gibt es im Landkreis solch eine Einrichtung – sich ebenfalls bzw. stärker beteiligen. Auch eine höhere Beteiligung des Landkreises wird als „politischer Wille“ artikuliert. Bürgermeister Arne Schuldt sieht da schon „Schwierigkeiten“ auf die Stadt zukommen. Zur Absage des Landes sieht der Bürgermeister „schon einen Teil der Idee weggebrochen“. „Und was wird, wenn die Anderen nicht mitziehen?“

Frauenschutzhäuser: Die Finanzierung

•  Land MV: Gemäß der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen der Einrichtungen des Beratungs- und Hilfenetzes für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt sowie für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsverheiratung vom 7. Dezember 2015 erhalten die Träger der Frauenhäuser vom Sozialministerium je Vollzeitstelle einen Zuschuss in Höhe von 25335 Euro (bei 3 Vollzeitstellen also rund  76000 Euro). Des Weiteren erhalten die Träger der Frauenhäuser jeweils einen Zuschuss zu den Sachkosten in Höhe von 14650 Euro. Gesamtleistung des Landes pro Jahr für die Frauenschutzhäuser in MV: 842000 Euro *

•  Landkreis Rostock: 35800 jährlicher Festbetrag **

•  Barlachstadt Güstrow: 35130,72 Euro (als Mietkostenzuschuss zur Verrechnung) plus 900 Euro für die Männerberatung (Plan 2018: 1800 Euro) ***

•  weitere Kommunen: Teterow 1000 Euro, Bützow 500 Euro jährlich pauschal ***

•  Eigenmittel des Trägers  (u.a. aus Nutzungsentgelten)

•  Spenden  

Quellen: *Land MV, 

 **Landkreis LRO, ***Stadt Güstrow

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen