Altstadt Güstrow : Fortschritte am zweiten Wunder

Die Hinterfront des Komplexes
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Die Hinterfront des Komplexes

SVZ-Baustellenreport in der Gleviner Straße 23 bis 25 in Güstrow / Zwölf Wohnungen entstehen / Weitere Aufwertung der Altstadt

svz.de von
10. Juli 2014, 06:00 Uhr

In der Gleviner Straße 23 in Güstrow ist der Keller neu aufgemauert, im Inneren stehen neue tragende Wände, die Fußböden sind eingebaut, die Holzdecken mit neuen Balken ergänzt und die ersten Trockenbauwände stehen. „Das Haus ist rohbaufertig“, sagte Investor Fred Muhsal während eines SVZ-Baustellenreports in dieser Woche. Die Gewerke Elektro, Heizung und Sanitär stehen quasi Gewehr bei Fuß. Muhsal rechnet im Frühjahr 2015 mit der Fertigstellung. Dann werden dort nach rund einem Jahr Bauzeit sechs Wohnungen mit Fahrstuhl bezogen. Zu jeder Wohnung wird darüber hinaus ein Parkplatz gehören.


Investition von 2,2 Millionen Euro


Was er in paar Minuten erklärte, spiegelt nicht in etwa wider, was er bei der Sanierung dieses Hauses bisher erlebte, obwohl Muhsal zu wissen glaubte, was auf ihn zukommt. „Das Haus sah einigermaßen in Ordnung aus. Aber als wir die erste Platte abnahmen, entdeckten wir den wahren Zustand“, erinnert sich der 51-Jährige, der in Waren/Müritz ein Immobilien- und Objektentwicklungsbüro hat. Aber verzagen half nicht. So mussten z.B. Stahlzargen eingebaut werden, um die Fassade mit dem Gebäude fest zu verankern. „Eine sehr aufwändige Angelegenheit“, betont der Investor, der in den vergangenen Jahren in seiner Heimatstadt Stralsund, in Waren und in Rostock – den Hornschen Hof – sanierte.

„Ganz, ganz schlecht“ war der Zustand der Nummern 24 und 25. Die wollte Muhsal zuerst auch gar nicht kaufen. „Ich bin in Gesprächen davon überzeugt worden. Anteil daran hat Bürgermeister Arne Schuldt, der es versteht, Investoren in die Altstadt zu locken, und seine Frau, die Architektin Gabriele Schuldt, die mir Häuser zeigte, die zum Verkauf stehen“, blickt Muhsal ins vergangene Jahr, als er den Entschluss fasste, in Güstrow zu investieren. Die Stadt ermöglichte es ihm, ohne Baugenehmigung, im Winter die Häuser – allerdings sehr aufwändig – zu sichern und teilweise Gebäudeteile rückzubauen, so dass die Bauarbeiten im Frühjahr beginnen konnten. „Gegenwärtig stabilisieren wir beide Häuser in Holz- und Betonbauweise“, erklärt der Investor. Im Sommer 2015 sollen die Gebäude bezugsfertig sein. Auch hier entstehen sechs Wohnungen mit Parkplatz auf dem Hof.

Fred Muhsal investiert rund 2,2 Millionen Euro. Die Stadt unterstützt mit einer Städtebaufördersumme von 950 000 Euro. Muhsal mag es allerdings gar nicht, über die letztere Summe zu reden. Denn er hat erfahren, dass sie Neid produziert. Vorwurf: Der Staat finanziert die Häuser. Muhsal hält dagegen, verweist auf das, was er bereithalten muss. Und für ihn ist Fakt: Ohne Förderung und eine Abschreibungsmöglichkeit, weil die Häuser unter Denkmalschutz stehen, könnte er solche Gebäude nicht wirtschaftlich betreiben.

Für Bürgermeister Arne Schuldt ist das auch kein Diskussionsgegenstand. Er verweist auf Beschlüsse der Stadtvertreter, die es als angemessen ansahen, Fred Muhsal im Februar 2013 den Förderhöchstsatz zu geben. Vor allem auch deshalb, weil anscheinend alle Messen gesungen waren. Zur Erinnerung: Die jahrelange Suche, auch überregional, nach einem Geldgeber zermürbte die Stadt. Es war einfach kein Investor in Sicht. Schon hatte die Stadtvertretung für diesen Fall beschlossen, dass die Stadt saniert und dafür 100 Prozent Städtebaufördermittel bezahlt. Dann ging es jedoch Schlag auf Schlag. Die Bauaufsicht forderte 2012 eine Sicherung, weil sich der Giebel der Nummer 25 ablöste. Das kostete der Stadt 40 000 Euro, sonst hätte die Gleviner gesperrt werden müssen. 2013 sollten die 23 und 24 saniert werden. Für die 25 war der Abriss geplant. An einem Neubau sollte nur die Fassade erhalten bleiben.

„Dann aber sprang auf den letzten Metern Fred Muhsal für die öffentliche Hand ein“, kommentiert Schuldt die damalige Situation. Der kaufte den Komplex für den Verkehrswert von 40 000 Euro. Weil das einem Wunder gleichkam, kreierte Schuldt den Ausspruch: „Hier wird nach Am Berge 10 bis 12 das 2. Wunder von Güstrow realisiert.“


Denkmalpflegerische Vorgaben erfüllen


Fred Muhsal orientiert sich bei der Gestaltung an einem Vorschlag des Güstrower Büros Fliege und Kruse. Das hatte in einem Architektenwettbewerb den Zuschlag erhalten, den die Stadt 2012 ausgeschrieben hatte. Zu erfüllen hat der Investor auch denkmalpflegerische Aspekte. Die Häuser entstanden um 1600 (Nr. 25), in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (Nr. 23) und um 1900 (Nr. 24). Muhsal: „Wir müssen die Bossen erneuern, innen die Fachwerkstruktur weitestgehend erhalten und in der Nummer 23 die Treppe.“ Es bleibt interessant, wie es auf dieser Großbaustelle in der Güstrower Altstadt weiter geht.

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