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Bootstour auf der Warnow : Flussfahrt durch malerische Gegend

vom

Schiffsfahrten hat es auf der Warnow seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Künftig soll ein Boot mit Elektromotor zwischen Schwaan und Bützow verkehren. Sonnabend fand eine erste Testfahrt statt.

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erstellt am 23.Apr.2012 | 09:56 Uhr

Schwaan/Bützow | Wenn es nach Sven-Erik Muskulus geht, könnte schon heute eine Bootstour auf der Warnow zwischen Schwaan und Bützow starten. Weil er künftig für diesen Abschnitt Ausflüge anbieten will, ist er am Sonnabend mit dem Kutter "Hermann Schröder" und 17 weiteren Gästen von Behörden und Institutionen wie dem Landkreis, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) zu einer Probefahrt aufgebrochen. "Ich biete schon Rundfahrten auf dem Güstrower Inselsee an und möchte das auch auf der Warnow versuchen", sagt Sven-Erik Muskulus.

Er habe sein Konzept in der Schwaaner Tourismusinformation vorgestellt, fügt Heiko Brunner, Leiter der Kunstmühle, in der sich der touristische Anlaufpunkt befindet, hinzu. "Wir suchen immer nach Möglichkeiten, den Tourismus in unserer Region voranzubringen", sagt er.

Plötzlich legt der Kutter, der maximal 11 Km/h fahren kann, ab. Schnell pegelt sich das knapp zehn Meter lange, aus Mahagoniholz gefertigte Boot auf der Mitte des Flusses ein. Mit etwas sechs PS fährt es in einer angenehmen Geschwindigkeit am Schwaaner Campingplatz "sowie zahlreichen Gärten und Wassergrundstücken vorbei.

Für Schwaan ist das Angebot von Sven-Erik Muskulus ein Glücksfall. Seit etlichen Jahren bemühte sich der einstige Bürgermeister Peter Faix, Schifffahrt auf der Warnow anzubieten. "Ich habe dazu über Jahre mit Hans-Joachim Meyer, dem Leiter des Stalu und weiteren Behörden verhandelt", erinnert er sich. Kurz bevor er sein Amt niederlegte, habe er schließlich die Genehmigung erhalten.

Mittlerweile ist der Kutter auf Höhe der Burg Werle. Der Flusslauf wird urwüchsiger, Äste von umgekippten Bäumen ragen aus dem Wasser. Schon seit mehreren Kilometern wird das Boot von einem Reiher begleitet.

Zwar erlaubt ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen den ehemaligen beiden Landkreisen, dem Stalu sowie den beiden Städten, einen Schiffsbetrieb zu eröffnen - allerdings in engen Grenzen. Die Gründe: Die Warnow ist das Trinkwassereinzugsgebiet für Rostock und Umgebung und muss deshalb scharfe Trinkwasserschutzverordnungen einhalten. Beispielsweise ist auf dem Abschnitt von Rostock nach Schwaan gar kein Motorbootverkehr möglich, weil er in der Trinkwasserschutzzone 1 liegt und es dafür hohe Auflagen gibt. Darüber hinaus liegt die Warnow in einem Flora-Fauna-Habitat sowie einem Naturschutzgebiet. Auch hierbei müssen zahlreiche Bestimmungen eingehalten werden und deswegen die Auswirkungen von regelmäßigen Bootstouren bekannt sein.

"Beispielsweise kommt es durch häufigere Wasserausflüge mit solchen Booten wie der Hermann Schröder zu Ver- und Aufwirbelungen von Sedimenten. Dadurch könnten Stoffe, wie beispielsweise Nitrat, freigesetzt werden, die sich auf die Wasserqualität negativ auswirken", sagt Dörte Kolbow, Dezernatsleiterin Wasserrechtlicher Vollzug im Stalu. Die Warnow befinde sich nach der Wasserrahmenrichtlinie in einem guten Zustand. Ein Monitoringprogramm wird zwei Jahre nach Beginn der Bootstouren überprüfen, wie sich touristischer Schiffsverkehr auf die Wasserqualität auswirke. "Die Genehmigung liegt bei der Stadt vor und Herr Muskulus könnte bei Beachtung einiger Vorschriften sofort loslegen", bekräftigt Dörte Kolbow. Doch sie macht deutlich: Von Schwaan Richtung Rostock, in der Trinkwasserschutzzone 1, ist jeglicher Motorbootverkehr verboten.

Für eine längerfristige Überprüfung spricht sich auch Gesine Strohmeyer, Geschäftsführerin von Eurawasser, aus. "Die Warnow ist ein sensibles Gewässer, deren Nährstoffhaushalt sich im Laufe der Jahreszeiten auch ändert", erklärt sie. "Wir wollen die Rahmenbedingungen und einen Kompromiss schaffen, mit dem Jeder leben kann. Schließlich soll ein Ausflug auf der Warnow immer noch ein Erlebnis bleiben", sagt sie.

Laut Schwaans Bürgermeister Mathias Schauer fragen sowohl Touristen als auch Vereine nach, eine Bootstour machen zu können. "Es ist gut, wenn nun Schifffahrt und Naturschutz in Einklang gebracht werden", sagt Mathias Schauer.

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