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Güstrower Anzeiger

13. Dezember 2017 | 08:21 Uhr

SVZ-Interview : Flughafen Laage im Aufwind

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Interview mit Geschäftsführer Reiner Schwarz / Flughafenchef blickt optimistisch in Zukunft

Die Ausrichtung, Zukunftsfähigkeit und die Finanzierung des Flughafens Rostock-Laage sind seit Jahren immer wieder ein Thema. Mit dem klaren Bekenntnis der Landesregierung für Rostock-Laage als Landesflughafen bis vorerst Ende 2017 sind die Diskussionen fast verstummt. Reiner Schwarz ist knapp ein Jahr Geschäftsführer des Airports. Im SVZ-Gespräch äußert er sich zu Erreichtem und Plänen.


Herr Schwarz, fast zwölf Monate sind Sie Chef des Flughafens Rostock-Laage. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Positiv. Wir sind in der ersten Jahreshälfte – die Zahlen liegen jetzt vor – auf Platz eins der wachstumsstärksten Flughäfen in Deutschland. Das ist ein Ergebnis, das auf Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen basiert, also keine Einschätzung von uns. Bei uns in der Branche ist dabei immer der prozentuale Zuwachs die entscheidende Größe. In absoluten Zahlen würde das nicht so sein. Aber Zuwachs ist Zuwachs. Für einen kleinen Flughafen sind 17 Prozent mehr schon eine große Leistung. Insofern glaube ich, dass es in die richtige Richtung geht.

Woraus resultiert dieser Zuwachs konkret?

An erster Stelle ist der Einstieg bei den Zubringerflügen für die Kreuzfahrtschiffe zu erwähnen. Das haben wir ja in diesem Jahr zum ersten Mal gemacht. In der zum Halbjahr vorliegenden Statistik sind noch nicht einmal alle diese Flüge dabei, denn es ging ja im Juli und August noch weiter. Also, dieses neue Segment ist sehr gut gelaufen. Ende Mai ging das los. Wir können heute ein Fazit über den Zeitraum der drei Monate ziehen und haben da über 18 000 zusätzliche Passagiere. Das ist schon eine Größenordnung für uns. Im zurückliegenden Jahr hatten wir insgesamt 170 000 Fluggäste. Daran gemessen ist das schon eine Steigerung um zehn Prozent.

In Fachkreisen gilt die Prognose, dass ein Regionalflughafen immer defizitär bleibt. Stimmen Sie dem zu?

Aktuell ist es so: Wir erzielen mit unseren Aktivitäten natürlich zusätzliche Erlöse. Gleichwohl sind wird insgesamt defizitär. Aber wir nutzen das Geld jetzt, um die Verluste aus den vergangenen Jahren abzubauen. Da sind wir derzeit gut unterwegs.

Das heißt in Zahlen?

Wir hatten am Anfang dieses Jahres einen Verlustvortrag von 250 000 Euro. Unser Ziel ist es, dass wir diese Summe am 31. Dezember 2015 abgebaut und somit ein ausgeglichenes Ergebnis haben.

Dennoch schreibt der Flughafen Rostock-Laage weiter rote Zahlen?

Wir bekommen von den Gesellschaftern 1,8 Millionen Euro und neuerdings vom Land auch eine Million Euro pro Jahr. Trotz dieser Zuschüsse gab es den Fehlbetrag. Und diesen bauen wir als ersten Schritt zunächst ab.

Es gab ja in den Jahren zuvor des Öfteren Diskussionen zu den Gesellschaftern des Flughafens und deren zu leistenden Anteil. Die aktuelle Entwicklungen müssen ja eine klare Botschaft sein?!

Ja. Die Geschichte, die wir jetzt mit dem Kreuzfahrtunternehmen Costa machen und, dass die Fluggesellschaft Germania bei uns ein Flugzeug stationiert – das ist zustande gekommen, nachdem sich das Land ganz klar zum Flughafen Rostock-Laage bekannt hat. In einer Phase, wo darüber diskutiert wird, ob ein solcher Verkehrsknotenpunkt gebraucht wird oder nicht, kann man Entwicklung vergessen. Es baut ja niemand ein Geschäft bei uns ohne langfristige Perspektive auf. Denn solche neuen Dinge in Gang zu bringen, ist mit gigantischen Anfangsinvestitionen verbunden. Deshalb war der entscheidende Schritt für uns, dass sich das Land 2014 entschieden hat, wir unterstützen den Flughafen Rostock-Laage für die nächsten vier Jahre, also bis einschließlich 2017.

Diese Unterstützung gab es dann auch wirklich?

Ja. Sie hat sich gezeigt in der finanziellen Beteiligung und in der Art und Weise, wie sich das Verkehrsministerium und Minister Pegel selbst für unseren Flughafen einsetzen. Dazu gehört auch viel persönliche Präsenz bei uns. So, als wir die Geschäftsführung von Germania das erste Mal bei uns hatten. Da war Minister Pegel auch dabei. So etwas ist wichtig, denn das hat Vertrauen bei der Airline geschaffen.

Sehen Sie im Bereich Cargo auch Potenzial am Standort Rostock-Laage?

Das sehe ich sehr differenziert. In der Vergangenheit ist da sehr viel versucht worden, aber ohne nachhaltige Ergebnisse. Wir haben Frachttransporte. Aber das ist für uns kein großes und verlässliches Volumen. Da ergibt sich eher sporadisch etwas, das wir gern mitnehmen. Kürzlich hatte wir einen spannenden Auftrag. Ein Kunde musste ganz schnell eine Schiffsschraube nach Skandinavien bringen. Aber solche Dinge sind der Ausnahmefall. Um organisiert und strukturiert hier Cargo aufzubauen, bräuchten wir eine Industrie dahinter, insbesondere eine versendende Wirtschaft.

Welche Bereiche sehen Sie dann?

Den Ferienflug. Der bleibt nicht nur bestehen, sondern wird weiter anwachsen. Germania ist da unser guter Geschäftspartner. Der zweite Bereich ist, dass wir für die Geschäftsreisenden in dieser Region ein Angebot haben müssen, dass sie von uns über Drehkreuze in die ganze Welt fliegen können. Wir haben da die Lufthansa im Boot. Da sind die Auslastungen mit 65 Prozent sehr gut. Über die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit sind bis dato noch keine Entscheidungen gefallen. In der Regel geschieht das im November. Und der dritte Bereich – bei dem sehe ich erhebliche Potenziale – ist der so genannte Incoming-Tourismus. Wir sind der Ort, zu dem die Leute kommen, um in der Region Urlaub zu machen. Wir arbeiten auf diesem Gebiet sehr eng mit den Tourismusorganisationen zusammen und versuchen, Pakete zu schnüren, um Leute aus den Quellmärkten zu uns zu holen. Da haben wir mit Linz in diesem Jahr den Einstieg in den österreichischen Markt gemacht. Das wollen wir ausbauen, beispielsweise in die Schweiz hineinkommen und in Österreich noch mehr machen. Interessant sind auch Süddeutschland oder die Benelux-Länder. Es müssen Regionen sein, wo es eigentlich zu weit ist, mit dem Auto zu fahren, aber in denen auch entsprechende Kundenklientel vorhanden ist.


 

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