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Flüchtlinge in MV : Flüchtlingsströme reißen nicht ab

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis stellt sich auch im kommenden Jahr auf zahlreiche Asylbewerber ein. Aktuell knapp 3000 Personen im Kreis untergebracht.

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Die Asylbewerberzahlen im Landkreis Rostock steigen weiter kontinuierlich an. Der Unterbringungsbedarf sei nach wie vor groß, informierte Landrat Sebastian Constien Mittwochabend die Kreistagsmitglieder. Auch wenn es zeitweise Entspannungen der Situation geben würde, so gehe der Landkreis davon aus, dass die Flüchtlingsströme nicht abreißen werden. „Wir rechnen in diesem Jahr weiter mit etwa 3400 unterzubringenden Personen“, so Constien. Mit Stand vom 1. Dezember sind im Landkreis 2951 Flüchtlinge untergebracht. Allein zwischen dem 14. September und dem 27. November seien dem Landkreis 1571 Flüchtlinge und Asylbewerber zugewiesen worden. „Doppelt so viele wie Anfang des Jahres prognostiziert“, so der Landrat.

Und Constien gab auf dem Kreistag im Güstrower Kreishaus auch eine Prognose für das kommende Jahr ab: „Für 2016 werden es nach derzeitigem Stand nicht weniger Flüchtlinge sein. Als Landkreis stehen wir damit weiter vor der Aufgabe, all diese Menschen unterzubringen.“ Dabei setzt der Kreis weiter auf eine Mischung aus dezentralen und zentralen Unterkünften. „Um Container- oder Zeltlösungen zu vermeiden, ist die Verwaltung deshalb auf schnelle und flexible Handlungsmöglichkeiten angewiesen, insbesondere was die kurzfristige Anmietung von Objekten betrifft.“

Constien präsentierte eine ausführliche Auflistung, wo im Landkreis aktuell wie viele Flüchtlinge untergebracht sind. Der Großteil, 1460 Personen, lebt in insgesamt 331 angemieteten Wohnungen, also dezentral. In den bisher sechs Gemeinschaftsunterkünften, unter anderem im Güstrower Waldweg und in der Demmlerstraße, leben 510 Personen. Damit ist die Kapazität dieser Heime nahezu ausgeschöpft. Zwei weitere Gemeinschaftsunterkünfte sind in Güstrow geplant. In Doberan, Jördenstorf und Kägsdorf bestehen noch Notunterkünfte mit insgesamt 300 Flüchtlingen. Zudem hat der Landkreis so genannte saisonale Notunterkünfte angemietet, vor allem Hotels und Ferienanlagen, die über den Winter nicht genutzt werden. Dazu zählt u.a. auch das Feriendorf Dolgen am See mit 38 Flüchtlingen und das Hotel in Lohmen, wo 87 Menschen untergebracht sind. In allen saisonalen Notunterkünften zusammen gibt es derzeit 681 Personen.

Laut Constien gebe es im Bereich der dezentralen Unterbringung auch weiterhin Engpässe bei der Beschaffung von Einrichtungsgegenständen. Deshalb wurde jetzt in Jördenstorf ein „Warenhaus“ eingerichtet, ein Lager, um einen Vorlauf zu schaffen. Auch innerhalb der Kreisverwaltung komme es jetzt zu einer Neustrukturierung, um den Flüchtlingsstrom besser abfedern zu können. Ein Fachdienst für Integration und Unterbringung soll zum Januar 2016 arbeitsfähig sein und zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren die Aufgaben bewältigen. Er wird aus drei Teams bestehen: Integration, Unterbringungsmanagement und Asylbewerberleistungen, kündigt Constien an. Organisatorisch wird dieser Dienst aus dem Sozialamt herausgelöst. „Haben wir uns bisher auf die Unterbringung konzentriert, so steht zukünftig verstärkt die Integration im Vordergrund“, sagte Dezernent Rainer Boldt.

Für nächsten Mittwoch hat der Landrat alle Bürgermeister sowie alle mit der Flüchtlingsproblematik Betrauten zu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch nach Güstrow eingeladen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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