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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 01:57 Uhr

Asyl : Flüchtlingen den Start erleichtern

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Dummerstorf nimmt ab Sonntag erste Asylbewerber aus der Ukraine auf - Bürgermeister wirbt für Toleranz und Unterstützung

Wie vor kurzem in der Güstrower Südstadt und demnächst in Krakow am See errichtet der Landkreis Rostock jetzt auch in Dummerstorf eine dezentrale Unterkunft für Asylsuchende. Schon am kommenden Sonntag nimmt die Gemeinde Dummerstorf die ersten Flüchtlinge in dezentralen Wohnungen auf. Auch in den Wochen danach werden weitere Asylbewerber folgen. Erwartet werden in erster Linie Menschen aus der Ukraine und dem russischsprachigen Raum. Darüber haben Bürgermeister Axel Wiechmann (CDU) und Rainer Boldt, stellvertretender Landrat, in dieser Woche rund 200 Einwohner bei einer Bürgerversammlung informiert.

„Wir wollen uns dieser neuen Aufgabe stellen. Gleichzeitig möchte ich für Toleranz und Unterstützung werben, Ängste und Vorurteile abbauen“, bezog Wiechmann mit seinen Eröffnungsworten klar Stellung. Untergebracht werden die Menschen in Wohnungen, die der Landkreis anmietet und mit dem Nötigsten ausstattet. Gerade in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Flüchtlinge stark angestiegen, informierte Boldt. Gleichzeitig verwies er auf einen Anteil von lediglich 2,1 Prozent der gesamten Asylbewerber in Deutschland, die auf Mecklenburg-Vorpommern entfielen. „Derzeit leben rund 1000 Flüchtlinge im Landkreis Rostock, nach jetzigen Prognosen kommen im nächsten Jahr 600 bis 800 hinzu“, so der stellvertretende Landrat. Darunter auch jene 25 bis 35 Menschen, die in Dummerstorf ein vorläufiges zu Hause finden sollen. „Ohne ihre Hilfe geht es allerdings nicht“, appellierte Boldt auch an die anwesenden Bürger der Gemeinde.

Bei ihnen war der Grundtenor überwiegend positiv. „Wir sollten eine Willkommenskultur schaffen und überlegen, wie wir die Flüchtlinge begrüßen können“, forderte Wolram Vormelker. Auch Marianne Sydow und Frank Bollensdorf boten spontan ihre Hilfe an und erkundigten sich nach Möglichkeiten, die neuen Bewohner mit materiellen Dingen zu unterstützen. Eike Borowski, Pastorin in Kavelstorf, und Angelika Blümecke, Leiterin des Dummerstorfer Mehrgenerationenhauses, luden alle Interessierten morgen um 18.30 Uhr zu einem Helferkreis ein. „Dort möchten wir in kleiner Runde darüber sprechen, wie wir die Flüchtlinge unterstützen können“, so Blümecke.

Doch auch kritische Stimmen wurden aus den Reihen einer kleinen Gruppe immer wieder laut. Die fehlende Unterstützung für die jetzigen Bewohner der Gemeinde wurde hier ebenso thematisiert wie die Angst vor Straftaten und Überfremdung.

Der Großteil der Anwesenden bot diesen Ängsten und Vorurteilen jedoch die Stirn. „Warum müssen wir jetzt so einen Terror machen? Lassen wir die Menschen doch erst einmal ankommen und helfen wir ihnen, sich hier einzugewöhnen“, fordert Hannelore Quolke mit Nachdruck.

Die Asyl- und Flüchtlingsproblematik stellt die Kommunen in MV weiterhin vor große Herausforderungen. Auch 2015 ist der Landkreis Rostock wieder aufgefordert, für Flüchtlinge und Asylbewerber kurzfristig Wohnraum zu schaffen, sie menschenwürdig unterzubringen und zu versorgen. Zurzeit existieren jeweils zwei zentrale Flüchtlingsunterkünfte in Güstrow und Bad Doberan. Gleichzeitig nimmt die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, so wie jüngst in dem Wohnblock in der Güstrower Südstadt, der Platz für 170 Personen bietet, immer mehr zu.

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