zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 08:30 Uhr

Güstrow : Flüchtlinge ziehen in Villa ein

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis mietet Haus in Güstrow / Neiddebatte bleibt nicht aus / Notausstattung mit Feldbetten

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Sie sind in Plattenbauten in Güstrow, in Wohnblöcken auf den Dörfern, in Gemeinschafts- und Notunterkünften untergebracht. In dieser Woche beziehen Flüchtlinge und Asylbewerber nun eine Villa in der John-Brinckman-Straße in Güstrow. Ist das eine glückliche Wahl? Schnell machen die „goldenen Wasserhähne“ in der „Luxusvilla“ die Runde in Güstrow. Eine unnötige Neiddebatte?

Fast täglich werden dem Landkreis Rostock Flüchtlinge zugewiesen. 2214 Waren es mit dem Stichtag 21. Oktober. Neben sechs Gemeinschafts- und vier Notunterkünften hat er dafür bislang knapp 300 Wohnungen angemietet. Ein Ende ist nicht abzusehen. Heißt: Der Landkreis sucht weiter händeringend nach Wohnungen für eine dezentrale Unterbringung.

„Der Eigentümer ist auf den Landkreis zugekommen und hat das Haus angeboten“, informiert Kay-Uwe Neumann. Dabei bewege man sich im Kostenrahmen, der durch die Richtlinie für Kosten der Unterkunft, die auch für jeden Hartz-IV-Empfänger gelten, vorgegeben ist, erklärt der Landkreis-Sprecher. Dem Kreis seien in der Vergangenheit auch schon ähnliche Objekte, u.a. mit Meerblick, angeboten worden, bei denen der durch die Richtlinie gegebene Kostenrahmen nicht eingehalten werden konnte, und die folglich nicht in Anspruch genommen wurden.

In der Güstrower Villa können 32 Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht werden. Gestern trafen die ersten ein. Zur Verfügung stehen ihnen notdürftig möblierte Zimmer mit Feldbetten. Die Belegung, so Neumann, erfolge jetzt relativ kurzfristig, so dass eine komplette Ausstattung nach dem üblichen Standard (Bett, Spind, Stuhl, Tisch, Kochtopf, Teller und Besteck, Bettwäsche und Handtücher) erst nach und nach erfolgen werde.

Schlichtheit in einer Luxusvilla, die seit einem Jahr leer steht, weil die Eigentümer Güstrow aus beruflichen Gründen wieder verlassen haben: 13 Zimmer, 550 Quadratmeter Wohnfläche, 2000 Quadratmeter Grundstück. Knapp eine halbe Million Euro möchte der Eigentümer bei einem Verkauf erlösen. Nach SVZ-Informationen will dieser von der Summe nicht abrücken, auch wenn man bei der Ostseesparkasse – mit der Vermarktung beauftragt – kaum eine Chance sieht, in Güstrow eine Villa für diesen Preis an den Mann bringen zu können. Jetzt ist die Villa erst einmal vermietet. Findet sich doch irgendwann ein Interessent gilt die übliche Regel, dass ein Verkauf die Miete nicht bricht.

Auch beim Landkreis klingelte gestern das Telefon. Hätte man nicht vorher zumindest die Nachbarschaft informieren sollen? Kreissprecher Neumann lässt die Frage im Raum stehen, verweist aber auf das bisherige Prozedere. Danach sieht sich der Landkreis in der Pflicht bei zentralen Unterkünften zuvor in Einwohnerversammlungen zu informieren, nicht aber bei dezentralen Unterbringungen von Flüchtlingen. „In diesen Fällen informieren wir nur, wenn es sich um eine Erstunterbringung in dem Ort handelt“, berichtet Neumann.

Informationen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen