Wohnungsmarkt-Analyse : Flüchtlinge: mehr Wohnraum nötig

Sehen sich in einer Wohnung im Asylbewerberheim in der Südstadt um: Dezernent Dr. Rainer Boldt, Heimleiterin Heidrun Kiel und Landkreissprecher Kay-Uwe Neumann.
Sehen sich in einer Wohnung im Asylbewerberheim in der Südstadt um: Dezernent Dr. Rainer Boldt, Heimleiterin Heidrun Kiel und Landkreissprecher Kay-Uwe Neumann.

Laut einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse braucht der Landkreis Rostock in diesem Jahr 1080 Wohnungen für Asylsuchende

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05. November 2015, 06:00 Uhr

Der Landkreis Rostock auf dem „Wohn-Prüfstand“: Laut einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts im Auftrag der Baubranche werden in diesem Jahr rund 1080 Wohnungen für Flüchtlinge zusätzlich gebraucht. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für den Landkreis in diesem Jahr damit auf rund 1890 Wohnungen.

Um diesen zu erreichen, sei es in erster Linie notwendig, das Sanieren von leerstehenden Wohnungen enorm zu forcieren, so Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. Aber auch beim Neubau von Wohnungen müsse mehr getan werden. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren im Landkreis Rostock lediglich rund 790 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Deshalb warnt das Pestel-Institut jetzt vor einem „Weiter so“: „Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich der Landkreis auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden“, sagt Matthias Günther.

Das weiß auch der Landkreis Rostock. „Die Größenordnung von rund 1080 zusätzlichen Wohnungen ist eine nachvollziehbare Zahl. Das ist nicht unrealistisch“, sagt Rainer Boldt, Dezernent der Kreisverwaltung, der sich um die Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis kümmert. Kontinuierlich ist der Landkreis auf der Suche nach neuen Wohnungen, um den Flüchtlingsstrom zu bewältigen. In diesem Jahr rechnet Boldt mit ca. 3400 Flüchtlingen, die es unterzubringen gilt, ob dezentral in Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften.

Rund 400 Wohnungen hat der Landkreis bereits angemietet. Hier sind zurzeit 1319 Flüchtlinge untergebracht, informiert Boldt. „In gleicher Größenordnung begutachten wir gerade Wohnungen, um sie anzumieten.“ Dabei handele es sich in erster Linie nicht um neue Wohnungen, sondern um Bestandswohnungen, die hergerichtet werden müssten.

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler des Pestel-Instituts bei der Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis Rostock: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich. Er spricht sich deshalb „für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen und für eine Ankurbelung vom Wohnungsneubau aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus.“

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Der Landkreis Rostock wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther. Es müsse deshalb dringend etwas passieren. Andernfalls drohe eine Wohnungskrise, die das Potenzial habe, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen, macht der Institutschef klar.

Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt für das Pestel-Institut die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Landkreis Rostock kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen. Dezernent Rainer Boldt vom Landkreis sieht für 100 Flüchtlinge eher eine durchschnittliche Zahl von 30 bis 35 Wohnungen.

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