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Güstrower Schloss : Fluchttunnel Wallensteins entdeckt?

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Mit einem Durchmesser von rund 1,10 Meter hätte Wallenstein das Güstrower Schloss, in dem der große Feldherr des Dreißigjährigen Krieges von 1628 bis 1631 residierte, sicher unbemerkt durch die Röhre verlassen können.

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 06:10 Uhr

Güstrow | Auf Zeugnisse aus 700 Jahren Bau- und Siedlungsgeschichte blickt der Schlossbesucher, schaut er rechter Hand in den Brunnengarten. "Alles auf engstem Raum und archäologisch sehr gut zu dokumentieren", begeistert sich Holger Fries. Was den Archäologen in höchstem Maße fasziniert, bereitet dem Bauleiter eher Kopfzerbrechen. Zu den bereits in der vergangenen Woche freigelegten Resten der Brunnenanlage (SVZ berichtete) kamen jetzt noch eine Wasserkunst (Kunst wie künstlich) und Teile des mittelalterlichen Befestigungsgrabens aus der Zeit der Burg, vermutlich angelegt um 1300.

Gestern traf man sich vor Ort. "Wir werden jetzt mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalschutz den Wert der Funde diskutieren und dann eine Lösung für die neue Löschwasserzisterne finden", kündigt Projektleiter Friedrich-Wilhelm Garve vom Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL) an. Ob sich Zeitrahmen und Kosten für den Bau der Zisterne jetzt verändern, sei abzuwarten. Dass man auf Reste des Brunnens stoßen würde, sei von vornherein klar gewesen. Auch wusste man, dass es ein Brunnenhaus in dem Bereich gegeben hat. Ein Kupferstich von Casper Merian (um 1650) zeigt es. Aber der Verlauf des "Wasserrohres" schräg auf das Schloss zu ist eine Überraschung.

Höchst qualitätsvoll gemauert zeigt sich das "Rohr" mit einem Durchmesser von etwa 1,10 Metern auch heute noch fast wie neu. Lediglich ein Riss kam zum Vorschein. Ein bisschen sehe es auch wie ein Fluchttunnel aus, philosophiert der Archäologe, der davon ausgeht, dass Wallenstein (residierte 1628 bis 1631 in Güstrow) den Bau in Auftrag gegeben hat. Alten Akten sei zu entnehmen, dass es mit der Wasserversorgung aus dem Mühlgraben damals Probleme gab. Deshalb sei ein Pumpenhaus errichtet worden, das Wasser aus dem südlichen Graben zum Schloss hinauf pumpte.

Endlich alten Burggraben entdeckt

Mit leuchtenden Augen weist Fries auf einen dunklen Streifen Erde hin. "Hier verläuft der Befestigungsgraben aus der Zeit der Burg. Er war etwa 8,50 Meter breit", berichtet Fries. Eigentlich hatte man den Graben zwischen Schloss und Wollhalle gesucht, aber nicht gefunden. Wilhelm Mastaler, der sich ausgiebig mit der mittelalterlichen Stadtbefestigung beschäftigte, hatte ihn dort vermutete. "Nun wissen wir, dass der Graben vom Franz-Parr-Platz kommend weiter südlich verläuft", stellt der Archäologe - zufrieden damit, dass diese Frage endlich geklärt ist - fest. Er ende an der Gleviner Straße. Das sei bereits bekannt gewesen. Vermutlich war der Graben bis zum Schlossbau (Beginn 1558) offen gewesen und ist dann mit dem Aushub aus Kellergruben der alten Burg verfüllt worden, erklärt Fries, der den Fund mit Fotos und Zeichnungen dokumentiert.

Wann und wie es weitergeht, sei jetzt noch offen. Eineinhalb Meter kann es noch tiefer in die Erde gehen, erst dann würde man dort ankommen, wo der Löschwasserspeicher für das Schloss seine Sohle laut Planung haben soll.

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