Baustopp : Fledermäuse blockieren Sanierung

Planungen für Sanierung des Eiskellers in der Hollstraße erst mal auf Eis

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21. Juli 2014, 06:00 Uhr

Ulrich Bunnemann ist sauer. Auf die Fledermäuse, auf die Behörden, auf die Umstände. Von der Stadt kaufte der Inhaber der Schelfbauhütte Schwerin im Quartier Derz’scher Hof neben vielem abbruchreifem Nebengelass auch die alte Likörfabrik. Besser: das, was von der noch übrig ist. Dazu gehört als Kernstück der so genannte Eiskeller, der wohl noch hässlichste Klotz in der Hollstraße. Ringsum ist seit längerem oder kurzem saniert, mit Bunnemann sollte auch der Eiskeller ein schönes Gesicht bekommen.

Doch da haben Fledermäuse etwas dagegen. Wie diese Flugsäuger es so an sich haben, haben die längst Besitz ergriffen von der alten und doch tiergerecht so schön Frische spendenden Altbau-Ruine. Zu Hunderten wohnen Zwergfledermäuse und – alle Indizien sprechen dafür – auch das Große Mausohr in dem maroden Gemäuer. Dumm für Bunnemann, denn diese Tierchen stehen unter besonderem Schutz. Und deren Heimstätte, wenn sie erst mal eine gefunden haben, muss erhalten werden. „So fordert es das Bundesnaturschutzgesetz“, spricht Kay-Uwe Neumann für die beim Landkreis ansässige Untere Naturschutzbehörde. Neumann spricht auch von einer „misslichen Situation“, aber: „So ist halt die Rechtslage.“


Rechtslage verbietet weiteren Bau


Die Fledermausherberge den kleinen Draculas erhalten heißt: „Da kann man nicht viel machen.“ Der Kreissprecher sieht nach einer Begehung durch seine Behörde mit Eigentümer, Stadt und Naturschutzbund vielleicht noch die Möglichkeit, den Eiskeller als Lagerhalle zu nutzen… „unter Voraussetzungen…“. Aber sonst?

Für ihn sei das wirtschaftlich nicht tragbar, sagt Bunnemann. Und schon gar nicht Versuche, über einen Verein oder andere engagierte Tierfreunde die Fledermauskolonie zu „bewirtschaften“. Bunnemann: „Fledermäuse zahlen keine Miete. Ich muss aber Abgaben auf das Grundstück leisten, wie etwa Grundsteuer.“ Diese Frage berührt den Landkreis nicht; zum Verkehrswert etwa wolle man sich nicht äußern.

Ulrich Bunnemann hatte vor, mit dem Eiskeller die Sanierung des Quartiers um den Derz’schen Hof abzurunden. Als er das Objekt „im Paket“ mit dem Derz’schen Hof gekauft hat, habe er nicht geahnt, dass die Nutzungsmöglichkeiten einmal so massiv eingeschränkt wären. Mehrere Varianten für die Herrichtung des „schwierigsten Objektes“ im Quartier habe er durchgespielt, um zuletzt bei Arztpraxen mit Loftwohnungen in der alten Industriehalle stehen zu bleiben. Dachterrasse und ein fußläufiger Durchgang zwischen Holl- und Mühlenstraße sollten die Attraktivität des einzelnen Hauses wie des ganzen Quartiers steigern. Da fehlt es noch einigen Häusern an Glanz, doch ebenso wie drei Gebäude in der Langen Straße und die (allerdings verkaufte) Mühlenstraße 47 sollte der Eiskeller bis Ende nächsten Jahres fertig sein – so die Planung, bei der „bisher alles planmäßig“ verlaufen sei, so Bunnemann. „Jetzt habe ich erst mal alle Planungen eingestellt“, sagt der verhinderte Weiterbauherr.


Rückgabe als schlechteste Lösung


Dass dies nur vorläufig so bleibt, darauf setzt die Stadt noch. In dieser Woche sei Bunnemann zu einem Gespräch mit Stadt und Umweltbehörde eingeladen, gibt Jane Weber bekannt. Mehrere Varianten sieht die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes als „konstruktive Ansätze“, wie Artenschutz, Sanierung des gesamten Komplexes mit Nebengebäuden und vernünftige Nutzung unter einen Hut gebracht werden könnten. „Das wird aber Zeit in Anspruch nehmen“, sieht Weber eine schnelle Lösung jedoch nicht in Sicht. Konkreter möchte sie nicht werden, die Materie sei dafür beim aktuellen Stand zu problematisch. Doch die 2. Stadträtin betont auch: „Die Stadt will sich nicht aus der Mitverantwortung stehlen, allein schon wegen des Erscheinungsbildes.“

Bunnemann sieht auch kein Versäumnis der Stadt. Und dennoch zu seiner Kauf-Verpflichtung, bis Ende 2015 alles fertigzustellen, nur eine Alternative: Rückabwicklung des Kaufs. Ulrich Bunnemann: „Das wäre die schlechteste Lösung, eine Enttäuschung.“


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