Güstrow : „Flagge zeigen war und ist angesagt“

Auch gestern noch, an seinem letzten Arbeitstag: Hat Burkhard Krause erst mal ein Diskussionsthema gepackt, lässt es ihn so schnell nicht los.
Auch gestern noch, an seinem letzten Arbeitstag: Hat Burkhard Krause erst mal ein Diskussionsthema gepackt, lässt es ihn so schnell nicht los.

Burkhard Krause, Leiter des Kreisamtes für Straßenbau und Verkehr, ist ab heute Rentner.

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01. März 2018, 05:00 Uhr

Leidenschaftlich, gerade heraus, verbindlich, zuweilen unbequem – Burkhard Krause mag sich auch an seinem letzten Arbeitstag nicht verbiegen. Den hatte der Leiter des Kreisamtes für Straßenbau und Verkehr gestern. Mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersrente geht der Güstrower in den Ruhestand.

Güstrower ist der 65-Jährige seit er sein Studium beendet hat. Da zog es ihn zu seiner Hanna, seiner Liebe in der Barlachstadt. Sonstige Güstrower Vorzüge zählt Krause schlaglichtartig auf: „Da gab es bald eine Wohnung für uns. Außerdem hatte ich zu Hause schlechten Westempfang. Und nur eine Sorte Bier.“ Seinen Spitznamen „Atze“, unter dem er von vielen nur genannt wird, hatte er da längst weg. „Ich bin auf einem Bauernhof in der Uckermark groß geworden. Meine Großcousinen brachten mir aus der Stadt immer ein ,Atze’-Heft mit, das ich begeistert gelesen hatte. Irgendwann sagten sie dann einfach nur Atze zu mir.“ Tatsächlich werde mitunter sogar Post an „Atze Krause“ adressiert, erzählt er: „Und die kommt an!“


In Güstrow war der Westempfang besser

In Güstrow stieg Burkhard Krause am 1. Februar 1978 bei der damaligen Kreisdirektion für Straßenwesen (KDS), einem Volkseigenen Betrieb (VEB) im Parumer Weg, ein. Hier war er bis zur politischen Wende in der DDR Verantwortlich für Straßenplanung und -bau. Hier, bei der heutigen Straßenmeisterei, sollte auch in der bundesdeutschen Zeit sein wichtigster Stützpunkt bleiben.

Die Wendezeit – für Krause ein ganz spezielles Kapitel. Von Anfang an habe er zu jenen gehört, die nicht auf eine „bessere DDR“ gebaut hätten, sondern ihre Zukunft in einem einheitlichen Deutschland sahen. Einer Partei habe er nie angehört. Und trotzdem: „Flagge zeigen war und ist auch heute angesagt. Und ich wollte etwas verändern.“ Trennungsfälle in der eigenen Familie in Ost und West hätten ihn geprägt. Deshalb sei es ihm immer um die Einheit gegangen. „Eine aufregende Zeit“, sagt er heute über die Wende und erinnert sich daran, wie der Betrieb mit Landrat Beckmann und Baudezernent Schuldt in die neue Zeit überführt wurde. Gut 90 Beschäftigte gehörten in der Spitze zur KDS, es wurde abgespeckt, aufgespalten, und am Ende 13 Leute in den Landkreis überführt. Mit der Neugründung des Straßenbauamtes wurde Krause dessen erster Leiter.

Nur zu gerne denkt Krause an sein größtes Projekt in der neuen Verantwortung zurück: die Güstrower Südumgehung über Gutow. Krause: „Die haben wir vom Planungsstart an in zwei Jahren fertig gehabt. Da bin ich heute noch stolz drauf.“ Dagegen bedauere er, dass es nicht gelungen sei, dieses Vorhaben mit der Spange zwischen Bleicherstraße und Borwinseck zu Ende zu führen. „Dafür habe ich kein Verständnis.“ Selbst an seinem letzten Arbeitstag eckt Krause noch einmal an.


Als Tischtennisspieler mit Post-SV in die 2. Liga

Die Übergabe des Amtes an Dierk Schröder ist vollzogen. „Da habe ich einen guten Nachfolger“, sagt Krause bestimmt. Den schätze er seit vielen Jahren als seinen Stellvertreter. Um seinen eigenen Unruhestand mache er sich keine Sorgen. „Haus, Hof und Garten, der Sport und die beiden Enkelkinder, dazu meine alte Awo und die EMW – ich habe genug zu tun. Hobbys sind wichtig!“ Sagt der Tischtennis-Freak, der einst bei Post Güstrow, unter anderen mit Werner Timm und Joachim Pohlmann, den Aufstieg bis in die 2. Liga geschafft hat. Mit seiner Frau Hanna, die gestern ihren „letzten freien Tag genossen“ hat, werde er im Sommer erst mal wieder auf Radtour gehen, entlang von Neiße und Oder.
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