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Güstrow: Kritik am FFH-Managementvorhaben : Fischer in Existenz bedroht, Planer rudern zurück

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Aufatmen bei Fischern und Anglern: Die erste Version des FFH-Planes Nebel und Seen, die Ängste schürte, ist vom Tisch. "Was da zu lesen war, wäre einem Berufsverbot für Fischer gleichgekommen", sagt Andreas Schlüter.

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erstellt am 19.Feb.2013 | 07:10 Uhr

Güstrow/Raden | Alarmstimmung am Ende und am Anfang des Jahres im Landesfischereiverband (LFV) und Landesanglerverband (LAV). Da lag beiden Verbänden die erste Version des FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Managementplanes für das Gebiet "Nebel mit Zuflüssen, verbundenen Seen und angrenzenden Wäldern" vor. "Was da zu lesen war, wäre einem Berufsverbot für Fischer gleichgekommen. Sie wären in ihrer Existenz bedroht", sagt Andreas Schlüter, Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Naturschutz im LFV. Auch die Angler wären betroffen, könnten quasi ihre Rute einpacken, legt er nach. Und weiter: "Es war schon krass, was bekannt wurde. Da hatten Fischer und Angler nicht nur den Eindruck, dass man sie mit dem Plan massiv von den Gewässern wegbekommen wollte."

"Ottersichere Reusen" funktionieren nicht

Kritisiert wurde z.B. von Fischern, dass Reusen "ottersicher" zu machen und mit Gittern zu versehen sind. Schlüter: "Das würde die Fangmengen arg einschränken und die Effektivität des Reusenstellens wäre geringer." Als Besatz sollten nach der ersten Planversion zukünftig bodenwühlende Fischarten wie Karpfen, Schlei und Blei verboten werden, weil sie "zu viele Nährstoffe frei setzen" würden, so Schlüter. Für die Angler wäre ihre Freizeitbeschäftigung arg in Mitleidenschaft gezogen, wenn es dabei bleibt, dass Randstreifen nicht betreten werden dürfen.

Uwe Siekierkowski bestätigt, dass seine Radener Seenfischerei gefährdet wäre, wenn ihm, wie der erste Plan vorsah, ein Siebentel seiner 330 Hektar Wasserfläche zum Fischen weggenommen werden. Vor allem ärgert den 45-Jährigen aber, dass er und seine Kollegen fast vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Vor drei, vier Jahren sei mal über das FFH-Gebiet gesprochen worden. Dann sei Funkstille gewesen. Ende des Jahres habe dann die unzumutbare erste Planversion auf dem Tisch gelegen. Der LFV und der LAV legten umgehend ihr Veto ein, machten auf die schwerwiegenden Folgen aufmerksam.

Das fruchtete. Aber erst bei einem "Versöhnungsgespräch" beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Rostock am 28. Januar, wie es Axel Pipping, Geschäftsführer des LFV und LAV, nennt, kehrte wieder Zufriedenheit ein. "Sämtliche Bedenken für unsere Pachtgewässer sind ausgeräumt", erklärte Pipping. Das hätte aber ausgeschlossen werden können, wenn "wir als Nutzer gefragt worden wären", so Pipping.

Das Stalu bestätigte gestern auf SVZ-Nachfrage, dass am 28. Januar an einer "langen und intensiven Abstimmungsrunde" u.a. Vertreter des LAV und des LFV, des Planungsbüros "Stadt und Land" sowie des Stalu teilnahmen. Im Ergebnis, so Amtsleiter Hans-Joachim Meier, könne von Berufsverbot für Fischer und Angler keinesfalls die Rede sein. Vielmehr gehe es darum, mit den Nutzern der Gewässer naturschutzfachlich begründete Ziele umzusetzen. Meier: "Maßnahmen zum Erhalt und zur Aufwertung von Lebensraumtypen werden immer nur in Abstimmung mit den Nutzern der Gewässer umgesetzt." Für "otterfreundliche Reusen", räumt Meier ein, gebe es weiteren Forschungsbedarf. Deshalb würden sie in die Managementplanung nicht aufgenommen. Bei den benthivoren (bodenaufwühlenden) Fischarten werde der Besatz nicht erhöht, besonders gelte das für Gewässer, die einen hohen Wert für den Amphibien- und Libellenschutzes haben. Randstreifen sind für Meier "bestenfalls in Einzelfällen ein Thema, wenn es um Angelgewässer geht". "Regulierte Angelnutzung" bedeutet für ihn, dass sich das Angeln auf bestimmte Stellen beschränkt. Speziell für Gewässer mit Rohrdommel-Beständen gelte, dass die Störungen "vorhersehbar" sein müssen, damit sich diese Tierart darauf einstellen könne.

Zum weiteren Ablauf sagt Meier, dass sich das Planungsbüro in der Phase der Endabstimmung mit Nutzern und Eigentümern befindet. Der Plan soll in den nächsten zwei Monate abgeschlossen werden. Meier: "Der Managementplan ist für Entscheidungen der Naturschutzbehörden verbindlich. Die Maßnahmen werden immer in Abstimmung mit den Grundeigentümern und den Nutzern der Objekte umgesetzt."

FFH-Gebiet

Im Managementplan des FFH-Gebietes „Nebel mit Zuflüssen, verbundenen Seen und angrenzenden Wäldern“ handelt es sich um folgende Gewässer: Kraazer See, Hofsee, Großer Teich, Nordufer Linstower See, Malkwitzer See, Linstower See, Krakower Obersee, Bossower See, Krakower Untersee, Ahrenshagener See, Horstsee, Kirch Rosiner See, Abgrabungsgewässer südlich von Klueß, Dorfteich Reinshagen, Kleiner Mellsee, Swinegelsee, Großer Mellsee, Warinsee, Krummer See, Schlieffenberger See, Wülwenowsee, Wendorfer See, Tolziner See, See bei Bützow

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