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Brandschutz in Gefahr : Feuerwehren schlagen Alarm

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Extremer Löschwassermangel auf dem Land: Kameraden fordern Sanierung von Löschteichen und das Anlegen neuer Brunnen.

von
erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die freiwilligen Feuerwehren schlagen Alarm. Die Löschwasserversorgung auf dem Land ist akut bedroht, ein effektiver Brandschutz in Gefahr. Das Problem: verschlammte, verkrautete und nicht mehr zugängliche Löschteiche sowie immer weniger Löschwasserentnahmestellen. Der Sanierungsbedarf ist immens. „Es liegt einiges im Argen im ländlichen Bereich. Die Wasserversorgung ist mangelhaft“, sagt Remo Schmecht, Wehrführer Krakow am See. Und nicht nur im Landkreis Rostock klagen die Kameraden, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern. „Das Löschwasserproblem ist akut. Landesweit hat sich die Situation über Jahre hochgeschaukelt“, warnt Landesbrandmeister Hannes Möller aus Güstrow.

Beispiel ist die flächenmäßig große Gemeinde Gülzow-Prüzen: „In zehn der elf Ortsteile gibt es Probleme mit der Löschwasserversorgung. Hier müssten Löschteiche saniert oder Brunnen gebaut werden“, sagt Ronny Wenzel, Wehrführer der Karcheezer Kameraden. „Zudem benötigen wir vernünftige Entnahmestellen an offenen Gewässern.“ Er hat die Situation für das Gemeindegebiet analysiert. Ergebnis: die Lage ist prekär. „Nur noch mit erhöhtem Aufwand kommen wir im Ernstfall an Löschwasser. Dabei geht wichtige Zeit verloren“, muss Wenzel frustriert feststellen. Der Brandschutz als wichtige gemeindliche Aufgabe gestalte sich immer schwieriger. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Den bestätigt auch sein Kollege Martin Migge, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Gülzow. „Wir brauchen Löschwasser!“, fordert er.

Seit dem Jahr 2015 hat sich das Problem nochmal potenziert. Da untersagten die Wasserversorger die Nutzung des Trinkwassernetzes auf dem Land für Löschzwecke. Grund sind die strengen Hygienevorschriften in der Trinkwasserverordnung. Hydranten auf dem Land gibt es seitdem kaum noch. Zudem sei das neue Trinkwassernetz nicht für die Löschwasserversorgung hergerichtet, sagt Landesbrandmeister Möller. „Es gibt einen nicht kompatiblen Rohrquerschnitt.“ Und Wehrführer Wenzel ergänzt: „Das stellt die Wehren und Gemeinden vor neue Probleme.“

Man müsse deshalb neue Wege gehen, denkt der Krakower Remo Schmecht. „Das hat man auch bereits in den Verwaltungen erkannt.“ Er habe die Krakower Stadtvertreter überzeugt, dass dringend etwas getan werden müsse. Besonders wenig Löschwasser gebe es aktuell in Steinbeck und Klein Grabow. „Wir denken über einen 30 bis 50 Meter tiefen Grundwasserbrunnen nach, um Löschwasser hoch zu pumpen. Zudem gibt es auch die Variante eines unterirdischen Löschwasserbehälters“, sagt der Wehrführer. Bei diesen Varianten werden die Gemeindehaushalte stark belastet. Das weiß auch Lalendorfs Bürgermeister Reinhard Knaack. „Wir haben gerade Angebote reingeholt für die Einrichtung einer Löschwasserentnahmestelle für mindestens 300 Kubikmeter. Kostenpunkt: 50 000 Euro. Das können wir als Gemeinde nicht wuppen“, sagt er. Dennoch will er die mangelhafte Löschwassersituation offensiv angehen. „Wir entschlammen gerade zwei Löschteiche in Lübsee und Raden. Zudem wollen wir zwei Brunnen in Langhagen bohren.“ Der Löschwasserbedarf sei in vielen Gemeinden groß. „Wir müssen das schrittweise verbessern und das Problem lösen. Das sind wir den ehrenamtlichen Kameraden schuldig“, sagt Reinhard Knaack.

Die Versorgung mit Löschwasser auf dem Land ist ein wesentlicher Punkt in der Brandschutzbedarfsplanung, die aktuell für den Landkreis erstellt wird. „Hier wird dieser Missstand aufgezeigt. Die Gemeinden sind in der Pflicht, ausreichend Löschwasser sicher zu stellen“, sagt Wehrführer Schmecht. Auch für Ronny Wenzel ist die Gemeinde der erste Ansprechpartner. „Bei Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann stoßen wir auf offene Ohren. Wir legen gerade die Reihenfolge der notwendigen Maßnahmen nach Dringlichkeit fest“, sagt er. Doch Wenzel weiß auch: „Im Ergebnis der Brandschutzbedarfsplanung ist aufgrund der zahlreichen Missstände mit hohen Kosten für die Gemeinden zu rechnen.“ Deshalb seien auch der Landkreis und das Land gefordert. „Die Gemeinden müssen zusammen mit ihnen Lösungen finden“, denkt Wenzel.

 

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