Prozess in Güstrow : „Feine Sahne Fischfilet“: Freispruch für die Angeklagten

Der Tourbus der Band „Feine Sahne Fischfilet“ mit einem der Angeklagten machte gestern Station auf dem Franz-Parr-Platz.
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Der Tourbus der Band „Feine Sahne Fischfilet“ mit einem der Angeklagten machte heute Station auf dem Franz-Parr-Platz.

Prozess wegen Landfriedensbruch nach Ausschreitungen am 30. Mai 2015 von Rechten und Linken auf Güstrower Markt.

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18. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Großaufgebot der Polizei und Massenauflauf heute vor dem Güstrower Amtsgericht. Zum Prozess gegen drei ihrer Gesinnungsgenossen hatten sich Hunderte Mitglieder aus dem linken Spektrum vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Die Güstrower Linken-Landtagsabgeordnete Karen Larisch hatte zudem eine spontane Demonstration angemeldet, um ihre Unterstützung für die Angeklagten zu bekunden. Drei Männer, darunter der Sänger der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, Jan Gorkow, mussten sich wegen Landfriedensbruch vor dem Güstrower Gericht verantworten. Die Angeklagten im Alter von 30 und 25 Jahren sollen am 30. Mai 2015 Flaschen und Stühle eines Restaurants auf eine Gruppe der rechten Szene geworfen haben (SVZ berichtete). Zu der Auseinandersetzung war es am Rande einer Kundgebung von Flüchtlingen auf dem Markt gekommen, nachdem sich eine Gruppe Rechtsextremer genähert hatte. Nach drei Stunden Prozess stand das Urteil fest: Freispruch für alle drei Angeklagten.

Umfangreiches Bild- und Videomaterial von den Ausschreitungen wurde im Prozess vorgeführt. Doch dieses brachte keine eindeutigen Beweise, dass die Angeklagten Stühle geworfen haben. Auch die beiden Hauptbelastungszeugen, beides Polizisten, konnten keinen der Angeklagten konkret als Gewalttäter identifizieren. Der Staatsanwaltschaft blieb letztendlich nichts anderes übrig, als Freispruch für alle zu fordern.

Für Karen Larisch war der Prozess eine Farce. „Hier wurde ein Verfahren geführt gegen diejenigen, die sich nur gewehrt haben. Die Provokation ging von den Rechten aus“, sagte sie. Sie spricht von einer „Verharmlosung der Nazi-Gewalt speziell in Güstrow und im Bereich der Staatsanwaltschaft Rostock“. Nur aufgrund ständiger Nachfragen ihrerseits sowie von anderen Landtagsabgeordneten der Linken habe die Staatsanwaltschaft Rostock jetzt das Verfahren gegen vier an den Ausschreitungen Beteiligte aus der rechten Szene wieder aufgenommen. Das Verfahren gegen sie sei „aus Versehen zunächst eingestellt worden“, hieß es heute auf SVZ-Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft Rostock. Jetzt werde aber wieder ermittelt.

Rund 15 Rechtsextreme, darunter auch der ehemalige Güstrower NPD-Stadtvertreter Nils Matischent, hatten am 30. Mai 2015 versucht, die friedliche Kundgebung von in Güstrow lebenden Flüchtlingen zu stören. Daraufhin stürmten mehrere Personen aus dem linken Spektrum auf die Rechtsextremen zu. Stühle eines Cafés auf dem Markt flogen durch die Luft. Der Vorfall dauerte nur wenige Minuten und beeinflusste die Kundgebung nur marginal. Personen wurden nicht verletzt, es entstand jedoch Sachschaden.

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